Prof. Dr. Nicole Burzan

Prof. Dr. Nicole Burzan, Jahrgang 1971. Studierte von 1990 bis 1995 im Diplomstudiengang Sozialwissenschadten an der Ruhr-Universität Bochum. Seit 1997 war sie Mitarbeiterin im Lehrgebiet Soziologie III bei Prof. Dr. W. Fuchs-Heinritz. 2002 Promotion zum Thema "Zeitgestaltung im Alltag älterer Menschen". Auslandsaufenthalte im Rahmen der Lehre an der FernUni, z.B. in Smolensk (Russland). Ab 2003 Juniorprofessorin an der FernUniversität für Sozialstrukturanalyse und empirische Methoden, ab 2005 Vertretungsprofessur an der Universität Dortmund, seit 2007 Professorin für Soziologie an der TU Dortmund.

1 Sohn (geb. 1999)


Welche Fachrichtung haben Sie studiert? Was hat Sie veranlasst zu promovieren? Aus welchen Gründen haben Sie sich für eine Promotion an der FernUni in Hagen entschieden?

Bereits im Studium (Sozialwissenschaften mit Schwerpunkt Soziologie) hat mich die Wissenschaft interessiert, so dass ich die Gelegenheit, als Tutorin und Hilfskraft zu arbeiten, gern wahrgenommen habe. Nach dem Studium habe ich diese Gelegenheiten weiter genutzt mit dem Gedanken „mal schauen, wie das weitergehen kann“. Zur beruflichen Perspektive in der Wissenschaft gehört die Promotion dazu, die gegebene Anbindung an die FernUni und das Interesse z.B. an Biographieforschung legte dann eine Promotion in Hagen nahe. Und die Forschung ist natürlich auch zentraler Teil wissenschaftlichen Arbeitens.

Mussten Sie in der Phase der Promotion beruflich kürzer treten? Inwieweit profitieren Sie beruflich von Ihrem Doktortitel?

Beruf und Promotion waren ja relativ eng verknüpft, was Vorteile hatte, aber auch zur zeitlichen Entgrenzung tendierte. Da ich in der Wissenschaft geblieben bin, war der Doktortitel unerlässlich, für die Juniorprofessur sogar die Note „summa cum laude“.

Gab es Unsicherheiten bei der Berufswahl oder eine Phase der Orientierungslosigkeit? Wie stark hat Sie die Dissertation zeitlich und mental beansprucht?

Die Wissenschaft ist ein unsicherer Berufsmarkt, weil man typischerweise lange befristet beschäftigt ist bei relativ hohem Risiko, irgendwann ohne weitere Beschäftigungsmöglichkeiten (schon vertragsrechtlich) dazustehen. Ich habe meine berufliche Perspektive für mich persönlich recht lange offen gehalten. Erst ab der Juniorprofessur war das Motto ganz deutlich: So, jetzt will ich auch eine „richtige“ Professur anstreben.
Die Promotionsphase war insofern schwierig, als ich erst recht lange Zeit brauchte, um das Thema präzise festzulegen und dann, die Promotion mit beruflichen Aufgaben, z.B. in der Lehre, diszipliniert zu vereinbaren. Zu meiner Promotionszeit gab es nicht so viele Möglichkeiten des Austauschs mit anderen Promovierenden aus der Soziologie in Hagen (das ist später besser geworden). Mental hat wahrscheinlich jeder und jede Promovierende Phasen des Zweifels und des stetigen schlechten Gewissens, trotz Abwesenheit von Faulheit (und Muße) doch noch nicht genug zu tun und doch nicht den geforderten innovativen „großen Wurf“ zu schaffen. Gespräche mit Kollegen und meinem Betreuer haben mir in der Situation geholfen. Und natürlich trotz eines gewissen Drucks das Interesse an der Sache.

Welchen Rat würden Sie zukünftigen Absolventinnen und Promovendinnen mit auf dem Weg geben? Würden Sie mit den Erfahrungen von heute noch einmal eine Promotion beginnen?

Ja, das würde ich auf jeden Fall tun. Pauschale Ratschläge sind schwierig, aber zwei spontane lauten: 1) Wo es geht, den Austausch pflegen, nicht nur „einsam“ promovieren; auch in der Promotionsphase – sofern das Berufsziel wissenschaftlich ausgerichtet ist - schon Netzwerke entwickeln. / 2) Nicht den Anspruch an sich haben, mit der Dissertation die Wissenschaft zu revolutionieren. Es besteht die Gefahr, dass man dann nie zu einem fertigen Text kommt.

Daniela Wieczorek | 05.04.2018
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