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Präsenzveranstaltung

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Thema:

Formale, transzendentale und spekulative Logik

Adressatenkreis: BA KuWi: Modul P4; BA KuWioF: Modul 4; Modul 11C; MA Phil: Modul III; Modul V; Modul IX; AT
Ort: Wien
Adresse: Studienzentrum Wien
Strozzigasse 2
1080 Wien
Termin: 20.01.2017 bis
22.01.2017
Zeitraum: Freitag, 20.01.2017, 16.00-21.00 Uhr
Samstag, 21.01.2017, 10.00-19.30 Uhr
Sonntag, 22.01.2017, 10.00-14.30 Uhr

Leitung: Prof. Dr. Thomas Sören Hoffmann
Ass. Prof. Dr. Max Gottschlich (Linz)

Die zuerst von Aristoteles als eigene Disziplin der Philosophie etablierte Logik gilt weithin als wichtigstes „Werkzeug“ des menschlichen Denkens und Erkennens; entsprechend soll der Verstoß gegen logische Regeln von der Erkenntnis ausschließen oder Wahrheit unmöglich machen. Bei näherem Zusehen bleiben freilich viele Fragen offen: Woher kommen „logische Regeln“? Existieren sie als mentale oder auch außermentale „Tatsachen“? Was genau garantiert ihre Affinität zur Erkenntnis, wenn nicht gar zu den „Dingen“, wie sie „wirklich sind“?

Fragen wie die genannten kann man einer Lösung näher bringen, wenn man sich vor Augen führt, daß die Philosophie verschiedene Logikbegriffe kennt und sich dabei philosophisch bestimmten Logikbegriffen auch bestimmte Weltstellungen zuordnen lassen, die zuletzt immer kategorial in ihren Logikkonzepten gespiegelt sind. Philosophisch zu Bewußtsein gekommen ist die Unterschiedlichkeit der Logikbegriffe dabei im Durchgang durch „Revolutionen der Denkart“, die als Umbrüche im sich logisch manifestierenden Logos verstanden werden können. Ein zentraler Umbruch ist der von der formalen zur transzendentalen Logik, für die der Name Kant steht, ein weiterer der von der transzendentalen zur spekulativen Logik, der mit dem Namen Hegel verbunden ist.

Das Seminar wird im Blick auf die drei Gestalten der formalen, transzendentalen und spekulativen Logik die konkrete Differenz der entsprechenden Logikbegriffe herausarbeiten und zugleich zu verstehen versuchen, worin der selbst noch einmal „logische“ Zusammenhang dieser Gestalten des Logischen besteht. Dazu werden die aristotelische, die moderne mathematische, die transzendentale sowie die spekulative Logik ihrem Begriff nach entwickelt und exemplarisch am Leitfaden ihrer jeweiligen Theorie des Urteils miteinander ins Verhältnis gesetzt.



Da das Seminar eine solide Vertrautheit mit der philosophischen Tradition voraussetzt, ist es für Studienanfänger eher nicht geeignet.

Die Bereitschaft, ein Referat zu übernehmen, wird vorausgesetzt. Bitte teilen Sie nach der Online-Anmeldung den Seminarleitern unter thomas.hoffmann@fernuni-hagen.de jeweils zwei Präferenzen aus der folgenden Liste mit:



Referatsthemen:

1) Der Begriff der formalen Logik nach Aristoteles

(Bezugstext: Aristoteles, De interpretatione)

2) Zur modernen mathematischen Logik

(Bezugstext: J. M. Bochenski, Formale Logik, 6., unveränderte Auflage, Freiburg i.B. / München 2015: § 1, § 5, §§37-39)

3) Freges Logikverständnis

(Bezugstexte: Frege, Begriffsschrift. Eine der arithmetischen Nachgebildete Formelsprache des reinen Denkens. Vorwort und §§ 1-12 (1879); Über die wissenschaftliche Berechtigung einer Begriffsschrift (1882, Ausgabe v. Textor, 70-76, siehe Literaturempfehlungen; Über Sinn und Bedeutung (1892, Ausgabe v. Textor: S. 23-46)

4) Kants Begriff einer „transzendentalen Logik“

(Bezugstext: Kant, Kritik der reinen Vernunft, bes. B 74-129)

5) Kants „transzendentale Deduktion der reinen Verstandesbegriffe“ als Kernstück transzendentaler Logik

(Bezugstext: Kant, Kritik der reinen Vernunft, B 129-169)

6) Fichtes „Transzendentale Logik“

(Bezugstext: Fichte, Über das Verhältnis der Logik zur Philosophie oder transzendentale Logik)

7) Hegels Begriff einer „spekulativen Logik“

(Bezugstext: Hegel, Wissenschaft der Logik, Vorreden und Einleitung)

8) „Womit muß der Anfang der Wissenschaft gemacht werden?“

(Bezugstext: Hegel, Wissenschaft der Logik, Das Sein)

9) Hegels Urteilslehre

(Bezugstext: Hegel, Wissenschaft der Logik, Der Begriff)



Ausgewählte Literaturempfehlungen zur Vorbereitung:

Aristoteles:

Aristoteles, Peri Hermeneias, hg. v. H. Weidemann (Aristoteles. Werke in dt. Übersetzung Bd. 1/II), 3. Aufl. Berlin 2002

Aristoteles, Lehre vom Satz, in: Aristoteles, Philosophische Schriften in sechs Bänden, Bd. 1, über. von Eugen Rolfes, Hamburg 1995

J.M. Bochenski, Formale Logik, 6., unveränderte Auflage, Freiburg i.B./München 2015, §§9-16

