Logo

Aktuelles

2. Deutsch-lateinamerikanischer Hegel-Kongress (24.10.-26.10.2017)

Illustration
Festakt zur Eröffnung des Zweiten Deutsch-lateinamerikansischen Hegelkongresses. Foto: Juan Paulo Roldán

Ein „Leuchtturm“ im internationalen philosophischen Austausch:
Der Zweite Deutsch-lateinamerikanische Hegel-Kongress fand im Oktober in Chile statt.

Die derzeit zehn Universitäten des deutsch-lateinamerikanischen Forschungs- und Promotionsnetzwerks FILORED, das seine „Zentrale“ am Institut für Philosophie der FernUniversität in Hagen hat, haben sich ein ehrgeiziges Ziel gesteckt: Alle drei Jahre soll an wechselnden Austragungsorten ein großer, die internationale Forschung zur klassischen deutschen Philosophie ansprechender „Deutsch-lateinamerikanischer Hegelkongress“ stattfinden. Während das „Alltagsgeschäft“ von FILORED in der Betreuung von binationalen Promotionen, in der Abhaltung von Online-Colloquien über den Atlantik hinweg, in der Förderung von wissenschaftlichem Personenaustausch und der Organisation von kleineren Fachtagungen liegt, bilden die Kongresse „so etwas wie die weithin sichtbaren Leuchttürme unserer Arbeit“ – so der FILORED-Koordinator, Prof. Dr. Thomas Sören Hoffmann (Hagen), bei der Eröffnung des nunmehr zweiten Deutsch-lateinamerikanischen Hegelkongresses, der vom 24. bis zum 26. Oktober 2017 an der Päpstlichen Universität von Valparaíso (PUCV), einer der großen, alteingesessenen Universitäten Chiles, stattfand. „Zugleich erlauben es unsere Kongresse, auf zentrale Themen der Forschung mit nicht alltäglicher Kompetenzenakkumulation aus internationaler Perspektive einzugehen“, so Hoffmann weiter.

Das diesjährige Thema war aus einem aktuellen Anlass gewählt: Vor 200 Jahren hatte Georg Wilhelm Friedrich (1770-1831) in Heidelberg die erste Ausgabe seiner „Enzyklopädie der philosophischen Wissenschaften“ erscheinen lassen, ein Buch, das mit dem Anspruch Hegels ernstmachte, dass sich in der Philosophie im Grunde alles menschliche Wissen spiegeln lassen müsse. Prof. Dr. Hardy Neumann Soto von der PUCV, der Gastgeber in Valparaíso, erläuterte die Relevanz des gewählten Themas: „Hegel verstand sich als ein Denker, der alle Wissensbereiche abdecken wollte und der dafür auf ein Konzept des sich in verschiedenen Wissensformen selbst entwickelnden Geistes zurückgriff: eine Selbstentwicklung, die bis in unsere Tage hinein weiterzudenken ist“. Hegels Anspruch blieb nicht unwidersprochen, kann aber als unverzichtbarer Impuls im Nachdenken über Philosophie nicht entbehrt werden. In seinem Eröffnungsvortrag zeigte Neumann dann zugleich auf, wie Hegel auch die Vergangenheit – insbesondere die Konzepte des Denkens und Erkennens bei Aristoteles und Kant – in den eigenen Ansatz zu integrieren vermochte.


FILORED „stiftet akademische Freundschaft“.

Illustration
Eröffnungsansprache von Prof. Dr. Thomas Sören Hoffmann (Hagen). Foto: Juan Paulo Roldán

