Prof. Dr. Nathalie Behnke

Prof. Dr. Nathalie Behnke, Jahrgang 1973, studierte von 1992 bis 1998 im Diplomstudiengang Politikwissenschaft an der Universität Bamberg und von 1995 bis 1996 an der Universität Bologna. Von 1998 bis 2000 arbeitete sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Verwaltungswissenschaft (Prof. Dr. Hans-Ulrich Derlien) an der Universität Bamberg. Nach einem Forschungsaufenthalt in Washington, DC, im Frühjahr 2000 wechselte sie an die FernUniversität, wo sie seit Mai 2000 am Lehrgebiet Politikwissenschaft bei Prof. Benz als wissenschaftliche Mitarbeiterin beschäftigt ist. 2003 beendete sie ihr Promotionsverfahren zum Thema "Ethik-Infrastruktur und Normen-Ökonomie: Entstehung und Funktionen von Ethik-Maßnahmen in Deutschland und den USA". Die Arbeit wurde mit zwei Preisen ausgezeichnet.

Von 2003 bis 2004 verbrachte sie ein Jahr in Mutterschutz und Elternzeit. Seitdem arbeitet sie an verschiedenen Lehrbüchern und ihrem Habilitationsprojekt zum Thema "Re-Writing the Social Contract. Constitutional Reform in Federal States". Mit der Entscheidung für die Habilitation fiel auch endgültig die Entscheidung für die weitere wissenschaftliche Karriere.


Warum haben Sie sich für das Studienfach Politikwissenschaften und die Promotion entschieden?

Am Anfang der Studienentscheidung stand – wie bei so vielen in meinem Fach – das Berufsziel Journalismus. Über studienbegleitende Praktika im Rundfunk wurde mir aber bald klar, dass dieses Berufsfeld nicht meinen Vorstellungen entspricht. Hingegen kristallisierte sich immer deutlicher die Begeisterung für das wissenschaftliche Arbeiten heraus, so dass eigentlich bereits während des Studiums die wissenschaftliche Laufbahn mein Wunschziel war.

Wie lautet Ihr Urteil über die Effiezienz des Studiums im Hinblick auf ihren heutigen Beruf?

Ich habe ein Studium absolviert, das es in dieser Form heute nicht mehr gibt. Magister- oder Diplom-Studiengänge bereiten einen insofern auf das wissenschaftliche Arbeiten vor, als man dort eine große Eigenverantwortung in der Wahl und Zusammenstellung der Studieninhalte sowie in der Studienmotivation und Arbeitsorganisation aufbringen muss. Dies lässt einem umgekehrt den Freiraum, Neigungen zu vertiefen und Schwerpunkte zu setzen. Die politikwissenschaftliche Ausbildung an der Uni Bamberg war aus meiner heutigen Sicht hochkarätig und hat mich gut in relevante und aktuelle Forschungsthemen eingeführt.

Gab es Unsicherheiten bei der Berufswahl oder eine Phase der Orientierungslosigkeit?

Wer solche Phasen nicht hat, ist mir persönlich zutiefst suspekt. Ich halte Verwirrungen und Verirrungen für notwendige Entwicklungsstufen in der Persönlichkeitsbildung. Gerade bei einer so unsicheren und riskanten Berufsperspektive wie der Wissenschaft stellt man sich natürlich immer die Frage, ob die Entscheidung richtig ist. Und die Jahre der Dissertation sind nicht zuletzt Jahre persönlicher und existenzieller Krisen, in denen man Selbstzweifel überwinden muss, ohne die kritische Distanz zum eigenen Schaffen zu verlieren. Wichtig ist dann das soziale Umfeld, das einen auffängt, und der Erfolg, wenn man wieder eine (Teil-)Hürde genommen hat.

Welchen Rat würden Sie zukünftigen Absolventinnen und Promovendinnen mit auf dem Weg geben?

Die Entscheidung für eine Dissertation sollte gut begründet sein. Als Ausweichstrategie, etwa weil man gerade auf dem "richtigen" Arbeitsmarkt kein gutes Angebot bekommt, ist sie ungeeignet. Man muss sich darüber im Klaren sein, ob man Spaß am wissenschaftlichen Arbeiten hat, ob man sich motivieren kann und auch mit Einsamkeit zu Recht kommt. Denn recht schnell gelangt man an den Punkt, da man sich kaum noch mit jemandem wissenschaftlich austauschen kann, weil das eigene Wissen schon zu speziell geworden ist. Man sollte unbedingt ein Thema finden, das das Potenzial hat, einen für drei oder mehr Jahre zu begeistern. Sonst überwiegt das Leiden irgendwann die Motivation.
Auch im Hinblick auf die Lebensplanung sollte man sich überlegen, ob man die Jahre investieren will. Familiengründung, Existenzsicherung, Berufseinstieg, das kommt alles in wenigen Jahren zusammen. Andererseits bin ich davon überzeugt, dass Forschen eine höchst anregende und befriedigende Tätigkeit ist, und es gibt viele gute Beispiele (und zunehmend gesellschaftliche Akzeptanz und Hilfe) für promovierende Mütter.

05.04.2018
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