J. Ackrill, Aristotle’s Categories and De Interpretatione, Reprint Oxford 1974

Ch. Rapp u. K. Corcilius (Hg.), Aristoteles Handbuch. Leben – Werk – Wirkung, Stuttgart 2011

Frege:

G. Frege, Begriffsschrift und andere Aufsätze, m. E. Husserls und H. Scholz‘ Anmerkungen, hg. v. I. Angelelli, Hildesheim u.a. 2007

G. Frege, Grundgesetze der Arithmetik, Jena 1893 (Band I) 1903 (Band II) [online verfügbar]

G. Frege, Funktion – Begriff – Bedeutung, hg. v. M. Textor, 2., durchgesehene Auflage, Göttingen 2007

M. Textor, Einleitung, in: G. Frege, Funktion – Begriff – Bedeutung, hg. v. M. Textor, 2., durchgesehene Auflage, Göttingen 2007, IX-XXXV

E. Kanterian, Frege. A Guide for the Perplexed, London/New York 2012

M. Dummett, The Interpretation of Frege’s Philosophy, Harvard Univ. Press 1981

Zur gegenwärtigen Standard-Definition formaler Logik sowie den Grundbestimmungen der Aussagen- und Prädikatenlogik:

Beckermann, Einführung in die Logik, Berlin/New York 1997 [daraus v.a. Abschnitte 1-10, 12, 14, 15, 16, 18, 20]

J. Hardy u. Ch. Schamberger, Logik der Philosophie. Einführung in die Logik und Argumentationstheorie, Göttingen 2012 [v.a. Abschnitt 2: „Was ist formale Logik?“; „Aussagenlogik“: Abschnitte 3-5, 7; „Prädikatenlogik“: Abschnitt 8-9, 10.9]

W. Detel, Logik (Grundkurs Philosophie Bd. 1), Stuttgart 2007 [Kap. 1+2]

Transzendentale Logik / Kant:

Max Gottschlich, „The Necessity and the Limits of Kant's Transcendental Logic, with Reference to Nietzsche and Hegel“, in: The Review of Metaphysics 4/2015, 287-315

Bruno Liebrucks, Sprache und Bewußtsein, Bd. 4: Die erste Revolution der Denkungsart. Kant: Kritik der reinen Vernunft, Frankfurt a. M. 1968

Thomas S. Hoffmann / Franz Ungler (Hgg.), Aufhebung der Transzendentalphilosophie? Systematische Beiträge zu Würdigung, Fortentwicklung und Kritik des transzendentalen Ansatzes zwischen Kant und Hegel, Würzburg 1994

Heinz Röttges, Dialektik als Grund der Kritik. Grundlegung einer Neuinterpretation der Kritik der reinen Vernunft durch den Nachweis der Dialektik von Bedeutung und Gebrauch als Voraussetzung der Analytik, Königstein/Taunus 1981

Franz Ungler, „Ontologie und Transcendentalphilosophie“, in: Franz Ungler: Zur antiken und neuzeitlichen Dialektik, hg. v. M. Wladika u. M. Höfler (Wiener Arbeiten zur Philosophie Bd. 12), Frankfurt am Main 2005, S. 105-116

Kurt Walter Zeidler, Grundriß der transzendentalen Logik, 2. Auflage Cuxhaven 1997

Dialektische Logik:

Max Gottschlich, „Logik und Selbsterkenntnis“, in: Perspektiven der Philosophie. Neues Jahrbuch Bd. 41/2015, 3-23

- ders., „Wenn Kant, dann Hegel. Zu Franz Unglers Deutung des Verhältnisses von Transzendentalphilosophie und Dialektik“, in: Geschichtsphilosophie. Stellenwert und Aufgaben in der Gegenwart. Wiener Jahrbuch für Philosophie Band XLVI/2014, 86-106

Bruno Liebrucks, Sprache und Bewußtsein, Band 6/1 bis 6/3: Der menschliche Begriff. Sprachliche Genesis der Logik, logische Genesis der Sprache, Frankfurt a. M. 1974

Thomas Sören Hoffmann, Die absolute Form. Modalität, Individualität und das Prinzip der Philosophie nach Kant und Hegel, Berlin / New York 1991

- ders., Hegel oder die Provokation der spekulativen Logik, in: Hans Feger (Hg.), Die Philosophie des deutschen Idealismus, Würzburg 2016, 243-262

- ders., Hegels Urteilstafel, in: M. Gottschlich u. M. Wladika, Dialektische Logik. Hegels „Wissenschaft der Logik“ und ihre realphilosophischen Wirklichkeitsweisen, Würzburg 2005, 72-89

- ders., „Reflexion, Begriff und spekulative Erkenntnis. Über Weisen des Wissens im Blick auf Hegels Logik“, in: Rüdiger Bubner (Hg.), Von der Logik zur Sprache, Stuttgart 2006, 88-108.



Zur Vorbereitung auf das Seminar kann folgender als Videostream verfügbarer Vortrag aus dem Hagener „Forum philosophicum“ empfohlen werden: http://www.fernuni-hagen.de/videostreaming/ksw/forum/20160908.shtml

Online-Anmeldung

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Ich melde mich für folgende Veranstaltung: Präsenzveranstaltung Formale, transzendentale und spekulative Logik (20.01.2017 bis 22.01.2017 in Wien) verbindlich an.

Kontaktinformationen
Frau Herr
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Bryan Planhof | 10.11.2016
FernUni-Logo FernUniversität in Hagen, Fakultät KSW, Institut für Philosophie, 58084 Hagen