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Forschung

Mitglied im Research Center for the Psychological Study of Individual and Community Change

Informationen zu den Forschungsschwerpunkten am Lehrgebiet Community Psychology

    Die Forschung am Lehrgebiet Community Psychology zeichnet sich durch eine enge Verzahnung von grundlagenwissenschaftlicher Orientierung und einer praktischen Umsetzung der gewonnenen Erkenntnisse aus. Als Konsequenz ergibt sich ein multi-methodisches Vorgehen, bestehend aus experimenteller Laborforschung, Fragebogenstudien im Feld sowie dem Einsatz von qualitativ orientierten Interviews, um beispielsweise die Anliegen unterschiedlicher Akteure zu erfragen. Den Rahmen für diese Ausrichtung bildet der Mehr-Ebenen-Ansatz, bei dem die Analyse individuellen Verhaltens flankiert wird von einer Betrachtung sozialer, organisationaler sowie politischer Aspekte.


    Derzeit gibt es folgende thematische Schwerpunkte am Lehrgebiet:


    I. Intergruppenkontakt und Akkulturation

      Dieser Forschungsstrang beschäftigt sich mit Prozessen, die stattfinden, wenn Mitglieder unterschiedlicher Kulturen miteinander in Kontakt treten (Akkulturation) und der Bedeutung und Gestaltung von Kontakt zwischen Mitgliedern unterschiedlicher Gruppen. In Feldstudien wurden beispielsweise Auswirkungen von frühem Kontakt unmittelbar nach Ankunft in einer neuen Kultur analysiert. So zeigte sich in einer Studie mit spanisch-sprachigen Immigrantinnen und Immigranten in der Schweiz und Italien, dass frühe Freundschaften zwischen Immigrantinnen und Immigranten und Mitgliedern der Aufnahmegesellschaft sowie hohe kommunikative Kompetenzen sich positiv auf die Einstellungen gegenüber Mitgliedern der aufnehmenden Gesellschaft zu einem späteren Zeitpunkt auswirken (Ramelli, Florack, Kosic, & Rohmann, 2013). Hierauf basierend soll erarbeitet werden, wie die Phase unmittelbar nach der Migration konkret gestaltet werden kann, um möglichst positive Bedingungen für einen erfolgreichen Verlauf des Migrationsprozesses zu schaffen. Einen Kontext hierfür bilden die wechselseitigen Wahrnehmungen von Immigrantinnen und Immigranten und aufnehmender Gesellschaft (Rohmann, Florack, & Piontkowski, 2006; Rohmann, Piontkowski, & van Randenborgh, 2008).

      Kooperationspartner: Prof. Dr. Arnd Florack


      Weiterhin soll aufbauend auf aktuellen Ergebnissen zu den Auswirkungen von stellvertretendem Kontakt (Mazziotta, Mummendey, & Wright, 2011) in experimenteller Forschung untersucht werden, wie sich stellvertretender Kontakt auf tatsächliches Verhalten in Intergruppensituationen auswirkt, und wie eine Darstellung von Kontaktsituationen in den Medien gestaltet werden kann, um eine positive Auswirkung auf die Intergruppenbeziehungen zu gewährleisten.

      Beziehungen zwischen Gruppen sind sowohl durch positive als auch durch negative Kontakterfahrungen ihrer Mitglieder gekennzeichnet. In der Forschung zum Intergruppenkontakt wurden negative Kontakterfahrungen vernachlässigt (Barlow et al., 2012; Paolini, Harwood, & Rubin, 2010). In einer Reihe von Felduntersuchungen in unterschiedlichen Intergruppenkontexten wird das Zusammenspiel von positiven und negativen Kontakterfahrungen und die Rolle des Kontexts untersucht.


