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LL.B. Seminar "Strafrechtlicher Schutz der sexuellen Selbstbestimmung" im WiSe 2017/18

Die letzte Sexualstrafrechtsreform war von lebhaften Debatten darüber begleitet, wie der strafrechtliche Schutz der sexuellen Selbstbestimmung ausgestaltet sein sollte. Dabei wurde nicht nur deutlich, welche verschiedenen Vorstellungen es über sexuelle Interaktionen und sexuelle Freiheit gibt, sondern auch, wie unterschiedlich die Rolle des Staates und die Funktion des Strafrechts bewertet werden. Stimmen gegen die Reform beklagten einen Eingriff in die Intimsphäre und das Entstehen eines Moralstrafrechts, Argumente für die Reform betonten den kategorialen Unterschied zwischen Intimität und sexualisierter Gewalt, die zentrale Bedeutung von Einverständnis und die Verantwortung auch des Staates für den Schutz der sexuellen Autonomie.

Sexuelle Selbstbestimmung gehört zum Persönlichkeitskern und den Staat trifft unstreitig eine entsprechende verfassungsrechtliche Schutzpflicht. Wie diese zu erfüllen ist und ob Strafrecht als schärfstes Schwert des Rechtsstaates sich hierzu stets gleichermaßen eignet, ist aber nicht nur in Bezug auf die Reform von § 177 Strafgesetzbuch umstritten. Auch die neu eingeführte Strafbarkeit tätlicher sexueller Belästigung, die Altersgrenzen für einverständliche Sexualität, die Strafbarkeit von Zwangsheirat (aber nicht Zwangsehe) und die fortdauernde Kriminalisierung des Inzests zwischen Erwachsenen werfen immer wieder Fragen auf. In der Debatte um die Regulierung von Prostitution fordern die Vertreter*innen des sog. schwedischen Modells seit Jahren den Einsatz von Strafrecht - durch eine Freierstrafbarkeit soll Prostitution als ausbeuterisches Verhältnis beendet und die sexuelle Autonomie aller Frauen in der Gesellschaft geschützt werden. Erschwert werden rechtsdogmatische wie rechtspolitische Diskussionen dadurch, dass sexuelle Selbstbestimmung nicht explizit als Grundrecht aufgeführt ist und Inhalt wie Grenzen daher aus wandelbarer Rechtsprechung folgen.

Seminarthemen können aus diesem Spektrum ausgewählt werden und eigene Vorschläge der Studierenden sind sehr willkommen. Bitte beachten Sie, dass das Seminar den Schwerpunktbereichen "Kriminalwissenschaften" sowie (in Bezug auf verfassungsrechtliche Fragen der sexuellen Selbstbestimmung) "Staat und Verwaltung" verbindlich zugeordnet ist und dass sich auch das Thema der Bachelorarbeit jedenfalls aus den Themenbereichen des Seminars ergeben muss. Das Seminar findet am 19. und 20. Januar 2018 voraussichtlich in Hagen statt.

Hinweise zur Erstellung einer Seminararbeit im LL.B.-Studiengang

04.10.2017
FernUni-Logo FernUniversität in Hagen, Lehrstuhl für Gender im Recht, 58084 Hagen