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Präsenzveranstaltung

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Thema:

Was heißt „spekulatives Denken“?

Adressatenkreis: BA KuWi: Modul P4; BA KuWioF: Modul 4; Modul 11C; MA Phil: Modul III; Modul V; Modul IX; AT Phil;
Ort: Wien
Adresse: Zentrum für Fernstudien Wien
Strozzigasse 2
1080 Wien

Tel: +43 (0) 1 40474-0
Fax: +43 (0) 1 40474-248
E-Mail: wien@fernstudien.at
Web: http://www.fernstudien.at/wien
Termin: 11.05.2018 bis
13.05.2018
Zeitraum: Fr, 11.05.2018 16:00-21:00 Uhr
Sa, 12.05.2018 10:00-19:30 Uhr
So, 13.05.2018 10:00-14:30 Uhr
Leitung: Prof. Dr. Thomas Sören Hoffmann
Ass.-Prof. DDr. phil. Max Gottschlich (Linz)
Prof. Dr. Theodoros Penolidis (Thessaloniki)

Die Frage, die in diesem Seminar gestellt und beantwortet werden soll, bezieht sich auf den eigentlichen Kern der Philosophie als in der Tat erkennender, nicht nur reflektierender, „artige Betrachtungen“ zu allem möglichem anstellender Wissenschaft. Diese auf ihren Wirklichkeitsbezug zielende und daher für die Philosophie zentrale Frage ist vom späten Platon an immer wieder als Frage nach dem sich systematisch bestimmenden und sich in seiner Selbstbestimmung selbst erfüllenden Denken gestellt worden. Das ihr entsprechende Programm eines sich alleine auf sich selbst stellenden, darin aber die „Methexis“ von Denken und Sein erfahrenden „Denkens des Denkens“ hat die Philosophie dabei darauf verpflichtet, sich ebenso als Versuch einer konstruktiven Entfaltung der auf den ersten Blick nicht weiter reduzierbaren Denkbestimmungen wie „Identität“, „Differenz“, „Grund“, „Sein“, „Begriff“ usw. auseinander wie auch als umfassende „Denkformenkritik“ zu bewähren. Zwischen Platons „Wissenschaft von der Verbindung und Trennung der höchsten Gattungen“ und Hegels der „Selbstbewegung des Begriffs“ folgender „Wissenschaft der Logik“ besteht insoweit ein grundlegendes Einverständnis, das ebenso auf eine Auszeichnung des ursprünglich-reflexiven gegenüber dem gegenstandsorientierten Wissen hinausläuft wie mit der Gewißheit verbunden ist, daß alleine ein in diesem Sinne spekulatives Denken als „Wissenschaft freier Menschen“ (Soph. 253 d) in Betracht kommt.

In dem Seminar werden der platonische „Sophistes“ sowie zwei für die Fragestellung besonders exemplarische Abschnitte aus Hegels „Wissenschaft der Logik“ – das Kapitel über die „Wesenheiten oder die Reflexionsbestimmungen“ und der Abschnitt über die „Idee“ – behandelt und ineinander gespiegelt. Systematisch leitend sind dabei u.a. methodologische Fragen nach dem Verhältnis von Dialektik und Spekulation oder dem Programm einer spekulativen Logik in seiner Relevanz auch für andere philosophische Disziplinen. – Das Seminar wendet sich primär an fortgeschrittene Studierende und Promovenden; Griechischkenntnisse sind von Nutzen. Die Bereitschaft zur Referatübernahme wird bei allen Teilnehmern vorausgesetzt; bitte senden Sie nach erfolgter Online-Anmeldung zwei Themenvorschläge aus der folgenden Liste an Prof. Hoffmann (thomas.hoffmann@fernuni-hagen.de):

1. Referat:

Einleitung (216A-218B)

Methodisches/Einteilungsverfahren (218B-237A)

Hauptuntersuchung: das Sein des Nichtseienden/Problem des Scheins (237B-268D)

Erörterung der Schwierigkeiten (237B-242B)

2. Referat:

Erörterung bisheriger Ansätze. Die „Gigantomachie“ (242B-250E)

Die höchsten Begriffe/Gattungen und ihre Gemeinschaft/Bezüglichkeit (250D-254B)

3. Referat:

Die Bestimmung des Seins des Nichtseienden. Das Nichtseiende als das heteron (256A ff.)

