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Vorreiterin in MINT - Rósza Péter

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"No other field can offer, to such an extent as mathematics, the joy of discovery, which is perhaps the greatest human joy."

Rózsa Péter sollte in einem Atemzug mit den Begründern der Computertheorie genannt werden. Im Gegensatz zu Gödel, Turing, Church und Kleene ist ihr Name jedoch weitgehend in Vergessenheit geraten. Damit erging es ihr nicht anders als den meisten anderen ost-europäischen Wissenschaftlern ihrer Zeit. Rózsa Péter begann an der Eötvos Lorand Universität in Budapest Chemie zu studieren, entdeckte aber bald ihre Vorliebe für Mathematik und wechselte das Studienfach.

Nachdem sie 1927 ihr Mathematikstudium abgeschlossen hatte, arbeitete sie als Lehrerin. Gleichzeitig begann sie mit ihrer Promotion, in der sie sich mit Kurt Gödels Arbeiten über Unvollständigkeit befasste. Gödel verwendete dort primitiv-rekursive Funktionen als Hilfsmittel für Unvollständigkeitsbeweise. Rózsa Péter erkannte, dass primitiv-rekursive Funktionen weit mehr als nur ein Hilfsmittel beim Beweisen sein könnten. Sie sah darin ein eigenständiges Gebiet der Mathematik, das der Effizienz und Ausführbarkeit von Berechnungen (später Komplexitätstheorie) nahe kommt. Auf dem internationalen Kongress der Mathematik in Zürich 1932 forderte Rózsa Péter aufgrund ihrer Ergebnisse über rekursive Funktionen, diese als eigenständiges Gebiet der Mathematik zu betrachten. In den Jahren 1932 bis 1936 veröffentlichte sie mehrere Aufsätze zu diesem Themenfeld, mit denen sie den Grundstein für die mathematische Theorie primitiv-rekursiver Funktionen legte.

1935 erhielt sie ihren Doktortitel summa cum laude, damit war sie die erste Ungarin überhaupt, die promoviert hatte. Nationalsozialistische Gesetze von 1939 verboten ihr jedoch das Unterrichten und beschränkten ihren Lebensraum auf das Budapester Ghetto. Péter setzte ihre Arbeit fort indem sie sich für die Allgemeinverständlichkeit der Mathematik einsetzte. 1943 erschien ihr Buch „Das Spiel mit dem Unendlichen“, in dem sie die Grundzüge der Zahlentheorie und der Logik für Laien erklärt. Das Buch wurde erst nach Kriegsende veröffentlicht. Auf Grund des großen Erfolges wurde es in 14 Sprachen übersetzt.

Ihre erste Festanstellung erhielt sie nach Kriegsende 1945 an der Budapester Lehrerhochschule. Nachdem die Hochschule 1955 geschlossen wurde, wurde sie Professorin an der Eötvos Lorand Universität, wo sie bis zu ihrer Pensionierung 1975 lehrte. Ab Mitte der 50er Jahre beschäftigte sie sich mit der Anwendung primitiv-rekursiver Funktionen in der Informatik. Sie erkannte die Grenzen in der Behandlung arithmetischer Funktionen, die erst viel später in der Komplexitätstheorie für Computeralgorithmen bestätigt wurden.

1951 erschien ihr Buch „Rekursive Funktionen“. Es erschien auf Deutsch und wurde erst 1967 ins Englische übersetzt. Dies ist einer der Gründe, warum Rózsa Péters Beitrag zur theoretischen Informatik im Westen kaum Beachtung fand. Die westliche wissenschaftliche Welt las Kleenes „Introduction to Metamathematics“, das 1952 erschienen war und sich mit den wesentlichen Inhalten wie Péters zuvor erschienenes „Rekursive Funktionen“ befasste. Obwohl Kleene Rózsa Péter 1952 in einem Artikel des Bull. Amer. Math. Soc. als „die führende Referenz auf dem Spezialgebiet der rekursiven Funktionen" beschrieb, ist ihr Beitrag bis heute weitgehend in Vergessenheit geraten. 1973 wurde Rózsa Péter als erste Mathematikerin in die Ungarische Akademie der Wissenschaften gewählt. 1976 erschien ihr letztes Buch „Rekursive Funktionen in der Komputertheorie". Sie starb im Jahr darauf am 16. Februar 1977 in Budapest.

Literatur: http://www.sdsc.edu/ScienceWomen/peter.html

http://www.agnesscott.edu/lriddle/women/peter.htm

http://www-history.mcs.st-andrews.ac.uk/history/Mathematicians/Peter.html

Bildnachweis: http://www.sdsc.edu/ScienceWomen/peter.html


11.02.2015
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