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Biénvenue á l´Europe!

Bericht über die die Studienreise der Dôshisha Law School 2012

Tag 1

Am 05.September um 13:35 landete die Studentengruppe aus Japan am Düsseldorfer Flughafen und es sofort ging flott los: Ab in den Bus zum Hotel, Kleidungswechsel, und anschließend noch zwei offizielle Termine:

Zunächst ging es zur Rechtsanwaltskanzlei „Arqis“. Galt sie vor einigen Jahren noch als „jung und dynamisch“, so hat sie sich inzwischen im Bereich des Wirtschaftsrechts zwischen Japan und Deutschland mit der Spezialisierung auf M&A fest. Als Station ist sie dank der freundlichen Zusammenarbeit mit Herrn RA Dr. Shigeo Yamaguchi ein fester Bestandteil der Dôshisha-Reisen geworden und hat bereits zahlreiche Praktikanten aus den vergangenen Reisegruppen übernommen. Hier wurden nach einer kurzen Kanzleivorstellung die wesentlichen Unterschiede und Probleme in der praktischen Rechtsberatung zwischen den beiden Ländern erörtert. Zudem bot sich genügend Zeit für einige Fragen von den Studierenden aus Kyoto.

Die zweite Station am Tag war das Japanische Generalkonsulat in Düsseldorf. Der Generalkonsul selbst, Herr Kiyoshi Koinuma, übernahm den Vortrag über die diplomatische Vertretung Japans. Nach einer kurzen Erläuterung der Strukturen im japanischen Außenministerium stellte Generalkonsul Koinuma Deutschland und insbesondere (auch aus Hagener Sicht besonders erfreulich) die Bedeutung des Ruhrgebiets als wichtigen Standort der Energieversorgung vor. Nach einer kurzen Fragerunde schickte er die Gruppe mit warmen Begleitworten auf die Reise.

Zum Tagesabschluss ging es in ein „typisch deutsches“ Restaurant in der Altstadt. Die Gäste aus Japan waren bereits sehr angetan vom bekömmlichen Altbier, mit dem auf den gelungenen Auftakt der Reise angestoßen wurde. Große Augen und ein Raunen durch die Runde waren zu erkennen, als für jeden der vier Tische eine aufgetürmte Schweineplatte (mit je einer gegrillten und gepökelten Haxe, Steaks, Fleischkäse und Würsten) serviert wurde. An diesem Zusammensein, das auch dem näheren Kennenlernen unter den beteiligten Studierenden diente, beteiligten sich etwas später auch Rechtsanwälte der Kanzlei Arqis.

Tag 2

Am Donnerstag um 8:30 Uhr stand der erste Termin beim Amts- und Landgericht Düsseldorf an, wo uns Herr RiLG Andreas Vitek herzlich begrüßte. Er führte uns durch den imposanten Neubau an der Werdener Straße 1, das 2009 errichtet wurde und zu größten Gerichtskomplexen Deutschlands zählt. Besichtigt wurden u.a. Arbeitsräume von Richtern und Geschäftsstellen, die Bibliothek und auch der Schwurgerichtssaal, dessen hochmoderne Technik vom Vorsitzenden Richter über einen Touch-Screen-Monitor bedient werden kann. Leider konnten die Gäste aus Japan keine Verhandlung in diesem Saal erleben, weil der erste Termin verlegt und sich der zweite Termin verzögert hatte. Dennoch konnte die Reisegruppe einer Gerichtsverhandlung über einen mehrfachen Betrug beiwohnen. Sehr interessant war auch die wechselnde Ausstellung in den Fluren des Gebäudes: Sie bestand aus zahlreichen, großformatigen Portraitfotos sowohl von Inhaftierten als auch von JVA-Angestellten, wobei der Betrachter mangels Beschriftung nur raten konnte, welcher Gruppierung die abgebildete Person angehört.

Um 12:00 Uhr wurde dann die ebenfalls jüngst errichtete Justizvollzugsanstalt Düsseldorf in Ratingen besichtigt. Nachdem in einem Besprechungsraum das Sicherheitskonzept im Allgemeinen und die fünf verschiedenen Arten der Inhaftierungszellen vorgestellt wurden, ging es in die Trakte des Innenbereichs der Vollzugsanstalt. Die Studierenden waren überrascht von der verhältnismäßig lockeren Atmosphäre, den großzügigen Räumlichkeiten und verschiedenen Einrichtungen, weshalb einige auch flachsten, die Inhaftierten hier hätten es hier besser als sie selber zuhause in Kyoto.

Anschließend ging es mit dem Bus zum Kölner Hauptbahnhof, von wo der Zug Richtung Paris abfuhr. Während einer Wartezeit von 15 Minuten konnte die Gruppe noch einen kurzen Blick auf und in den Dom erhaschen.

