Die Forschung am Lehrgebiet Community Psychology zeichnet sich durch eine enge Verzahnung von grundlagenwissenschaftlicher Orientierung und einer praktischen Umsetzung der gewonnenen Erkenntnisse aus. Als Konsequenz ergibt sich ein multi-methodisches Vorgehen, bestehend aus experimenteller Laborforschung, Fragebogenstudien im Feld sowie dem Einsatz von qualitativ orientierten Interviews, um beispielsweise die Anliegen unterschiedlicher Akteure zu erfragen. Den Rahmen für diese Ausrichtung bildet der Mehr-Ebenen-Ansatz, bei dem die Analyse individuellen Verhaltens flankiert wird von einer Betrachtung sozialer, organisationaler sowie politischer Aspekte.
Derzeit gibt es folgende thematische Schwerpunkte am Lehrgebiet:
I. Intergruppenkontakt und Akkulturation
Dieser Forschungsstrang beschäftigt sich mit Prozessen, die stattfinden, wenn Mitglieder unterschiedlicher Kulturen miteinander in Kontakt treten (Akkulturation) und der Bedeutung und Gestaltung von Kontakt zwischen Mitgliedern unterschiedlicher Gruppen. In Feldstudien wurden beispielsweise Auswirkungen von frühem Kontakt unmittelbar nach Ankunft in einer neuen Kultur analysiert. So zeigte sich in einer Studie mit spanisch-sprachigen Immigranten in der Schweiz und Italien, dass frühe Freundschaften zwischen Immigranten und Mitgliedern der Aufnahmegesellschaft sowie hohe kommunikative Kompetenzen sich positiv auf die Einstellungen gegenüber Mitgliedern der aufnehmenden Gesellschaft zu einem späteren Zeitpunkt auswirken (Ramelli, Florack, Kosic, & Rohmann, in press). Hierauf basierend soll erarbeitet werden, wie die Phase unmittelbar nach der Migration konkret gestaltet werden kann, um möglichst positive Bedingungen für einen erfolgreichen Verlauf des Migrationsprozesses zu schaffen. Einen Kontext hierfür bilden die wechselseitigen Wahrnehmungen von Immigranten und aufnehmender Gesellschaft (
Rohmann, Florack, & Piontkowski, 2006; Rohmann, Piontkowski & van Randenborgh, 2008).
Weiterhin soll aufbauend auf aktuellen Ergebnissen zu den Auswirkungen von stellvertretendem Kontakt (
Mazziotta, Mummendey, & Wright, 2011) in experimenteller Forschung untersucht werden, wie sich stellvertretender Kontakt auf tatsächliches Verhalten in Intergruppensituationen auswirkt, und wie eine Darstellung von Kontaktsituationen in den Medien gestaltet werden kann, um eine positive Auswirkung auf die Intergruppenbeziehungen zu gewährleisten.
II. Interkulturelle Kompetenzen und Umgang mit sozialer Vielfalt
Dieser Forschungsstrang beschäftigt sich mit der Entwicklung, Evaluation und Optimierung von Interventionen zur Förderung von sozialen Kompetenzen, um konstruktiv und erfolgreich mit Personen zu interagieren, die einer anderen ethnischen, religiösen oder anderweitig definierten Gruppe angehören. Am Beispiel von Diversity Trainings soll in einem partizipativen Ansatz untersucht werden, wie der Transfer von theoretischem Wissen in die Praxis (Theorie-Praxis-Transfer) und von praktischem Wissen in die Wissenschaft (Praxis-Theorie-Transfer) gestaltet und optimiert werden kann (
Paluck, 2006; Pendry, Driscoll, & Field, 2007).
III. Evaluation von Präventions- und Interventionsmaßnahmen
In diesem Forschungsschwerpunkt sollen bestehende oder neu zu konzipierende Maßnahmen hinsichtlich ihrer Wirksamkeit und Generalisierbarkeit auf andere Kontexte überprüft werden. In Zusammenarbeit mit Vertreterinnen und Vertretern der Praxis soll somit zu einer Optimierung der Umsetzung von Präventions- und Interventionsmaßnahmen in Städten und Gemeinden beigetragen werden. Ein Schwerpunkt liegt hierbei auf den Besonderheiten kulturell diversifizierter Communities. Themen, zu denen Evaluationsstudien durchgeführt wurden oder derzeit konzipiert werden, sind: Training zur interkulturellen Sensitivierung (
Klinge, Rohmann, & Piontkowski, 2009); Evaluation von Prüfungen im Hochschulkontext (
Froncek & Thielsch, 2011); Evaluation der Auswirkungen des Aufsuchens von Beratungsangeboten für unterschiedliche Zielgruppen (z.B. Migrantinnen; Paare); Evaluation von Verfahren zur Bürgerbeteiligung.
Es besteht die Möglichkeit, am Lehrgebiet Community Psychology ein
Forschungspraktikum zu absolvieren oder
Abschlussarbeiten zu schreiben. Bitte wenden Sie sich für weitere Informationen an die
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Lehrgebiets .