Im Landesgleichstellungsgesetz des Landes NRW heißt es in § 4, Sprache:
"Gesetze und andere Rechtsvorschriften sollen sprachlich der Gleichstellung von Frauen und Männern Rechnung tragen. Im dienstlichen Schriftverkehr ist auf die sprachliche Gleichbehandlung von Frauen und Männern zu achten. In Vordrucken sind geschlechtsneutrale Personenbezeichnungen zu verwenden. Sofern diese nicht gefunden werden können, sind die weibliche und die männliche Sprachform zu verwenden."
Dazu gibt es einen Spracherlass (Ministerialblatt für das Land Nordrhein-Westfalen - Nr. 31 vom 12. Mai 1993), den Sie herunterladen können:
Die gängigsten Fälle und Beispiele für sprachneutrale Formulierungen:
1. Doppelnennungen sind die höflichste und eindeutigste Form der sprachlichen
Gleichstellung da beide Geschlechter gleichermaßen angesprochen werden.
Hochschullehrerinnen und Hochschullehrer, Studentinnen und Studenten.
2. Kurzformen werden in wissenschaftlichen Texten und Formularen häufig verwendet, in der gesprochenen Sprache jedoch eher vermieden.
2.1 Der Schrägstrich kündigt eine gleichberechtigte Verwendung von Wörtern an:
Frau/Herrn, Professorin/Professor, Student/Studentin.
Statt Assistent und Assistentin und jede und jeder: Assistent/-in, jede/-r
2.2 Klammern ist eine nicht empfehlenswerte Form, auf maskuline und feminine Endungen aufmerksam zu machen, da man den Eindruck erwecken kann, die in Klammern gemeinte Person sei zweitrangig und damit weniger wichtig.
Student(in), Professor(in), jede[r]
2.3 Binnen-I ist das Schreiben mit großem I im Wortinnern.
(ProfessorInnen, MitarbeiterInnen)
Es entspricht nicht der Rechtschreibung. Es taucht jedoch häufig in informellen Texten auf. In vielen Behörden und Institutionen ist es verboten (Richtlinie in Hessen, 1992).
3. Komposita, die zu zwei Teilen aus dem generischen Maskulinum bestehen, sollten so umformuliert werden:
Statt Student(inn)envertreter(in) lieber Studierendenvertretung
4. Ersatzformen
Um sowohl Doppelnennungen zu vermeiden, als auch Frauen und Männer anzusprechen, können verschiedene Varianten gewählt werden.
· Geschlechtsneutrale Partizipien, Adjektive oder Begriffe bilden: Studierende, Lehrende
· Statt der Person die Sache bezeichnen: Leitung statt Leiter
· Adjektive verwenden: ärztlicher Rat anstatt Rat der Ärztin/ des Arztes
· Maskuline Pronomen vermeiden, wenn Frauen mitgemeint sind: statt jeder lieber alle
· Relativsätze bilden und auf da männliche Pronomen verzichten, wenn Frauen mitgemeint sind: Wer durch die Prüfung fällt, muss sie noch einmal machen.
· Gelegentlich ist es notwendig Doppelnennungen zu verwenden, um Missverständnisse zu vermeiden: Beate Müller ist die erste unter Professorinnen und Professoren, die diese Untersuchung durchgeführt hat.
5. Kongruenz im Genus
Übereinstimmung zwischen genannter Person und dem Genus ist die Regel, auch wenn Ausnahmen vorkommen:
Otto ist der Besitzer des Computers, Auftraggeberin ist die Bundesregierung, Sehr geehrte Frau Ministerin
Ausnahmen sind in diesem Fall z.B. Frau Professor und Frau Doktor.
Feststehende Begriffe beinhalten (noch) keine Kongruenz im Genus: Herr der Lage, Freund der Ordnung.
Praktische Sprachvorschläge für den Arbeitsalltag:
Funktionsbezeichnung statt Personenbezeichnung:
Statt Administrator Auftragsvergabe
Leiter Leitung
Stellvertreter Stellvertretung
Umschreibung anstatt Personenbezeichnung.
Statt: Wir benötigen die Beiträge der Wissenschaftler.
Wir benötigen die Beiträge aus der Wissenschaft.
Partizip und Adjektiv statt einer Personenbezeichnung
Statt Absender abgesendet von
Antragsteller beantragt von
Herausgeber herausgegeben von
Weitere Literaturhinweise:
Bundesverwaltungsamt. Bundesstelle für Büroorganisation und Bürotechnik (BBB) (Hg.) (2002): BBB- Merkblatt M 19 „Sprachliche Gleichbehandlung von Frauen und Männern“, 2. Auflage, Köln
Deutscher Bundestag (Hg.) (1990): Maskuline und feminine Personenbezeichnungen in der Rechtssprache. Bericht der Arbeitsgruppe „Rechtssprache“ vom 17. Januar 1990. Drucksache 12/ 1041.1991
Eickhoff, Birgit (1999): Gleichstellung von Frauen und Männern in der Sprache. "Sprachspiegel" 1/99. Frauensprache.
Sigrid- Metz Göckel, Marion Kamphans (Hg.): Info- Papier No3- Zum geschlechterbewussten Sprachgebrauch im BMBF- Projekt „Neue Medien in der Bildung im Hochschulbereich“. Dortmund, 2002
Linksammlung zu „Gender und Sprache“ von M. Jelitto, FernUniversität, Projekt MMISS
FernUniversität in Hagen, D-58084 Hagen, Telefon: +49 (2331) 987-01, E-Mail: fernuni@fernuni-hagen.de