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Präsenzveranstaltung

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Thema:

Chimären – Klone – Cyborgs: Der Mensch im Zeitalter der Biotechnologie

Adressatenkreis: BA KuWi: Modul P2; Modul P4; MA Phil: Modul II; Modul III; Modul VIII; Modul X; AP Phil;
Ort: Hannover
Adresse: Regionalzentrum Hannover
Termin: 15.12.2017 bis
17.12.2017
Zeitraum: Fr, 15.12.2017 Anfang 14:30 Uhr
So, 17.12.2017 Ende 14:30 Uhr
Leitung: Dr. Marcus Knaup

Aus der reichen griechischen Mythenwelt sind uns Mensch-Tier-Mischwesen bekannt: denken wir z.B. nur einmal an Minotauros, ein Wesen aus menschlichem Körper und Stierkopf. Im 21. Jahrhundert sind Mensch-Tier-Mischwesen alles andere als bloße Mythenwesen. Sie können durch Transplantation, somatischen Zellkerntransfer, Gentransfer, Chromosomentransfer, Embryonenverschmelzung und Gametenfusion technisch hergestellt werden. Einheitliche Regelungen gibt es in Europa nicht: So dürfen etwa in Großbritannien Mensch-Tier-Mischwesen geschaffen und menschliches Erbgut in die entkernte Eizelle eines Tieres, etwa einer Kuh, gebracht werden. Dahinter steht meist das Ziel, embryonale Stammzellen zu produzieren. „Der moderne Gentechniker kann […] prinzipiell Gene von jedem Organismus nehmen und auf einen anderen Organismus übertragen: Pilzgene in Pflanzen einsetzen, Mausgene in Bakterien, Menschengene in Schafe“, so Ian Wilmut, der Schöpfer des Klonschafes Dolly (Wilmut, I. / Cambell, K. / Tudge, C.: Dolly. Der Aufbruch ins biotechnische Zeitalter, München 2002, S. 27).

Aber auch Verbindungen aus menschlichem Organismus und Maschine rücken mehr und mehr in den Fokus öffentlichen Interesses. Zu denken ist hier etwa an Neuroprothesen als Schnittstelle zwischen Technik und Nervensystem, aber auch an den als Brille getragenen Miniaturcomputer„Google glass“, der den Träger in ständiger Verknüpfung mit dem Internet sein und Mensch und Technik zum sog. Cyborg, einem Mensch-Maschine-Wesen, verschmelzen lässt.

Sind Chimären, Klone und Cyborgs Ausdruck einer „neuen Evolution“? Was ist zu den Möglichkeiten, Methoden und Zielsetzungen biowissenschaftlicher Forschung und Technologie aus ethischer Perspektive zu sagen? Welchen moralischen Status haben Mensch, Tier und Mischwesen?

Diese und weitere Fragen sollen im Seminar aufgegriffen werden. Die Bereitschaft, ein Referat zu übernehmen, wird vorausgesetzt.

Literatur:

Ach, J. S.: Xenotransplantation, Bioethik und Verlust der „Natürlichkeit“, in: Brudermüller, G. / Seelmann, K. (Hrsg.): Organtransplantation, Würzburg 2000, S. 43-64.

Ach, J. S. / Brudermüller, G. / Runtenberg, C. (Hrsg.): Hello Dolly? Über das Klonen, Frankfurt a. M. 1998.

Badura-Lotter, G. / Düwell, M.: Chimären und Hybride – Ethische Aspekte, in: Jahrbuch für Recht und Ethik 15 (2007), S. 83-104.

Beck, M.: Mensch-Tier-Wesen. Zur ethischen Problematik von Hybriden, Chimären, Parthenoten, Paderborn / München / Wien / Zürich 2009.

Beckmann, J. P. et al.: Xenotransplantation von Zellen, Geweben oder Organen. Wissenschaftliche Entwicklungen und ethisch-rechtliche Implikationen, Berlin / New York 2000.

