Institut für Neuere deutsche Literatur- und Medienwissenschaft

13. Studienwoche Literatur- und Medienwissenschaft 2018

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Barbara Bollig, M.A.

Seminar: "Moralisches Außenseitertum: (Post-)Koloniales Afrika im deutschsprachigen Gegenwartsroman"


Termine: Montag, 4. Juni 2018, bis Donnerstag, 7. Juni 2018, jeweils 15:15 – 16:45 Uhr

Raum: Gebäude 3, Universitätsstr. 11, Raum D 005/ D006

Anmeldung: Bitte keine gesonderte Anmeldung! Teilen Sie bei Ihrer Anmeldung zur Studienwoche aber mit, ob Sie an dieser Veranstaltung teilnehmen wollen.

Erläuterungen:

Das „Herz der Finsternis“ findet immer wieder Einzug in die literarischen Werke diversester AutorInnen unterschiedlichster zeitlicher und kultureller Kontexte – und die Ausgestaltung des afrikanischen Umfeldes, der dort Heimischen sowie derer, die es aus verschiedensten Gründen dorthin verschlägt, könnte vielseitiger nicht sein. Dennoch bildet sich in westlichen Literaturen (und damit auch in deutschsprachigen Texten) eine stark kolonialistisch geprägte Sicht auf ‚Afrika‘ heraus; eine Sicht, die verstellt, dass sich dieser Kontinent aus einer Vielzahl einizigartiger Länder und ebensolcher Menschen, kultureller Strömungen und politischer Entwicklungen konstituiert. Bis heute stellen Topoi wie Invasion, Ausbeutung und Genozid durch Imperialmächte oder aber Zuschreibungen von Barbarität und Korruption Hauptbestandteile der literarischen Auseinandersetzung mit Afrika dar; Chaos und soziale Anarchie stechen ebenso hervor wie Sexismus und Missionarsarbeit – letztere besonders im Rahmen sogenannter „humanitärer Interessen“.
Postkoloniale Perspektiven und die Aufschlüsselung jener Mechaniken, die zur Darstellung Afrikas in der oben genannten Art und Weise führen, finden etwa seit den 1980er Jahren Einzug in die deutschsprachige Literatur, sowohl in Form von weniger einseitigen Darstellungen Afrikas als auch durch die moralische Reflexion bspw. kolonialgeschichtlicher oder humanitärer Interessen. Durchgeführt von ProtagonistInnen konstituieren eben diese Reflexionen und Evaluationen von Moral gegenüber Befehlsausführung AußenseiterInnen im Kontext des (post-)kolonialistischen Gegenwartsromans, die es kritisch zu beleuchten gilt.

Dieses Seminar behandelt zwei literarische Beispiele dieser Natur:
Uwe Timms „Morenga“, ein historischer Roman, der akribische Recherche realhistorischer Fakten mit künstlerischer Imagination verbindet, stellt seinen Protagonisten Gottschalk während der sogenannten Hottentotten-Revolte in Deutsch-Südwestafrika (heute: Namibia) 1904 vor die entscheidende Frage der Befehlsausführung gegenüber der Desertion. Die Geschichte des Veterinärs, seine Wahrnehmung der afrikanischen Landschaft (und den mit dieser verknüpften Frauen) sowei sein Zusammentreffen mit Morenga, dem Anführer der aus deutscher Sicht ‚feindlichen‘ Afrikaner stellen eine Grundlage des Seminars dar. Eine zweite bietet Lukas Bärfuss‘ „Hundert Tage“, ein Roman, der den naiven Idealismus des schweizer Entwicklungshelfers David Hohl in Kontext des 1994 in Ruanda stattfindenden Genozids brutal dekonstruiert und die Frage nach der Involviertheit ‚weißer‘ Organisationen in die Korruption und den gewalttätigen Aufruhr in dem afrikanischen Land stellt. Es wird jedoch auch zu diskutieren sein, inwiefern der Protagonist sich kritisch mit kolonialen Klischees auseinandersetzt bzw. diese perpetuiert – auch hier spielt unter anderem die Beziehung zu einer afrikanischen Frau eine wichtige Rolle.

Bitte bereiten Sie zur Diskussion im Seminar folgende Lektüren vor:

  • Lukas Bärfuss: Hundert Tage. München: btb 2010. (ISBN 9783442739035)
  • Uwe Timm: Morenga. München: dtv 2011. (ISBN 9783423127257)

Über eine Auswahl von Grundlagentexten zur Behandlung (post-)kolonialer Strömungen in der Literatur werden Sie rechtzeitig informiert.

Anfragen zu dieser Veranstaltung richten Sie bitte an:
barbara.bollig@fernuni-hagen.de

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