Um 20:00 am Gare Du Nord in Paris angekommen, ging es wiederum mit dem Bus ins Hotel, wobei das Verkehrschaos bereits an der ersten größeren Kreuzung keine Zweifel aufkommen ließ, dass wir in einem anderen Land angekommen sind.

Tag 3

Zuerst stand um 9:00 Uhr der Besuch des an der Südseite der Pont de la Concorde gelegene Palais Boubon auf der Tagesordnung. Dieser Prunkbau dient seit dem Jahre 1798 bis heute als Sitz der Französischen Nationalversammlung (Assemblée nationale), der ersten Parlamentskammer Frankreichs. Besichtigt wurden u.a. der Sitzungssaal, die Bibliothek und die Büsten Jeanne d´Arcs.

Nach einem Abstecher zum Eiffelturm und zum Invalidendom, wo Napoleon begraben wurde, ging es dann zum Palais de Justice. In diesem gewaltigen Justizkomplex sind die Cour de Cassation (das höchste ordentliche Gericht), die Cour d´Appel (das Berufungsgericht) sowie das Tribunal de Grande Instance (vergleichbar mit dem Landgericht in Deutschland) beherbergt. Beigewohnt wurden Verhandlungen des Cour d´Assises, das in etwa dem deutschen Schwurgericht entspricht. Da das Dolmetschen während einer Verhandlung auch in Frankreich nicht erlaubt ist, ging es vornehmlich darum, die Atmosphäre, den Umgangston und den Verlauf der Verhandlung aufzunehmen.

Anschließend besuchte die Gruppe um 16 Uhr die Pariser Niederlassung der Kanzlei Bird & Bird. Hier hielt eine Rechtsanwältin (wegen des wunderbaren Wetters auf der Terrasse) einen Vortrag über die Tätigkeitsfelder dieser weltweit vertretenen Großkanzlei.

Als Höhepunkt des Tages (wenn nicht der gesamten Reise) ging es in die Opéra Bastille, wo das Opernstück „Hoffmanns Erzählungen“ von Jacques Offenbach als Premiere aufgeführt wurde.

Tag 4

Der Samstag stand ganz im Zeichen der Besichtigung von Sehenswürdigkeiten. Zunächst stand ein gemeinsamer Ausflug nach Versailles an. Hier wurden selbstverständlich das prächtige Schloss und dessen weitläufiger Garten besucht. Anschließend ging es zurück nach Paris, wo die Kathedrale Notre-Dame besichtigt wurde. Der Gruppe stand an beiden Orten ein japanisch-sprachiger Reiseführer zur Verfügung, der uns über die verschiedene Hintergründe dieser historischen Orte informierte.

Der anschließende Nachmittag wurde frei gegeben. Hier stand es jedem Teilnehmer offen, alleine oder in kleineren Gruppen die sonstigen Sehenswürdigkeiten wie Montmartre, den Triumphbogen oder diverse Museen zu besichtigen oder aber einfach nur auf Shoppingtour zu gehen.

Tag 5

Nachdem auch der Sonntagvormittag zur freien Verfügung stand, stieg die Gruppe gegen Mittag in den Zug Richtung Brüssel. Dort angekommen, wurden zahlreiche Sehenswürdigkeiten wie etwa der Triumphbogen, die Kathedrale St. Michel oder die Altstadt mit Manneken-Pis und Grand Place in Begleitung einer japanisch-sprachigen Reiseführerin besichtigt. Das gemeinsame Abendessen verbrachte die Gruppe in der Altstadt bei Miesmuschel und belgischem Bier.

Tag 6

Nach dem vergnügsamen Wochenende stand ab dem Montag wieder die Bildung im Vordergrund. Zuerst begab man sich um 9:00 Uhr zur Rechtsabteilung der EU-Kommission, wo den japanischen Studierenden der breitflächige Aufgabenbereich der Kommission und insbesondere dieser Abteilung erläutert wurden.

Um 11:15 Uhr ging es dann zu Fuß zur Rechtsabteilung des EU-Rates, wo vor allem das Gesetzgebungsverfahren in der EU nähergebracht wurde.

Anschließend ging es mit dem Bus zum NATO-Hauptquartier, in dessen Kantine gegen 13:00 Uhr zu Mittag gegessen wurde. Anschließend hörte sich die Gruppe zwei Vorträge an, in denen die Geschichte der NATO und deren Einsatzgebiete sowie die Bedeutung Japans für die NATO vorgestellt wurden.

