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Lehrgebiet Psychologische Methodenlehre, Diagnostik und Evaluation

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Psychologische Methodenlehre, Diagnostik und Evaluation!

Das Lehrgebiet Psychologische Methodenlehre, Diagnostik und Evaluation wird seit November 2007 von Prof. Dr. Karl-Heinz Renner geleitet.

Warum gibt es eine Methodenlehre in der Psychologie? Methoden können als „Wege“ zur Wissenschaft aufgefasst werden (vgl. griechisch: „méthodos“ = Weg zu etwas hin). Die Methodenlehre hat deshalb einen zentralen Stellenwert, weil durch sie die Wissenschaftlichkeit psychologischer Theorien und Befunde gesichert wird – in der Psychologie insgesamt und auch in jedem ihrer Teilfächer. Im Unterschied zur Alltagspsychologie setzt die Psychologie als empirische Wissenschaft Methoden ein, die eine systematische Überprüfung und Weiterentwicklung von Theorien durch die geplante und wiederholbare Erhebung, Analyse und Interpretation von Erfahrungsdaten (Daten zum Erleben und Verhalten) ermöglicht.

Das Spektrum der psychologischen Methodenlehre umfasst Methoden zur Erhebung von Daten (z.B. Beobachtung, Befragung, standardisierte Tests), Untersuchungsdesigns (z.B. Experiment, Korrelationsstudie, Einzelfallstudie), und Methoden zur Datenauswertung (z.B. beschreibende und schließende Statistik, Inhaltsanalyse).

Die Psychologische Diagnostik ist eine Methodenlehre im Dienste der Angewandten Psychologie. Ihr Gegenstand ist die gezielte und regelgeleitete Sammlung und Verarbeitung von Daten, die für die Bearbeitung von Fragestellungen relevant sind. Zu den grundlegenden Fragestellungen der Diagnostik zählen die Beschreibung, Klassifikation, Vorhersage und Evaluation von Unterschieden zwischen und innerhalb von Personen im Hinblick auf psychische Zustände (z.B. Angst), Eigenschaften (z.B. Intelligenz) und deren Veränderungen sowie damit einhergehender relevanter Bedingungen.

Psychologische Diagnostik bereitet Entscheidungen (z.B. zur Berufseignung, zur Wirksamkeit von Interventionsprogrammen) nach wissenschaftlichen Kriterien und ethischen Standards vor.

Psychologisches Diagnostizieren ist ein Prozess, der mehrere Phasen umfasst (Klärung der Fragestellung, Auswahl von psychologisch-diagnostischen Verfahren, Anwendung, Auswertung, Interpretation, Gutachtenerstellung, Interventions- bzw. Maßnahmenvorschlag).

Evaluation ist die ziel- und zweckorientierte Beurteilung des Wertes eines Produktes oder Programms mit wissenschaftlichen Methoden. Formative Evaluation zielt auf eine prozessbegleitende Verbesserung von Programmen und Maßnahmen ab, die gerade vorbereitet oder durchgeführt werden. Summative Evaluation betrifft dagegen die abschließende Bewertung der Qualität und Effekte von Programmen, die bereits stattgefunden haben.

Das Lehrgebiet „Psychologische Methodenlehre, Diagnostik und Evaluation“ vertritt auch die Differentielle Psychologie und Persönlichkeitsforschung. Nach einem berühmten Diktum von Kluckhohn und Murray (1953) ist jeder Mensch in gewisser Hinsicht

  • wie alle anderen Menschen
  • wie einige andere Menschen
  • wie kein anderer Mensch

Während die Allgemeine Psychologie nach Gesetzmäßigkeiten sucht, die für nahezu alle Menschen gelten (…wie alle anderen Menschen, z.B. Lerngesetze, Sprachfähigkeit), ist es das Ziel der Differentiellen Psychologie Unterschiede zwischen einzelnen Personen oder Gruppen von Personen auf bestimmten Dimensionen bzw. Merkmalen zu identifizieren: Einige Menschen sind z.B. ängstlicher als andere oder intelligenter, extravertierter, offener, optimistischer. Zudem untersucht die Differentielle Psychologie, mit welchen anderen Merkmalen solche interindividuellen Unterschiede auf einer bestimmten Dimension assoziiert sind. Dabei geht es auch um die Frage, welche Konsequenzen bzw. „outcomes“ in der Zukunft mit welchen Persönlichkeitsmerkmalen vorhergesagt werden können (individual differences that make a difference). Zum Beispiel werden die Merkmale akademische Intelligenz und Gewissenhaftigkeit, aber auch soziale und emotionale Kompetenzen als Prädiktoren für Studien- und Berufserfolg analysiert.

Die Persönlichkeitspsychologie im engeren Sinn untersucht die einzigartige Organisation von psychischen Merkmalen innerhalb einer Person. Wie wirken bestimmte Motive, Emotionen und Kognitionen bei einer Person zusammen? Persönlichkeit in diesem Sinn umfasst Strukturen und Prozesse und spiegelt „nature“ (genetische Anlagen) und „nurture“ (Erfahrung) wider. Die Bezeichnung Persönlichkeitspsychologie gilt als Oberbegriff für Differentielle Psychologie und Persönlichkeitspsychologie im engeren Sinn. Man findet aber auch die Bezeichnung „Differentielle Psychologie und Persönlichkeitsforschung“.

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