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Präsenzveranstaltung

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Thema:

Der philosophische Begriff des Vertrages

Adressatenkreis: BA KuWi: Modul P2; Modul P6; MA Phil: Modul II; Modul VIII; Modul X; AP Phil;
Ort: Hagen
Adresse: FernUniversität in Hagen
Universitätsstraße 33,
KSW-Seminargebäude, Raum 6, OG
58084 Hagen
Termin: 12.01.2018 bis
14.01.2018
Zeitraum: Fr, 12.01.2017 13:00-18:00 Uhr
Sa, 13.01.2017 09:00-18:00 Uhr
So, 14.01.2017 09:00-13:00 Uhr
Leitung: Klaus Honrath
Das Seminar beschäftigt sich aus philosophischer Sicht mit einer grundlegenden Institution des menschlichen gemeinschaftlichen Lebens. Nicht nur der Gang der Zeitläufte, der mehr auf die Aufkündigung der Verträge zu drängen scheint, hebt die Bedeutung dieses Begriffs hervor. Mit dem Begriff des Vertrages wird das Moment des menschlichen Lebens angesprochen, das auf Freiheit, Gleichheit, Wechselseitigkeit und Anerkennung beruht und diese Momente vernünftigen Lebens gleichzeitig auch weiter zur Realisierung und Entfaltung bringen soll und kann. Um den Begriff des Vertrages philosophisch zu klären, muß sein Ort zwischen subjektiver Willkür und überindividueller Verbundenheit, als Bund, der Interessen dient und dabei doch ohne Vertrauen nicht auskommen kann, deutlich werden.
Im Seminar soll es also zunächst um die grundsätzliche Klärung des Begriffs gehen, um Gehalt, Reichweite und Grenzen dieses Begriffs. Dann sollen auch die besonderen Ausprägungen im Privatvertrag und Gesellschaftsvertrag behandelt werden, wobei auch bestimmte Vertragskonzeptionen mit den ihnen entgegengebrachten Kritiken vorzustellen sind.

Referate sollen zu folgenden Themen gehalten werden (den Referenten für die Themen 5 – 7 kann noch zusätzliche erläuternde Literatur angeboten werden):
1. Antike Wurzeln des Vertragsdenkens. Gebundene Freiheit und ihre widerstreitenden Momente; private, zweiseitige Verträge sind immer schon eingebettet in einen diese über die Willkür heraushebenden Kontext: Gott, Staat, Herrscher; Verbindlichkeit aus Macht, Moral oder Recht? (Sophistik, Platon, Aristoteles, Epikur, Stoa)
2. Entfesselung der Individualität und ihre Widersprüchlichkeit; Verfügbarmachung des Unverfügbaren. Der privatrechtliche Vertrag gründet auf Privateigentum (Individualismus und Gemeinschaft). (Hobbes, Locke, Hume, Rousseau)
3. In der Neuzeit mit ihrem aufbrechenden Individualismus muß das Verhältnis der freien Willkür des einzelnen in seiner Verbindlichkeit zu den anderen neu bestimmt werden. Die Frage nach der Rechtfertigung des Staates als zwingender Macht. Der neuzeitliche Begriff eines Gesellschaftsvertrages, seine Voraussetzungen und Konsequenzen. (Hobbes, Locke, Rousseau)
4. Begriff des Vertrages überhaupt: Der Vertrag als Vermittlung zwischen Freiheit und Sicherheit, Buchstabe und Geist des Vertrages. (Kant und Fichte)
5. Grenzen der rechtlichen Vereinbarungsmöglichkeiten über das Private (Ökonomie und Gemeinschaft) (Rousseau, Müller, Marx)
6. Kritik an Mängeln der Konzeption eines Gesellschaftsvertrages. Die Grenzen des Vertrages überhaupt in Anwendung auf das wirkliche Leben. Die Gemeinschaft und der Staat leben nicht als eine Menge von Individuen. (Hegel, Müller, Haller)
7. Die romantische Kritik am abstrakten Vertragsdenken am Beispiel von Adam Müllers Elementen der Staatskunst.
8. Rationaler Utilitarismus und gerechte Institutionen. Ein neuer Anlauf der Rechtfertigung gesellschaftlicher Institutionen. John Rawls‘ Theorie der Gerechtigkeit.
9. Verträge zwischen Staaten. Anerkennung oder Nötigung? (Kant: Zum ewigen Frieden)

Literatur:
  • Julius Kaerst: Die Entstehung der Vertragstheorie im Altertum, in: Zeitschrift für Politik 2 (1909), S. 505–538
  • Udo Rüterswörden: Bund (AT), in: Das wissenschaftliche Bibellexikon im Internet (WiBiLex)
  • Platon: Politeia
  • Aristoteles: Politik
  • Thomas Hobbes: Leviathan, Suhrkamp Taschenbuch Wissenschaft (STW)
  • John Locke: 2. Abhandlung über die Regierung, in: ders.: Zwei Abhandlungen über die Regierung, STW
  • J.-J. Rousseau: Der Gesellschaftsvertrag oder Grundsätze des Staatsrechts, Reclam
  • D. Hume: Über den ursprünglichen Vertrag, in: ders.: Politische und ökonomische Essays, Teilband 2, Hamburg 1988, S. 301 - 324
  • I. Kant: Die Metaphysik der Sitten, Rechtslehre
  • Zum ewigen Frieden
  • J. G. Fichte: Grundlage des Naturrechts
  • Der geschlossene Handelsstaat
  • G.W.F. Hegel: Grundlinien der Philosophie des Rechts
  • Adam Müller: Die Elemente der Staatskunst, sechsunddreißig Vorlesungen (z.B. Berlin 1968)
  • Carl Ludwig von Haller: Restauration der Staatswissenschaft, Winterthur 1816ff.
  • Karl Marx: Die Konstitution der Französischen Republik, angenommen am 4. November 1848, in MEW, Bd. 7, S. 494 - 506
  • John Rawls: Eine Theorie der Gerechtigkeit, STW
  • Ch. P. Graf Dijon de Monteton: Die „Entzauberung“ des Gesellschaftsvertrags, Frankfurt am Main 2007

  • Einen allgemeinen Überblick gibt der einschlägige Artikel „Vertrag“ im Historischen Wörterbuch der Philosophie.

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Helge Köttgen | 08.11.2017
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