    II. Interkulturelle Kompetenzen und Umgang mit sozialer Vielfalt

      Diversity Initiativen (z.B. Diversity Trainings) verfolgen unter anderem das Ziel, Kompetenzen im Umgang mit sozialer Vielfalt zu vermitteln und können damit einen Beitrag zum Abbau von Vorurteilen sowie zur Inklusion von Personen unterschiedlicher Minoritätsgruppen leisten. In jüngster Zeit wurde vermehrt auf einen mangelnden Austausch zwischen Wissenschaft und Praxis bei der Durchführung von Diversity Trainings hingewiesen (Bell & Kravitz, 2008; Paluck, 2006; Pendry, Driscoll, & Field, 2007). Dieser Forschungsstrang beschäftigt sich mit der Entwicklung, Implementation und Evaluation von Maßnahmen zur Förderung von Kompetenzen, um konstruktiv und erfolgreich mit Personen zu interagieren, die einer anderen ethnischen, religiösen oder anderweitig definierten Gruppe angehören (nähere Projekt-Informationen finden Sie hier).


    III. Evaluation von Präventions- und Interventionsmaßnahmen

      In diesem Forschungsschwerpunkt sollen bestehende oder neu zu konzipierende Maßnahmen hinsichtlich ihrer Wirksamkeit und Generalisierbarkeit auf andere Kontexte überprüft werden. In Zusammenarbeit mit Vertreterinnen und Vertretern der Praxis soll somit zu einer Optimierung der Umsetzung von Präventions- und Interventionsmaßnahmen in Städten und Gemeinden beigetragen werden. Ein Schwerpunkt liegt hierbei auf den Besonderheiten kulturell diversifizierter Communities. Themen, zu denen Evaluationsstudien durchgeführt wurden oder derzeit konzipiert werden, sind: Training zur interkulturellen Sensitivierung (Klinge, Rohmann, & Piontkowski, 2009); Evaluation von Prüfungen im Hochschulkontext (Froncek & Thielsch, 2011); Evaluation der Auswirkungen des Aufsuchens von Beratungsangeboten für unterschiedliche Zielgruppen (z.B. Migrantinnen; Paare); Evaluation von Verfahren zur Beteiligung von Bürgerinnen und Bürgern; Konzeption und Evaluation eines Theaterprojekts zur Versöhnung in Liberia (nähere Projekt-Informationen finden Sie hier ).


    IV. Auswirkungen von verschiedenen Gender-Schreibweisen

      Es hat sich gezeigt, dass Personenbezeichnungen im generischen Maskulinum zu verstärkten mentalen Repräsentationen von männlichen Personen führen (Irmen & Roßberg, 2004, Gygax et al., 2008). Gendergerechte alternative Schreibweisen sollen zu einem stärkeren gedanklichen Einbezug von Personen anderen Geschlechts (sowohl Frauen als auch Personen, die sich selbst nicht dem männlichen oder dem weiblichen Geschlecht zuordnen) führen. In diesem Forschungsstrang sollen die Auswirkungen von unterschiedlichen Gender-Schreibweisen (z.B. Schrägstich, Gender_Gap) analysiert werden.
      Zum einen soll untersucht werden, welche Stereotype durch die Nutzung verschiedener Gender-Schreibweisen über Sendende einer Botschaft (z.B. die Verfasserin eines Textes) aktiviert werden. Derzeit wird mittels qualitativer und quantitativer Methoden untersucht, welche Sprachformen bei Studierenden bekannt sind und von ihnen selbst verwendet werden und wie Personen wahrgenommen werden, die gendergerechte Sprachformen verwenden. Weiter wird der Frage nachgegangen, welche Auswirkungen die unterschiedlichen Schreibweisen auf Rezipierende eines Textes haben und inwieweit diese Schreibweisen von den Betroffenen selbst als angemessen oder diskriminierend erlebt werden. Außerdem soll untersucht werden, welche Bedeutung der Gebrauch von gender-gerechter Sprache für Mitglieder unterschiedlicher Gruppen hat. Auf dieser Basis sollen schließlich Empfehlungen für die sprachliche Gestaltung von (Studien-)materialien generiert werden.


    Es besteht die Möglichkeit, am Lehrgebiet Community Psychology ein Forschungspraktikum zu absolvieren oder Abschlussarbeiten zu schreiben. Bitte wenden Sie sich für weitere Informationen an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Lehrgebiets .

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