Institut für neuere deutsche und europäische Literatur

Illustration

Dr. Johannes F. Lehmann

Fiktion und Emotion

Termine:

8. - 11. Juni 2010, jeweils 9:15 -- 10:45 Uhr

Zielgruppe:

  • Studierendende des BA Kulturwissenschaften mit Fachschwerpunkt, vornehmlich Modul L3
  • Studierendende des BA Kulturwissenschaften ohne Fachschwerpunkt
  • Studierendende des Master Europäische Moderne: Geschichte und Literatur, vornehmlich Modul 6L
  • Studierende des Magisterstudienganges

Anmeldung:

Bitte keine gesonderte Anmeldung! Teilen Sie bei Ihrer Anmeldung zur Studienwoche aber mit, ob Sie an dieser Veranstaltung teilnehmen wollen.

Erläuterungen:

Denkt man über die Eigenart und die Wirkung von literarischen Texten oder Filmen nach (oder liest Texte, die dies tun), dann kann man in der Regel zwei Aspekte an ihnen unterscheiden: sie sind fiktional und sie haben eine emotionale Wirkung. Was aber heißt es genau zu sagen, sie sind fiktional? Gibt es doch Autobiographien und überhaupt jede Menge Romane und Erzählungen über wirkliche Ereignisse. Und was heißt es genau zu sagen, sie haben eine emotionale Wirkung? Hat man im Theater wirklich Mitleid, so wie man in Wirklichkeit mit jemandem Mitleid hat, oder ist man eher gerührt? Das führt schließlich zur Frage nach dem Zusammenhang von Fiktion und Emotion. Fühle und erlebe ich ein beobachtetes Geschehen anders, wenn ich weiß, dass es nur fiktional ist, und wenn ja, warum?

Diese Frage nach dem Bedingungsverhältnis von emotionaler Wirkung und Fiktionalität begleitet die theoretische Reflexion von Literatur von Anfang an, von der aristotelischen Poetik bis zu heutigen neuro- und kognitionspsychologischen Ansätzen. Hinter dieser literatur- bzw. ästhetiktheoretischen Frage steckt zugleich eine anthropologische Frage nach dem Zusammenspiel von Kognition und Emotion, von Wissen und Erleben. Wir wollen uns diesem Fragekomplex im Seminar daher zugleich historisch und systematisch zuwenden und der Reihe nach folgende vier Fragen stellen: 1.) Wer oder was in literarischen Texten ist fiktional? 2.) Was ist eine Emotion und wie entsteht sie im Rezipienten? 3.) Warum haben wir Vergnügen an Gegenständen in der Fiktion, die wir in der Wirklichkeit verabscheuen? 4.) Warum fühlen wir mit Goethes Werther?

Textgrundlage

  • Imre Kertész: Roman eines Schicksallosen. Berlin: Rowohlt 1996
  • Johann Wolfgang Goethe: Die Leiden des jungen Werthers. (Studienausgabe) Paralleldruck der beiden Fassungen. Reclam Nr. 9762 [bitte die erste Fassung lesen!]

Gut wäre auch, wenn Sie bis zum Seminar den Film von Lars von Trier: „Dogville“ (2003) gesehen haben.

Ein Reader mit Auszügen aus theoretischen Texten und Sekundärliteratur wird rechtzeitig verschickt.

Zur theoretischen Einführung ins Thema eignet sich:

  • Alex Neill: Fiktion und Emotionen. In: Fiktion, Wahrheit, Wirklichkeit. Philosophische Grundlagen der Literaturtheorie. Hg. von Maria E. Reicher. Paderborn 2007 (= KunstPhilosophie, Bd. 8), S. 120-142.

Anfragen zu dieser Veranstaltung richten Sie bitte an:

leyla.pektas@fernuni-hagen.de

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