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Hagener Forschungsgesellschaft spricht jetzt Französisch

Die an der FernUniversität in Hagen gegründete Europäische Gesellschaft für frühneuzeitliche Philo­­sophie e.V. / Euro­pean Society for Early Modern Philosophy (ESEMP) wird für die näch­sten drei Jahre von einer französischen Wissenschaftlerin geleitet. Auf dem Zweiten Internati­o­nalen Kongress der ESEMP, der vom 15. bis 17. Februar an der Humboldt-Universität Berlin unter dem Titel „Mind in Nature“ stattfand, wählte die Mitgliederversammlung die in Grenoble lehrende Philosophin und Wissenschaftshistorikerin Prof. Dr. Sophie Roux zur neuen Präsi­den­tin. Damit begann nun die lange geplante Zirkulation der ESEMP-Präsidentschaft durch das gelehrte Europa.

Esemp Kongress07

von links nach rechts: Prof. Dr. Dominik Perler, Prof. Dr. Sophie Roux, Prof. Dr. Hubertus Busche

Der Gründungspräsident der ESEMP, Prof. Dr. Hubertus Busche, Lehrgebiet Philosophie I der FernUniversität, erläutert: „Als wir die Euro­pean Society for Early Modern Philosophy am 6. November 2004 im Hagener Ar­ca­deon gründeten, waren sich alle 19 Gründungsmitglieder in einem Punkt einig. Wenn die neue, auf Interdisziplinarität angelegte Gesellschaft die führenden Köpfe der philosophischen Erfor­schung der frühen Neuzeit (ca. 1400 bis 1700) zusammen­bringen will, dann muss sie selbst inter­nat­i­onal in dem Sinne sein, dass ihre Präsidentinnen und Präsidenten nacheinander den unter­schied­lich­sten Ländern Europas entstammen. Deshalb be­schlossen wir, dass der Vorsitz unserer Ge­sell­schaft nach einer gewissen Aufbauphase alle drei Jahre in ein anderes Land Europas wandern solle. Der Erste Internationale Kongress der ESEMP, der im März 2007 in Essen stattfand, hatte der angestrebten Internationa­li­sie­rung der philo­sophischen Forschung einen mächtigen Impuls gegeben, indem er rund 120 Wissen­schaftler unter­schiedlichster Disziplinen aus ganz Europa und darüber hinaus zum Gedankenaustausch einlud.“

Der zweite Präsident der ESEMP, Prof. Dr. Dominik Perler, Inhaber des Lehrstuhls für Theoretische Philosophie an der Humboldt-Universität zu Berlin und Träger des Leibniz-Preises 2006, baute die Forschungsgesellschaft in den letzten Jahren zunächst dadurch aus, dass er hochrangige Vertreter der analyti­schen Philosophietradition, darunter zahlreiche aus anglophonen Staaten, in die ESEMP einband. Hierfür bot das umfassende Netzwerk seines Projektes „Transformationen des Geistes. Philosophische Psychologie zwischen 1500 und 1750“ günstige Möglichkeiten.

Mit Prof. Dr. Sophie Roux, einer ebenfalls renommierten und international verflochtenen Expertin für die Entstehung der mathema­ti­schen Naturforschung in der Frühen Neuzeit, hat nun auch die präsidiale Internati­ona­li­sierung der Präsi­dent­schaft der ESEMP begonnen. Auf dem dritten Kongress der Gesellschaft, den sie 2013 in Grenoble veranstalten will, sollen insbe­son­de­re weitere frankophone Kreise der scientific community in die ESEMP integriert und wissen­schafts­­historische Probleme im Vordergrund stehen.

Esemp Kongress07

Der Hauch von Wehmut, der über der schrittweise erfolgenden geographischen Entfernung der ESEMP-Präsidentschaft aus Hagen und aus Deutschland liegt, wird indessen gemildert. Zum einen ist Prof. Busche weiterhin im Vorstand der ESEMP als Schatzmeister vertreten. Zum anderen wird die Euro­pean Society for Early Modern Philosophy auch in Zukunft nicht nur ihren juristi­schen Sitz am Amtsgericht Hagen haben, sondern auch ihr Arbeitszentrum an der Fern­Univer­sität bewahren. Unter den in Hagen verfolgten Projekten zeichnet sich vor allem eines aus, das dem Rang der FernUniversität als Medienuniversität Rechnung trägt, indem es im virtuellen Raum angesiedelt ist. Es handelt sich um das seit mehreren Jahren am Lehrgebiet Philosophie I verfolgte, inzwischen von der DFG unterstützte und von Dr. Stefan Heßbrüggen-Walter, Mitinitiator und erster Geschäftsführer der ESEMP, betreute Projekt „Early Modern Thought Online“ (EMTO). EMTO verfolgt das Ziel, mehrere tausend digitalisierte Quellentexte zur Philo­sophie der Frühen Neuzeit zu sammeln, zu ergänzen und der kooperativen Erforschung zugänglich zu machen. Die ESEMP wird damit zur ersten philosophischen Gesellschaft, die ihren Mitgliedern im Internet ein Forum zum konkreten problembezogenen wissenschaftlichen Austausch auf dem letzten Stand der Technik bietet und auf diesem Wege ihrem satzungs­gemäßen Ziel der Förderung der Forschung zur frühneuzeitlichen Forschung im europäischen Raum und darüber hinaus auf innovative Weise gerecht wird.

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