Der Rektor der PUCV, Prof. Dr. Claudio Elórtegui, begrüßte im Rahmen eines Festaktes zur Eröffnung alle Teilnehmer mit den Worten, daß seine Universität den Kongress auch deshalb gerne beherberge, weil sie die Arbeit von FILORED in besonderer Weise schätze: „FILORED stiftet Begegnung und akademische Freundschaft, und es unterstützt und realisiert die Internationalisierung unserer Arbeit, der unsere Universität seit Jahrzehnten Priorität einräumt“, so der Rektor. Auch der Kulturreferent der deutschen Botschaft in Chile, die die Schirmherrschaft übernommen hatte, Udo Ewertz, hob in seiner Rede zur Eröffnung des Kongresses den Aspekt des wissenschaftlichen und menschlichen Austauschs über die Grenzen von Kontinenten hinweg hervor: „2011 begann das Projekt FILORED, welches durch den Austausch von Professoren und Studierenden renommierter Universitäten in Deutschland und Lateinamerika auch dazu beiträgt, unsere guten Beziehungen zu festigen und zu fördern. Ich hoffe, dass noch viele weitere Konferenzen stattfinden werden, sei es in Chile, in Deutschland oder an anderen Orten, die diesen geisteswissenschaftlichen akademischen Austausch von Menschen und deren Gedanken fördern.“


Rege Beteiligung auch beim Nachwuchs.

An dem Kongreß nahmen etwa 100 Referenten aus 16 Ländern, darunter auch FILORED-Doppel-Promovenden, sowie interessierte Studierende und andere Gäste als Zuhörer teil. Unter den Verantwortlichen kam man zu einem sehr positiven Resümee: „Als Vertreterin des Projektpartners Ruhr-Universität Bochum habe ich an diesem Kongress teilgenommen und mich von der Lebendigkeit und Produktivität des Netzwerkes überzeugen können. Der Kongress erwies sich als ein Forum für einen überaus fruchtbaren und niveauvollen Austausch. Sowohl der wissenschaftliche Diskurs als auch die interkulturelle Erfahrung sind ein wesentlicher Ertrag des Kongresses. Dass dieser Kongress außerdem zur Festigung des Netzwerkes beitrug, das perspektivisch auf weitere Kongresse, auf Doppelpromotionen sowie auf viele unterschiedliche Formen des Austausches hin angelegt ist, war das einhellige Fazit der Teilnehmenden“, so Prof. Dr. Annette Sell aus Bochum, die auf dem Kongress zwei gut besuchte Vorträge zum Stand der Hegel-Gesamtausgabe hielt, an der sie selbst siebzehn Jahre lang mitgearbeitet hat. Prof. Dr. Héctor Ferreiro aus Buenos Aires, der vor drei Jahren den Vorgänger-Kongress ausgerichtet hatte, stellte fest: „Ich habe auf diesem Kongress ein erfreulich hohes Niveau gerade auch bei dem akademischen Nachwuchs feststellen können. Und ich freue mich, dass FILORED, das in Lateinamerika inzwischen seinen festen Platz gewonnen hat, weiter wächst: in Kürze wird die erste Universität aus Mexiko beitreten, und weitere Bewerber gibt es ebenfalls!“


Illustration
Prof. Dr. Claudio Elórtegui, Rektor der PUCV, bei seinem Grußwort. Foto: Juan Paulo Roldán

Daneben sind die Vorbereitungen für den dritten Deutsch-lateinamerikanischen Hegelkongress bereits angelaufen: „Mit dem dritten Kongress im Jahre 2020 werden wir auch etwas zu feiern haben, denn er fällt in Hegels 250. Geburtstagjahr. Wir haben bereits verschiedene Ideen, wie wir diesen Anlass angemessen und auch vielleicht auch für andere Wissenschaften spannend gestalten können“, berichtet Thomas Sören Hoffmann aus den ersten Beratungen. In jedem Fall wird es im kommenden Jahr wohl wieder mindestens zwei Doppelpromotionen und eine FILORED-Fachtagung geben, für die als Standort Montevideo ausgewählt wurde. Zudem werden 2018 in zwei Sammelpublikationen die Beiträge aus Valparaíso erscheinen.

Einen kurzen (spanischen) Pressetext zum 2. Deutsch-lateinamerikanischen Hegel-Kongress finden Sie hier.


Bryan Planhof | 16.11.2017
FernUni-Logo FernUniversität in Hagen, Fakultät KSW, Institut für Philosophie, 58084 Hagen