Logo-Gleichstellung

Gendersensible Kommunikation

Geschlechtergerechte Sprache

Alles Gender oder was?

Die 12 Sprachregeln

  • Tipp 1: Verwenden Sie beide Formen, wenn Männer und Frauen gemeint sind.
    Beide möglich: «Eine Professorin oder ein Professor wird Ihre Arbeit beurteilen ...»
    Testen Sie: Wie viele Frauen werden genannt auf die folgenden beiden Fragen?
    • Nenne mir die besten Sportler?
    • Nenne mir die besten Sportlerinnen und Sportler?
  • Tipp 2: Nennen Sie beide Geschlechter sorgfältig und symmetrisch.
    Bei Personenverzeichnissen, Nennungen oder Aufzählungen werden alle Personen wenn möglich mit vollem Namen, Funktion und Titeln aufgeführt.
    Einseitig: «Als Ehrengast war Frau Professor Brühlmann mit Ihrem Gatten eingeladen.»
    Aussagekräftiger: «Als Ehrengäste waren Frau Professor Sonja Brühlmann-Senti, Politologin, und Herr Samuel Brühlmann, Psychologe, eingeladen.»
  • Tipp 3: Vereinfachen Sie Paarformen mit dem Plural.
    Ausformulierte Doppelformen (Vollformen) können umständlich oder schwer lesbar werden. Besser: «Studierende können sich erst nach dem Doktoratsabschluss als Mitarbeiter/innen bewerben.» Betonen: Passen Sie die Reihenfolge der männlichen oder weiblichen Form sinnvoll dem Kontext an.
  • Tipp 4: Verwenden Sie die Kurzform «.../in» nur in kurzen Texten.
    Aufgrund des Schriftbilds werden sie von Vorteil nur in Formularen, Kurzmitteilungen, Protokollen etc. verwendet. Kurzformen werden nicht ausgesprochen, sondern beim Vortragen eines Textes in die Vollform aufgelöst: «Langjährige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wurden der Gruppe A zugeteilt.»
  • Tipp 5: Verwenden Sie die Kurzform grammatikalisch richtig.
    Nach dem Weglassen der Kurzform nach dem Schrägstrich muss eine grammatikalisch korrekte Formulierung übrigbleiben. Falsch: «Für behinderte Student/innen steht eine Rampe zur Verfügung.»
    Weglassprobe: «Für behinderte Student steht ...» Korrekt ist hier die Vollform oder besser die neutrale Formulierung: «Für behinderte Studierende steht eine Rampe zur Verfügung.»
    Vermeiden Sie Häufungen bei Kurzformen. Anstelle: «ein/e neue/r Assistent/in» müsste es heißen: «ein neuer Assistent/ eine neue Assistentin.»
  • Tipp 6: Verwenden Sie wenn möglich neutrale Formen.
    Substantivierte Formen wie zum Beispiel «die Jugendlichen» und eine Reihe von Begriffen wie «Personen», «Führungskräfte» etc. sind neutral und darum in der Sprachverwendung einfacher.
    Neutral: «Studierende, deren Eltern getrennt leben, wohnen aus finanziellen Gründen oft bei einem Elternteil.»
    Statt: «Hagenerinnen und Hagener» einfach: «die Hagener Bevölkerung».
    Achtung: Einige neutrale Formulierungen wirken veraltet, distanziert und ungewohnt, zum Beispiel: «die Bittstellenden», «die Kursleitenden», «die stimmabstinente Bevölkerung».
    Besser: «Alle, die nicht stimmen».
  • Tipp 7: Nutzen Sie die direkte Rede.
    Mit der direkten Anrede oder Infinitivumschreibungen lassen sich Formulierungen oft stark vereinfachen. Die direkte Rede ist auch bei Stellenbeschreibungen, Anforderungsprofilen, Zuständigkeitsbeschreibungen sinnvoller.
    Indirekt und kompliziert: «Die Benutzerin/der Benutzer der Bibliothek hat zu beachten: ...». Besser: «Bitte beachten Sie, …»
  • Tipp 8: Formulieren Sie kreativ um.
    Schwerfällige, einseitige Formulierungen lassen sich oft durch verschiedenste kreative Varianten vereinfachen und ersetzen.
    Statt: «Der FernUni-Angestellte erhält die Kinderzulagen mit dem Lohn.» Korrekt: «Die Kinderzulagen werden Angestellten der FernUniversität mit dem Lohn ausbezahlt.»
    Statt: «Jeder Student ist froh, das Prüfungsergebnis rasch zu kennen.» Neutral: «Wer die Prüfung gemacht hat, ist dankbar für eine rasche Antwort.»
    Statt: «Behandlungen beim Zahnarzt sind in der Regel nicht versichert.» Offener: «Zahnärztliche Behandlungen sind in der Regel nicht versichert.»
    Statt: «Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Seminars sind berechtigt, die Software zu benützen.» Direkter: «Die Teilnahme am Seminar berechtigt zur Benutzung der Software.»
    Mischen Sie! Der Text wird durch kreative Formulierungen und Varianten spannender, leichter lesbar und oft auch präziser.
    Tipp: Wenn Sie einen Text zuerst in der männlichen Form erarbeiten und die weibliche Form erst nachträglich ergänzen, wirkt dies meist langweilig, aufgesetzt und schwerfällig.
  • Tipp 9: Setzen Sie bei Dokumenten, die sich an Einzelpersonen richten, die präzise Form ein.
    Verfügungen, Entscheide, Verträge, Diplome, Zeugnisse, Personenverzeichnisse, Korrespondenz und alle Texte, die sich konkret an eine Person wenden, müssen geschlechtsspezifisch in der richtigen Form angepasst werden.
  • Tipp 10: Beachten Sie bei historischen Dokumenten und Übersetzungen die Hintergründe.
    Geschichtliche Darstellungen müssen die historische Genauigkeit wiedergeben. Bei Übersetzungen ins Deutsche wird die sprachliche Gleichstellung angestrebt, sie soll aber den Tatsachen entsprechen.
    Historisch: «1971 haben die Schweizer Stimmbürger über das Frauenstimm- und wahlrecht entschieden.»
    Angepasst: «Les conseillers nationaux romands» wird übersetzt mit «Die Nationalrätinnen und Nationalräte aus der Romandie.»
    Achtung: Zitate werden wortgetreu wiedergegeben.
  • Tipp 11: Vermeiden Sie Klischees.
    Ersetzen Sie veraltete Redewendungen und Stereotype, die Frauen oder Männer diffamieren oder nicht ernst nehmen.
    Ersetzen Sie: Formulierungen wie «das schwache Geschlecht», «das starke Geschlecht», «die holde Weiblichkeit», «das Familienoberhaupt»
    ganz einfach durch: "die Frauen» oder «die Männer».
    Tipp: Lassen Sie Texte, Vorträge oder Konzepte von einer Kollegin oder einem Kollegen ab und zu auf Stereotype überprüfen.
  • Tipp 12: Denken, sprechen und schreiben Sie ganz selbstverständlich für beide.
    Berücksichtigen Sie Frauen und Männer bereits bei der Planung und Konzeption von Berichten, Vorlesungen, Ausstellungen und Projekten.
    Zitieren Sie Expertinnen und Experten. Berücksichtigen Sie bei der Bildauswahl oder bei Beispielen auch Frauen. Achten Sie bei Arbeits- und Projektgruppen auf Ausgewogenheit und Meinungsvielfalt.
    Vermeiden Sie es, die sprachliche Gleichstellung durch Übertreibung lächerlich zu machen, zu trivialisieren oder zu ignorieren.