Bobbert, M.: Was macht Menschsein aus, wenn Biotechniken die Spezies verändern? Ethische Fragen der Forschung mit embryonalen Stammzellen, alternativen Klonverfahren und Chimären, in: Ethica 15 (2007), 1, S. 7-49.

Catenhusen, W.-M.: Tiere und Mensch-Tier-Mischwesen in der Forschung, in: Bundeszentrale für politische Bildung (Hrsg,.): Aus Politik und Zeitgeschichte, 62. Jahrgang, 8-9/2012, 20. Febr. 2012: Mensch und Tier, S. 47-53.

Danish Council of Ethics (Hrsg.): Man or Mouse? Ethical aspects of chimaera research, 2008. http://www.etiskraad.dk/~/media/Etisk-Raad/en/Publications/Man-or-Mouse-2008.pdf

Degrazia, D.: Human-animal chimeras: Human dignity, moral status, and species prejudice, in: Metaphilosophy 38 (2007), S. 309-329.

Deutscher Ethikrat: Mensch-Tier-Mischwesen in der Forschung. Stellungnahme, Berlin 2011. http://www.ethikrat.org/dateien/pdf/stellungnahme-mensch-tier-mischwesen-in-der-Forschung.pdf

Dubiel, H.: Tief im Hirn. Mein Leben mit Parkinson, München 2008.

Düwell, M.: Chimären und Hybride, in: Sturma, D. / Heinrichs, B. (Hrsg.): Handbuch Bioethik, Stuttgart 2015, S. 226-230.

Grawert, R. Menschenbilder im Wandel ihrer Aspekte: von Vernunft- zu Mischwesen.: Ideengeschichte einer Verfassungsanthropologie, Berlin 2013.

Hables Gray, C. (Hrsg.): The Cyborg Handbook, New York 1995.

Harraway, D.: A Cyborg Manifesto: Science, Technology, and Socialist-Feminism in the Late Twentieth Century, in: Haraway, D.: Simians, Cyborgs and Women. The Reinvention of Nature, New York 1991, S. 149–181.

Harraway, D.: Die Neuerfindung der Natur. Primaten, Cyborgs und Frauen, Frankfurt a. M. 1995.

Heilinger, J.-C. / Müller, O.: Der Cyborg und die Frage nach dem Menschen. Kritische Überlegungen zum „homo arte emendatus et correctus“, in: Honnefelder, L. / Dieter Sturma (Hrsg.): Jahrbuch für Wissenschaft und Ethik, Bd. 12, Berlin 2007, S. 21-44.

Hildt, E.: Neuroethik, Stuttgart 2012.

Joerden, J. / Winter, C.: Thesen zur Chimären- und Hybridbildung aus der Perspektive von Recht und Ethik, in: Jahrbuch für Recht und Ethik 15 (2007), S. 105-149.

Jonas, H.: Technik, Medizin, Ethik, Frankfurt a. M. 1987.

Kurzweil, R.: The Singularity Is Near. When Humans Transcend Biology, New York 2005.

Kurzweil, R.: Homo s@piens. Leben im 21. Jahrhundert. Was bleibt vom Menschen?, München 42001.

Lackermair, M.: Hybride und Chimären, Tübingen 2017.

Lanzerath, D.: Chimäre-Hybride, in: Korff, W. / Beck, L. / Mikat, P. (Hrsg.): Lexikon der Bioethik, Band 1, Gütersloh 2000, S. 434-438.

Sturma, D. / Heinrichs, B. (Hrsg.): Handbuch Bioethik, Stuttgart / Weimar 2015.

Taupitz, J. / Weschka, J.: CHIMBRIDS – Chimeras and Hybrids in Comparative European and International Research: Scientific, Ethical, Philosophical and Legal Aspects, Berlin / Heidelberg 2009, S. 61-79.

Zoglauer, T.: Der Mensch als Cyborg? Philosophische Probleme der Neuroprothetik, in: Universitas 58 (2003), S. 1267-1278.

(Weitere Literatur wird in Absprache mit dem Seminarleiter bekannt gegeben.)



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Helge Köttgen | 11.10.2017
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