Logo - Fakultät für Wirtschaftswissenschaft Lehrstuhl für BWL insb. Betriebswirtschaftliche Steuerlehre

Aktuelle Projekte

Informationelles Mindestmaß handelsrechtlicher Jahresabschlüsse - Kritische Analyse der Erleichterungen von Buchführung, Bilanzierung, Prüfung und Offenlegung

In den vergangenen Jahren ist eine zunehmende gesetzgeberische Intention zur bürokratischen Entlastung von Unternehmen festzustellen. Diese Entwicklung hat auch Einfluss auf die deutsche Rechnungslegung genommen: Beispielsweise wurde im Rahmen des BilMoG mit den §§ 241a, 242 Abs. 4 HGB die Möglichkeit einer gänzlichen Freistellung von Buchführung und Jahresabschluss für bestimmte Einzelkaufleute geschaffen; darüber hinaus wurden die Schwellenwerte, die bei der Einordnung von Kapitalgesellschaften in eine Größenkategorie maßgeblich sind, stetig erhöht.

Die Inanspruchnahme der Erleichterungen führt zu einem Informationsverlust für die Jahresabschlussadressaten, was möglicherweise zu einer Kollision mit den handelsrechtlichen Bilanzzwecken führt.

Vor diesem Hintergrund untersuchen Stephan Meyering, Christoph Hintzen und Sebastian Friegel, ob die bestehenden Rechnungslegungserleichterungen bilanztheoretisch tolerierbar sind.


Kosten der Besteuerung

In der Wissenschaft besteht Einigkeit, dass die Besteuerung vielfältige Kosten verursacht, die über die eigentliche Steuerzahlung hinausgehen. Sie entstehen beiden Hauptakteuren im Besteuerungsverfahren; d. h. sowohl bei den Steuerpflichtigen wie auch bei dem Staat. Für Steuerpflichtige bewirken diese Kosten eine zusätzliche Belastung neben der eigentlichen Steuerzahlung, für den Staat eine Minderung der Nettoeinnahmen der Besteuerung. Es verwundert daher nicht, dass die Akteure des Besteuerungsverfahrens nach Verringerung bzw. Beseitigung dieser Kosten streben und sich auch die Wissenschaft mit den Kosten der Besteuerung befasst. Beim Besehen des Schrifttums zeigt sich jedoch, dass über die Definition des Begriffs "Kosten der Besteuerung" keine Einigkeit besteht.

Vor diesem Hintergrund verfolgen Stephan Meyering, Matthias Gröne und Johanna Serocka das Ziel, die Kosten der Besteuerung zu kategorisieren und zu systematisieren.


Die effiziente Ermittlung eines gerechten steuerlichen Gewinns

Im Jahr 2008 hat die damalige Große Koalition durch das BilMoG für mächtig viel Wirbel bei der steuerlichen Gewinnermittlung gesorgt (durch die Abschaffung der umgekehrten Maßgeblichkeit). Spätestens damals stellte sich die Frage nach der Zukunftsfähigkeit der Maßgeblichkeit: Diese diente ursprünglich der Vereinfachung und damit der Effizienz der Besteuerung, sie entfaltet aber nur noch bedingt vereinfachende Wirkung. Wenn vor diesem Hintergrund über Alternativen der steuerlichen Gewinnermittlung nachgedacht wird, sind dabei die beiden zentralen Anforderungen zu berücksichtigen, denen eine steuerliche Gewinnermittlung zu genügen hat: Gerechtigkeit und Effizienz.

In diesem auf mehrere Jahre angelegten Projekt beleuchtet Stephan Meyering verschiedenste Facetten der steuerlichen Gewinnermittlung. Insbesondere strebt er die Beantwortung folgender Forschungsfragen an:

  • Wann ist ein Gewinn gerecht ermittelt? Führt das derzeit geltende Recht zur Ermittlung eines gerechten Gewinns?
  • Wann ist ein Gewinn effektiv ermittelt? Führt das derzeit geltende Recht zur effektiven Ermittlung eines Gewinns?
  • Lässt sich ein Gewinn gleichzeitig gerecht und effektiv ermitteln? Führt das derzeit geltende Recht zur effektiven Ermittlung eines gerechten Gewinns? Welche Alternativen gibt es, die die Anforderungen erfüllen?


