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E-Mental-Health-Angebote: Akzeptanz durch Aufklärung

[01.10.2018]

Eine Studie aus dem Lehrgebiet Gesundheitspsychologie zeigt, dass Aufklärung über digitale Internet-basierte Hilfsangebote im Bereich psychischer Gesundheit deren Akzeptanz erhöhen kann.


Foto: Hardy Welsch

Dem Bedarf an Hilfsangeboten bei psychischen Belastungen steht ein mangelndes Angebot traditioneller Face-to-Face-Beratungen und -therapien gegenüber. Internet-vermittelte Angebote (E-Mental-Health-Angebote) könnten hier eine neue Unterstützungsalternative darstellen. Allerdings mangelt es derzeit noch an Wissen darüber, wie die generelle Einstellung und die Inanspruchnahme dieser Form von Hilfsangebote sind. Ebenso fehlt es an Erkenntnissen dazu, wie die Einstellungen gegenüber E-Mental-Health-Interventionen und nachfolgend deren Nutzungsabsicht durch Informationen positiv beeinflusst werden können.

Im Rahmen einer anonymisierten Onlinestudie wurden daher Einstellungen und Nutzungsabsichten im Selbstbericht erfragt. Dafür wurden die Teilnehmenden nach dem Zufallsprinzip entweder einer von drei Gruppen mit jeweils unterschiedlich gestalteten Informationen zu einem exemplarischen E-Mental-Health-Angebot oder einer Kontrollgruppe ohne Informationen zuwiesen. Die drei Informationsgruppen erhielten entweder 1. eine allgemeine neutrale Textinformation, oder 2. dieselbe neutrale Information plus eine fiktive Expertenbeurteilung mit zusätzlichem Qualitätsgütesiegel, oder 3. die neutrale Textinformation plus Kommentare und Bewertungen durch fiktive ehemalige Nutzerinnen und Nutzer (sog. Testimonials).

Die Auswertung ergab grundsätzlich positive Einstellungen in Bezug auf die wahrgenommene Nützlichkeit von E-Mental-Health-Angeboten. Im Vergleich mit traditionellen psychologischen Hilfsangeboten beurteilten die meisten Teilnehmenden Selbsthilferatgeber, Gesundheits-Websites und Face-to-Face-Beratung dennoch als hilfreicher als Onlineberatung und Internettherapien.

Die Gruppen, die jedoch zuvor textbasierte neutrale Informationen und insbesondere das Expertenurteil dargeboten bekamen, hatten im Vergleich zur Kontrollbedingung positivere Einstellungen gegenüber E-Mental-Health-Angeboten.

Testimonials waren hingegen wirkungslos, Nutzungsabsichten konnten ausschließlich durch den neutralen Text erhöht werden.

Auch wenn die Bewertungen ehemaliger Nutzerinnen und Nutzer zu keiner positiven Einstellungsänderung führte, was sich möglicherweise durch mangelnder Glaubwürdigkeit erklären lässt, könnte diesen Ergebnissen zufolge bereits die bloße Bereitstellung allgemeiner Fakten über E-Mental-Health-Angebote zur verbesserten Akzeptanz unter Internetnutzern beitragen.


Dr. rer. medic. Jennifer Apolinário-Hagen Foto: Hardy Welsch

Dr. rer. medic. Jennifer Apolinário-Hagen

Lehrgebiet Gesundheitspsychologie

E-Mail: jennifer.apolinario-hagen

Telefon: +49 2331 987-2275

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Oliver Baentsch | 02.10.2018