Mit dem Bus ging es dann weiter nach Luxemburg. Nach einem kurzen Rundgang durch die Altstadt, die zum Weltkulturerbe der UNSCO zählt, wurde auf dem Place d´Armes zu Abend gespeist.

Tag 7

Um 8:30 Uhr startete das Programm am Gerichtshof der Europäischen Union. Zunächst ergab sich für die Gruppe die Möglichkeit, an einer kartellrechtlichen Verhandlung beim EU-Gericht teilzunehmen. Anschließend hörten die japanischen Studierenden zwei Vorträgen zu, in denen die Arbeitsweise, Funktion und Zuständigkeit zum einen des EU-Gerichts und zum anderen des EuGH erläutert wurden.

Mit dem Bus ging es dann weiter nach Straßburg.

Tag 8

In der elsässischen Hauptstadt wurden drei Institutionen besucht. Zuerst war man ab 9:00 Uhr beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) zu Besuch. Neben dem Aufgabenbereich wurde den japanischen Studierenden auch der Unterschied zwischen der EU auf der einen und dem Europarat (als dessen Institution auch der EGMR gilt) auf der anderen Seite erklärt.

Beim Europarat, den die Gruppe ab 11:00 Uhr besuchte, wurde zunächst der mächtige Sitzungssaal besichtigt. Anschließend wurde die Geschichte des Europarates beleuchtet und der heutige Aufgabenbereich erläutert. Die Abschaffung der Todesstrafe, die Voraussetzung für die Mitgliedschaft im Europarat ist, wurde im Anschluss mit großem Interesse diskutiert.

Nach dem Mittagessen ging es dann zu EU-Parlament. Hier wurden den Reiseteilnehmern in einem Vortrag die EU im Allgemeinen sowie das Abgeordnetenhaus mit Zuständigkeit, Sitzverteilung nach Land und Fraktionen, Ausschüssen u.v.m. vorgestellt. Danach betrat man den kolossalen Sitzungssaal, in dem die Debatte über Menschrechtsverletzungen in Rumänien auf der Tagesordnung stand.

Am Nachmittag begab sich die Gruppe in die Innenstadt und besichtigte den Straßburger Münster und das ehemalige Gerberviertel „Petite France“. Daraufhin ging es mit dem Bus weiter gen Karlsruhe, wo auch zu Abend gegessen wurde.

Tag 9

Da wegen umfangreicher Renovierungsarbeiten das Bundesverfassungsgericht für einen Besuch nicht zugänglich war, stand in Karlsruhe nur ein Besuch um 8:15 Uhr beim Bundesgerichtshof (BGH) an. Auch hier wurde in einer Vorstellung die Funktion der höchsten Instanz in der deutschen ordentlichen Gerichtsbarkeit Außerdem wurde einer Verhandlung beigewohnt, in der die wettbewerbsrechtliche Frage zur Entscheidung stand, ob ein Mineralwasserhersteller sein Produkt als „Bio“ bezeichnen darf.

Anschließend ging es mit dem Bus nach Stuttgart-Sindelfingen, wo wir von Frau Roth, Herrn Hecht und Herrn Niioka von der Rechtsabteilung der Daimler AG freundlich empfangen wurden. Nach dem Mittagessen in der Betriebskantine hielt Herr Niioka einen Vortrag auf Japanisch über das Tätigkeitsfeld seiner Abteilung und stand auch für Fragen der Studierenden bereit.

Zum Abschluss ging es nach Tübingen. In der Altstadt wurde u.a. der evangelische Stift, das Schloss Hohentübingen sowie der gerade herrschende umbrisch-provenzalische Markt besichtigt und anschließend in einem altehrwürdigen Restaurant gespeist.

Tag 10

Am Abflugtag blieb noch etwas Zeit für einen Abstecher zum Kloster Maulbronn. Diese vollständig erhaltene Klosteranlage steht auch seit 1993 auf der Liste der UNESCO als Weltkulturdenkmal.

Rechtzeitig am Frankfurter Flughafen angekommen, verabschiedeten sich die Mitarbeiter des Instituts von ihren japanischen Gästen.

Fazit

Trotz des dichten Bildungsprogramms hatten die Studierenden hinreichend Gelegenheit, verschiedene Eindrücke über die europäische Kultur und Lebensweise zu gewinnen. Sie waren alle vital und zogen gut mit, weshalb die Betreuung ohne nennenswerte Zwischenfälle von statten ging.

Jan-Martin Wilhelm

Magdalena Maria Stolz | 24.02.2014
FernUni-Logo FernUniversität in Hagen, Rechtswissenschaftliche Fakultät, Institut für Japanrecht, 58084 Hagen, Tel.: +49 2331 987-2578, E-Mail: Japan.Recht@fernuni-hagen.de