Existenzgründung und Steuern

Bei einer Existenzgründung sieht sich ein Existenzgründer mit vielfältigen Herausforderungen konfrontiert, insb. mit zahlreichen konstitutiven (Wahl der Rechtsform, Standortwahl) und funktionalen (insb. Investitions-, Finanzierungsentscheidungen) Unternehmensentscheidungen. In diesem langfristig angelegten Projekt geht Stephan Meyering insb. folgenden Forschungsfragen nach:

  • Welche von einem Existenzgründer zu treffenden Unternehmensentscheidungen werden durch Steuern beeinflusst?
  • Bestehen bei einer solchen Entscheidung Alternativen? Wenn ja, welche Parameter bestimmen den Entscheidungsraum? Können die Alternativen miteinander verglichen werden? Wenn nein, wie können die Alternativen vergleichbar gemacht werden?
  • Wie sollte die jeweilige Entscheidung aus Sicht der Betriebswirtschaftlichen Steuerlehre erfolgen?


Die Kosten der Inanspruchnahme steuerlicher Wahlrechte

Durch die Ausübung steuerlicher Wahlrechte räumt der Gesetzgeber den Steuerpflichtigen die Möglichkeit ein, die Höhe ihrer Steuerlast zu beeinflussen. Wirtschaftlich sinnvoll ist dies aus Sicht der Steuerpflichtigen jedoch nur dann, wenn die durch die Ausübung des Wahlrechts verursachten Kosten den daraus generierbaren Nutzen nicht übersteigen. Bei der Entscheidung für oder gegen die Ausübung eines steuerlichen Wahlrechts sollte also im Vorfeld eine entsprechende Kosten-Nutzen-Abwägung durchgeführt werden.

Es ist jedoch festzustellen, dass die konkrete Ermittlung der verursachten Kosten in der Literatur bisher nicht explizit behandelt worden ist. Diese Forschungslücke möchte Johanna Serocka im Rahmen ihres Promotionsprojektes schließen. Dabei strebt sie die Beantwortung folgender Forschungsfragen an:

  • Welche Kosten sind im Rahmen der Ausübung der steuerlichen Wahlrechte zu berücksichtigen?
  • Wie lassen sich diese Kosten quantifizieren?
  • Können allgemeingültige Aussagen zur Wirtschaftlichkeit einzelner steuerlicher Wahlrechte getroffen werden?

Deutsche Outbound-Investitionen in der digitalen Wirtschaft – eine steuerplanerische Analyse

In den letzten Jahren haben die Steuergestaltungsstrategien einiger international tätiger US-Großkonzerne für viel Aufsehen gesorgt. Ermöglicht wurden die Gestaltungen durch dem amerikanischen Gesetzgeber bekannte Steuerschlupflöcher, deren Nichtbeseitigung als eine politisch gewollte steuerliche Exportsubvention durch die Vereinigten Staaten gewertet werden kann. Dies hat gravierende Wettbewerbsverzerrungen zu Lasten von Unternehmen anderer Jurisdiktionen, wie etwa deutschen Unternehmen, zur Folge.

Andererseits werden aber auch die Eigenschaften der sog. digitalen Wirtschaft, auf die die bisherigen steuerlichen Grundsätze nicht ohne weiteres übertragen werden können sollen, als ursächlich für die zu beobachtenden Besteuerungsrückgänge ausgemacht.

Diesen Befund nimmt Christoph Moese in seinem Promotionsvorhaben zum Anlass zu untersuchen, inwieweit auch deutsche Unternehmen der digitalen Wirtschaft durch internationale Steuerplanung ihre eigene Steuerbelastung reduzieren und damit die rechtlich bedingten Wettbewerbsverzerrungen kompensieren können.


Informationsgüte des handelsrechtlichen Jahresabschlusses

Mit dem im Jahr 2009 verabschiedeten BilMoG erfolgte eine Annäherung des HGB an internationale Rechnungslegungsstandards. Insbesondere sollte die Informationsfunktion des handelsrechtlichen Jahresabschlusses gestärkt werden. Damit einhergehend wurde die Bilanz bspw. durch das Wahlrecht zur Aktivierung selbsterstellter immaterieller Vermögensgegenstände des Anlagevermögens (§ 248 Abs. 2 HGB) erweitert.

Vor diesem Hintergrund versuchen Stephan Meyering und Matthias Gröne nachfolgende Frage zu beantworten:

  • Wie haben die Änderungen des BilMoG die Grenzen einer bilanzwürdigen (jahresabschlusswürdigen) Information verschoben?
Lehrstuhl Meyering | 19.10.2017
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