| Thema: | Umbau des Menschen. Brecht und die philosophische Anthropologie |
|---|---|
| Veranstaltungstyp: | Online Seminar |
| Ort: | Online |
| Termin: | 17.04.2012
bis 05.06.2012 |
| Zeitraum: | Jeweils dienstags 18:00 bis 20:00; eine Probe- und Einführungssitzung am 17. April, 5 Sitzungen vom 8. Mai bis zum 5. Juni |
| Leitung: |
Dr. des. Maud Meyzaud |
| Anmeldefrist: | 10.04.2012 |
| Anmeldung: | Die Höchstteilnehmerzahl wurde bereits überschritten. Weitere Anmeldungen können nicht mehr entgegen genommen werden. Wir bitten um Verständnis. |
| Auskunft erteilt: |
E-Mail: Dr. des. Maud Meyzaud
Telefon: 02331-987-4484 |
Die Thesen, wonach der Mensch „von Natur ein Kulturwesen“ ist (Gehlen) bzw. er dem Grundgesetz einer „natürlichen Künstlichkeit“ (Plessner) gehorcht, sind einer langen philosophischen Tradition verpflichtet, die auf Aristoteles zurückführt und im 18. Jahrhundert in Rousseau und Herder ihre Hauptvertreter hat. Schon in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts erhält die Vorstellung vom Menschen als einem paradoxen Tier, dessen Wesen die Differenz zwischen Natur und Kultur exponiert, einen neuen Resonanzraum. Rousseau zufolge ist der Mensch jenes Tier, das sich von allen anderen Tieren darin unterscheidet, dass er von Natur aus nichts hat und deswegen auf Technik im weitesten Sinne angewiesen ist (ausgehend von der Technik der Nachahmung bis hin zur Herstellung von Artefakten). Auch schon bei Rousseau ist der Mensch als Mängelwesen zu verstehen. Doch in der Nachfolge des Ersten Weltkriegs entfaltet sich eine anthropologische Reflexion, die das Vernichtungspotential der Technik stärker denn je in Kauf nehmen muss. Im Zuge der als „philosophischen Anthropologie“ bekannten Bewegung, die in den 20er Jahren einsetzt, gewinnt folglich die Frage, welche soziologischen und politischen Folgen aus der anthropologischen Lehre vom Menschen als Mängelwesen zu ziehen sind, eine bisher unerhöhte Schärfe. Das Fazit der negativen Anthropologie lautet allgemein: Das, was einem als „Kultur“ oder „Zivilisation“ vorkommt, ist als ein (Persönlichkeits)Panzer anzusehen, der jederzeit zu zerbrechen droht.
In denselben historischen Kontext wie Gehlens und Plessners anthropologische Reflexion ist Brechts episches Theater anzusiedeln. Zwischen dem noch dramatischen Frühwerk und den „Lehrstücken“ entsteht das Theaterstück Mann ist Mann (1924/1926). Brecht führt dem Rezipienten ein Experiment am lebendigen Menschen vor, d. i. den Vorgang des „Umbaus“ eines Packers namens Galy Gay durch Soldaten. Helmuth Lethen zufolge korrespondiert Brechts (im weitesten Sinne dem Marxismus verpflichtete) Ästhetik mit den theoretischen Schriften der philosophischen Anthropologie dahingehend, dass an einer Figur die Auslöschung von Vergangenheit, Charakter, Namen und der Tausch zugunsten einer anderen persona durchgeführt werden, die latent im anthropologischen Bild der 1920er Jahre angelegt sind.
Im Online-Seminar lesen wir Brechts Aus dem Lesebuch für Städtebewohner, Das Badener Lehrstück vom Einverstündnis und Mann ist Mann zum einen mit Abschnitten aus Plessners Die Stufen des Organischen und der Mensch und Gehlens Der Mensch. Seine Natur und seine Stellung in der Welt, zum anderen mit Benjamins Essay „Was ist das epische Theater?“ zusammen.
Das Seminar setzt sich aus einer Probe- und Einführungssitzung am 17. April und 5 Sitzungen vom 8. Mai bis zum 5. Juni zusammen, die jeweils dienstags von 18:00 bis 20:00 stattfinden. Anmeldungen können bis zum 10. April entgegengenommen werden. Die für die Teilnahme am Seminar erforderliche technische Ausstattung beschränkt sich auf ein Headset und eine Web-Kamera, alles andere erfahren Sie rechtzeitig über Moodle.
Anrechenbarkeit
Das Seminar wird als vollwertiges Seminar angerechnet. Dazu ist es jedoch erforderlich, dass die Teilnehmer an möglichst allen Sitzungen teilnehmen. Sollte mehr als eine Sitzung versäumt werden, so kann für dieses Seminar keine Teilnahmebestätigung ausgestellt werden.
FernUniversität, Institut für neuere deutsche und europäische Literatur, 58084 Hagen