Das Problem von Irrtum/Täuschung. Die Natur des Satzes (259E-268D)

4. Referat:

Hegels Begriff der Reflexion im ersten Abschnitt der „Wesenslogik“ (GW XI, 1-29)

5. Referat:

Die Dialektik von Identität und Unterschied (GW XI, 30-64)

6. Referat:

Der Widerspruch (GW XI, 65-83)

7. Referat:

Das Leben (GW XII, 179-191)

8. Referat:

Die Idee des Erkennens und des Guten (GW XII, 192-235)

9. Referat:

Die absolute Idee (GW XII, 236-253)

Die Referate sollen nicht länger als 15-20 Minute dauern; „Powerpoint“ ist nicht erforderlich, dafür sollte jedoch ein durchdachtes Thesenpapier vorgelegt werden.

Literaturhinweise

Zu Platon:

Francis M. Cornford, Plato’s Theory of Knowledge. The Theaetetus and the Sophist, translated, with commentary, Reprint Dover Publications New York 2003

Michael Frede, Plato’s Sophist on false statements. In: Richart Kraut (Hrsg.): The Cambridge Companion to Plato. Cambridge 1992, 397-427.

Christian Glasmeyer, Platons Sophistes. Zur Überwindung der Sophistik, Heidelberg 2003.

Max Gottschlich, Der Begriff des konkret Allgemeinen bei Platon und Aristoteles: Eine Infragestellung formallogischer Ontologien?, in: Theologie und Philosophie, Heft 1 (Jg. 89) 2014, 1-28.

Christian Iber, Platon, Sophistes [Text, Übersetzung und Kommentar], Frankfurt am Main 2007.

Peter Kolb, Platons Sophistes. Theorie des Logos und der Dialektik, Würzburg 1957.

Bruno Liebrucks, Zur Dialektik des Einen und Seienden in Platons Parmenides, in: Zeitschrift für philosophische Forschung 2 (1947), 344-258.

-, Platons Entwicklung zur Dialektik. Untersuchungen zum Problem des Eleatismus, Frankfurt a. M. 1949.

Helmut Meinhardt, Teilhabe bei Platon. Ein Beitrag zum Verständnis Platonischen Prinzipiendenkens unter besonderer Berücksichtigung des „Sophistes“, Freiburg / München 1968.

Paul Natorp, Platons Ideenlehre. Eine Einführung in den Idealismus, Hamburg 2004.

Paul Schmitfranz, Die Gestalt der Platonischen Ideenlehre in den Dialogen Parmenides und Sophistes. In: Philosophisches Jahrbuch 26 (1913), 125-145.

Julius Stenzel, Studien zur Entwicklung der Platonischen Dialektik von Sokrates zu Aristoteles, ND Darmstadt 1961.

Egil Wyller, Der späte Platon. Tübinger Vorlesungen 1965, Hamburg 1970.

Zu Hegel:

Dieter Henrich, Hegels Logik der Reflexion. Neue Fassung. In: Hegel-Studien Beiheft 18, 1978, 203-324.

Thomas Sören Hoffmann, G.W.F. Hegel. Eine Propädeutik, Wiesbaden 2004, 3. Aufl. 2015.

- , Die logische Reduktion der Metaphysik. Zu Hegels Begriff der absoluten Idee, in: Héctor Ferreiro / Thomas S. Hoffmann (Hg.), Metaphysik – Metaphysikkritik – Neubegründung der Erkenntnis: Der Ertrag der Denkbewegung von Kant bis Hegel, Berlin 2017, 11-26.

Arnd Kulenkampff, Antinomie und Dialektik. Zur Funktion des Widerspruchs in der Philosophie, Stuttgart 1970.

Bruno Liebrucks, Sprache und Bewußtsein. Bd. 6/1-3: Der menschliche Begriff. Sprachliche Genesis der Logik, logische Genesis der Sprache, Frankfurt/Main und Bern 1974.

Theodoros Penolidis, Der Horos. G. W. F. Hegels Begriff der absoluten Bestimmtheit oder die logische Gegenwart des Seins, Würzburg 1997.

Urs Richli, Form und Inhalt in G.W. F. Hegels ‚Wissenschaft der Logik‘, Wien/München 1982.

Heinz Röttges, Der Begriff der Methode in der Philosophie Hegels, Meisenheim/Glan 1976.

Josef Simon, Die Bewegung des Begriffs in Hegels Logik, in: Hegel-Studien Beiheft 18 (1978), 63-73.

Franz Ungler, Individuelles und Individuationsprinzip in Hegels Wissenschaft der Logik, Freiburg / München 2017.

-, Die Bedeutung der bestimmten Negation in Hegels Wissenschaft der Logik, in: ders., Zur antiken und neuzeitlichen Dialektik, hg. von Michael Höfler und Michael Wladika, Frankfurt am Main u.a. 2005, 19-54.

- Die Kategorie Widerspruch, in: Zur antiken und neuzeitlichen Dialektik, a.a.O. 136-154.



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Helge Köttgen | 14.02.2018
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