Weitere Literaturhinweise:

Bundesverwaltungsamt [externer Link]. Bundesstelle für Büroorganisation und Bürotechnik (BBB) (Hg.) (2002): BBB- Merkblatt M 19 „Sprachliche Gleichbehandlung von Frauen und Männern“, 2. Auflage, Köln

Deutscher Bundestag (Hg.) (1990): Maskuline und feminine Personenbezeichnungen in der Rechtssprache. Bericht der Arbeitsgruppe „Rechtssprache“ vom 17. Januar 1990. Drucksache 12/ 1041.1991

Eickhoff, Birgit (1999): Gleichstellung von Frauen und Männern in der Sprache. "Sprachspiegel" 1/99. Frauensprache [externer Link].

Sigrid- Metz Göckel, Marion Kamphans (Hg.): Info- Papier No3- Zum geschlechterbewussten Sprachgebrauch im BMBF- Projekt „Neue Medien in der Bildung im Hochschulbereich“. Dortmund, 2002

Linksammlung [externer Link] zu „Gender und Sprache“ von M. Jelitto, FernUniversität, Projekt MMISS

LAKOF [externer Link], Gleichsstellung von Frau und Mann in der Rechtssprache


Artikel Tipp

Hat geschlechtergerechte Sprache Einfluss auf unser Denken und Handeln? Ja, hat sie! Das zeigt eine Studie mit Kindern von Psychologinnen und Psychologen der FU in Berlin.

Hier geht es zu der Mitteilung der Deutschen Gesellschaft für Psychologie.

Originalstudie: Vervecken, D., & Hannover, B. (2015). Yes I can! Effects of gender fair job descriptions on children’s perceptions of job status, job difficulty, and vocational self-efficacy. Social Psychology, 46, 76-92.



< zurück zu Maßnahmen zur Umsetzung von Gender in der Lehre

Gleichstellungsstelle | 30.09.2016
FernUni-Logo FernUniversität in Hagen, D-58084 Hagen, Telefon: +49 (2331) 987-01, E-Mail: fernuni@fernuni-hagen.de