Die Dissertation von Sandra Schwindenhammer, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrgebiet Politikwissenschaft II: Internationale Politik, ist jetzt als Buchveröffentlichung im Nomos Verlag erschienen.
Zum Inhalt: Unternehmen avancieren in der Forschung der Internationalen Beziehungen zunehmend zu politischen Akteuren, die an grenzüberschreitenden Normsetzungs- und Normdurchsetzungsprozessen ko- und selbstregulativ mitwirken. Die Autorin behandelt die Frage, inwiefern nationale Bedingungen im Herkunftsland noch einen Einfluss auf die freiwillige unternehmerische Normbefolgung im transnationalen Regieren ausüben. Sie belegt den Erklärungswert nationaler Bedingungen durch einen strukturiert-fokussierten Vergleich deutscher Unternehmen der G500 in der Global Reporting Initiative (GRI). Die Studie liefert einen Überblick über den Wandel der (I)nternationalen Beziehungen, vor dessen Hintergrund die gewandelte Rolle von Unternehmen porträtiert wird. Die theoretische Einordnung freiwilliger unternehmerischer Normbefolgung und nationaler Bedingungen erfolgt unter Rückgriff auf die politikwissenschaftliche Compliance-Literatur und Arbeiten des Neoinstitutionalismus. Durch die Anbindung an den neoinstitutionalistischen Isomorphismusansatz werden die kausalen Mechanismen des zwanghaften, mimetischen und normativen Konformitätsdrucks hergeleitet. Mit Bezug auf die beiden Dimensionen freiwillige Normanerkennung und Normanwendung differenziert das Forschungsdesign Unternehmen entweder als Nichtkonsumenten, unvollständige oder vollständige Normkonsumenten. Die systematische Fallauswahl innerhalb des Samples der deutschen Unternehmen der G500 mündet in der empirischen Analyse der vollständigen Normkonsumenten BASF, Bayer, Daimler, RWE und VW und drei Kontrollfällen unvollständiger Normkonsumenten. Neben den objektiven Ausprägungen der nationalen Bedingungen in der legal-juristischen, finanziell-marktförmigen und gesellschaftlich-sozialen Herkunftsdimension in Deutschland werden die Ergebnisse durch halbstandardisierte Experteninterviews mit Unternehmensvertretern ergänzt. Die Studie belegt den Erklärungswert nationaler Bedingungen für ein vollständiges Normkonsumententum anhand eines vier Schritte umfassenden Fallvergleichs. Die Autorin schließt mit der Diskussion theoretischer und praktischer Implikationen der Forschungsergebnisse sowie neuer Forschungsfragen.
Schwindenhammer, Sandra 2011: Nationale Bedingungen und freiwillige unternehmerische Normbefolgung. Eine Analyse deutscher Unternehmen der G500 in der Global Reporting Initiative, Baden-Baden: Nomos, Reihe Universitätsschriften Politik, Bd. 180, 310 S., ISBN 978-3-8329-6827-4, 49,00 €
FernUniversität in Hagen, Fakultät KSW, Institut für Politikwissenschaft, 58084 Hagen