| Thema: | Autobiographische Schriften der Romantik |
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| Veranstaltungstyp: | Präsenzveranstaltung |
| Adressatenkreis: | Studierende des B.A. Kulturwissenschaften, insbes. Modul L3 und des Masterstudiengangs, insbes. Modul 4L; auch geeignet für Studierende im Bachelor-Studiengang Kulturwissenschaften |
| Ort: | Erfurt |
| Adresse: |
Studienzentrum Erfurt Raum 04/05 Puschkinstr. 19 99084 Erfurt |
| Termin: | 11.05.2012
bis 12.05.2012 |
| Zeitraum: | Fr, 11.05.12 16:00 - 20:00 Uhr Sa, 12.05.12 09:00 - ca. 17:00 Uhr |
| Leitung: |
Dr. Ronald Perlwitz |
| Anmeldefrist: | 23.04.2012 |
| Anmeldung: | online-Anmeldung oder per Email an das Sekretariat |
| Auskunft erteilt: |
E-Mail: Leyla Pektas (Sekretariat)
Telefon: 02331/987-4882 |
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Wenden Sie sich bitte bei Fragen zum Seminar an Herrn Perlwitz: rperlwitz(a)aol.com oder info(a)ronaldperlwitz.de |
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Das Seminar kann als Fortsetzung früherer Romantik-Seminare oder als eigenständiges Seminar belegt werden.
An kaum einem anderen Thema lassen sich Grundtendenzen, Dilemmata und Perspektiven des romantischen Denkens besser ablesen als an der dort stattfindenden Reflexion über das Ich. Die in autobiographischen Texten angewandten Muster der künstlerischen Selbst- und Weltdeutung belegen nicht allein die romantische Sensibilität für die Stellung des Ichs in der Welt, sondern auch die Vielschichtigkeit der sich hieraus ableitenden Wirklichkeitsauffassung; im Umkehrschluss stehen sie auch für Prozesse der Er- und Entmächtigung von Subjektivität, wie sie in der Moderne zunehmend in den Fokus rücken. Thema des Seminars ist die literarische Darstellung des eigenen Lebens bei zwei Autoren, die das Reflektieren der Lebensleistungen, die Beschreibung historischer Ereignisse im Spiegel der eigenen Erfahrungen sowie die philosophische Betrachtung des Ichgefühls zu Grundprinzipien ihrer Werke erhoben haben: François-René de Chateaubriand und Joseph von Eichendorff. Beide Schriftsteller gelten nicht nur als herausragende Vertreter der literarischen Romantik, sondern auch als bedeutende Zeitzeugen der epochalen Umwälzungen in Europa. Gemeinsam ist ihnen das Unbehagen angesichts einer sich beschleunigenden Weltgeschichte mit ihren politischen und sozialen Umwälzungen, gesellschaftlichen und religiösen Auflösungserscheinungen, wirtschaftlichen Wachstumsfantasien und wissenschaftlichen Errungenschaften. Im Strudel des Zeitgeschehens suchen sie den alles hinwegreißenden Fliehkräften der fortschreitenden bürgerlichen Gesellschaft mit der Zentripetalkraft einer Geschichtsdeutung zu begegnen, die den realen Veränderungen, die Europa zu dieser Zeit erfassen, die Funktion zuschreibt, den „heiligen Hintergrund alles irdischen Lebens“ (Eichendorff) freizulegen. Dabei soll das Augenmerk darauf gelenkt werden, wie die Hochschätzung von „Erinnerung“, die mythische Verklärung der Jugend in vorrevolutionärer Zeit und die Begeisterung für das eigene randständige Schriftstellerschicksal nicht nur Fluchtmöglichkeiten bieten, sondern ein Zeitverständnis entstehen lassen, das die üblichen Regeln der Vergänglichkeit bewusst-unbewusst außer Kraft setzt. Anhand der autobiographischen Erzählungen Atala und René von Chateaubriand, Eichendorffs autobiographischer Dichtungen (wie Der Adel und die Revolution oder Halle und Heidelberg) und Erzählungen (Die Glücksritter, Das Wiedersehen) soll die romantische Entdeckung des Ichs und seiner Kontinuität nachgezeichnet und in den Kontext der geistigen und geschichtlichen Umbrüche der Zeit gestellt werden. In diesem Zusammenhang darf auch der Rekurs der romantischen Generation auf bedeutende Modelle und hier in erster Linie auf Goethes Autobiographie Dichtung und Wahrheit nicht außer Acht gelassen werden.
Für die Veranstaltung können nach Rücksprache mit dem Seminarleiter Referate übernommen werden.
Auswahlbibliographie:
Arbeitstexte:
François-René de Chateaubriand: Atala und René (deutsche Übersetzung), Europäischer Literaturverlag, 2011
Joseph von Eichendorff: Sämtliche Erzählungen, Reclam, Stuttgart, 1990
Joseph von Eichendorff: Adel und Revolution: Tagebücher, autobiographische Dichtungen, historische und politische Schriften in: JvE Werke in sechs Bänden, hg. v. Hartwig Schulz, Wolfgang Frühwald, Bd. 5, Frankfurt a.M. 1993 (die autobiographischen Schriften werden den Studenten auch als Reader zur Verfügung gestellt)
Theorie der Romantik, Hrsg. von Herbert Uerlings, Reclam, Stuttgart, 2006
Sekundärliteratur (Auswahl):
Frank, Manfred : Einführung in die frühromantische Ästhetik, Frankfurt a.M. 1989.
Fumaroli, Marc: Chateaubriand: Poésie et Terreur, Paris, 2006
Holdenried, Michaela: Autobiographie, Reclam, Stuttgart, 2000
Korte, Hermann: Joseph von Eichendorff, Reinbek bei Hamburg, 2000
Kremer, Detlef: Romantik, Stuttgart, 2006
Lejeune, Philippe: Der autobiographische Pakt, Frankfurt a.M., 1994
Pikulik, Lothar: Romantik als Ungenügen an der Normalität, Frankfurt/M, 1979
Riemen Alfred: Ansichten zu Eichendorff. Beiträge der Forschung, Sigmaringen, 1988
Schultz, Hartwig: Joseph von Eichendorff, eine Biographie, Frankfurt a.M., 2007
Sieburg, Friedrich: Chateaubriand: Romantik und Politik, Stuttgart, 1959
Ziolkowski, Theodore: Heidelberger Romantik. Mythos und Symbol, Heidelberg, 2009
FernUniversität, Institut für neuere deutsche und europäische Literatur, 58084 Hagen