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Modul 55112 - Rhetorik, Verhandeln und Vertragsgestaltung

Die juristische Praxis besteht weniger aus Gesetzesauslegung und verbindlichen Entscheidungen als aus Verhandlungen und anderen argumentativen Prozessen, in denen man seine Meinung mit allen rhetorischen Mitteln zur Geltung bringt. Eine besondere Rolle spielen hierbei Vertragsgestaltungen und andere Formen konstruktiver Jurisprudenz.

Zu den Schwächen des traditionellen rechtswissenschaftlichen Studiums zählte bisher, dass die Berufsanfängerinnen und -anfänger auf dieses große Arbeitsfeld überhaupt nicht vorbereitet werden. Mittlerweile wird auch im Bereich der traditionellen Juristenausbildung über Korrekturen nachgedacht, die zum Teil schon durch Änderungen des Juristenausbildungsgesetzes gesetzlich fixiert wurden. In welchem Umfang diese Regelungen umgesetzt werden, ist im Moment noch nicht absehbar und wird sich erst in der weiteren Zukunft zeigen. Das Bachelor-Programm bietet hier ein Pflichtmodul, das mit der nötigen Bandbreite, aber auch fachlichen Tiefe Fertigkeiten vermittelt, die in der aktuellen Diskussion häufig als „Schlüsselqualifikationen“ bezeichnet werden.

Juristische Rhetorik

  • Juristische Technik des Überzeugens
  • Professionelle Organisation juristischer Gedanken und Texte
  • Verantwortungsvoller Einsatz überlegener und flexibler Argumentationskunst
  • Workshop: verbale Rhetorik

Juristinnen und Juristen verfügen über eine besondere Fertigkeit, ihre Auffassung plausibel zu machen. Sie überzeugen im beruflichen Alltag durch eine bestimmte Organisation ihrer Gedanken und ihrer textlichen Beiträge. Die Eigenheiten dieser Technik sind den wenigsten bewusst.

Der Kurs Juristische Rhetorik füllt diese Lücke durch eine Darstellung der Muster juristischer Kunstfertigkeit. Im Mittelpunkt stehen die Charakteristika juristischer Weltkonstruktion, der typisch juristische Gebrauch von Argumenten, rhetorischen Figuren und anderen Überzeugungselementen aus der sozialen Wirkdimension. Auf diese Weise werden die Studierenden durch theoretische Kenntnisse und praktische Übungen in die Lage versetzt, bewusst und planvoll die Vorzüge juristischen Redens und Arbeitens unabhängig von der jeweiligen Rechtsmaterie oder Problemlage einzusetzen. Damit sie mit dem erlernten Überzeugungspotential verantwortungsvoll umgehen können, wird die Aufmerksamkeit auch auf die Einseitigkeiten und Nachteile dieser Techniken gelenkt.

Zur Umsetzung des erlernten Wissens wird der Kurs durch einen zweitägigen Workshop ergänzt. Hier stehen Rollenspiele in den unterschiedlichsten Ausprägungen im Mittelpunkt. Die Teilnehmenden erhalten dadurch einen Einblick in die Besonderheiten angewandter, sprachlicher Rhetorik.

Grundlage des Kurses Juristische Rhetorik sind die Ergebnisse neuester Forschungen, die am Fachbereich Rechtswissenschaft der FernUniversität in Hagen durchgeführt werden.

Verhandeln

  • Verhandlungstheorie: Typen, Phasen, Strukturen, Intensionen
  • Verhandlungsstile: Kompetitiv oder kooperativ, positionenorientiert oder interessengeleitet

Wie verlaufen Verhandlungen? Gibt es sinnvolle Typisierungen? Welche Verhandlungsstile lassen sich feststellen? Gibt es eine prognostizierbare Entwicklung unter angenommenen Bedingungen?

Der Kurs Verhandeln vermittelt eine Theorie und eine Kunst, die weite Teile des Berufslebens beherrscht, aber fast immer nur intuitiv ausgeübt wird. Die Folge sind Kontroversen und Verluste, wo ein bewusstes - nämlich kooperierendes, interessengeleitetes - Denken zu einer sinnvollen Lösung für alle Beteiligten führen könnte.

In einem zweiten Teil des Kurses liegt der Schwerpunkt auf der praktischen Durchführung von Verhandlungen. Dabei werden die Phasen der Verhandlung, der kompetitive und kooperative Verhandlungsstil, die verschiedenen Verhandlungsprinzipien und besondere Situationen wie z. B. so genannte Verstrickungen oder der Umgang mit Emotionen dargestellt. Dadurch erhalten die Bearbeiterinnen und Bearbeiter die Kompetenz, ihr eigenes Verhalten in Verhandlungssituationen zu reflektieren und aktiv steuernd in Verhandlungen zu agieren.

Vertragsgestaltung

Unter Fortführung der bereits vermittelten Kenntnisse im Vertragsrecht sollen Probleme der Vertragsgestaltung im Vordergrund stehen. Dabei sollen die Möglichkeiten und Grenzen (Inhaltskontrolle) der Vertragsfreiheit vertieft dargestellt werden. Vertragsaufbau und die Kombination von Verträgen (z. B. Kooperations-, Rahmen- und Einzelvertrag) sollen Berücksichtigung finden. Gesellschaftsrechtliche Bezüge werden u. a. am Beispiel des Konsortialvertrages dargestellt. Wegen der großen Praxisnähe dieses Kurses gibt es eine zusätzliche Kursbetreuung durch Unternehmenspraktiker.

Konfliktlösung, Schlichtung, Mediation

  • Theoretische Grundlagen der Erkennung, Einschätzung und Bewältigung von Konflikten
  • Einführung in die Formen außergerichtlicher Streitbeilegung (Schiedsgerichtsverfahren, Schiedsverfahren, Schlichtungsverfahren, Moderation, Mediation)
  • Vor- und Nachteile der unterschiedlichen Verfahren
  • Anleitung zur Reflexion des eigenen Konfliktverhaltens

Zu den Schlüsselqualifikationen einer Juristin oder eines Juristen gehört der erfolgreiche Umgang mit Konflikten. Hierzu zählen die unterschiedlichsten Probleme, die in der herkömmlichen Juristenausbildung vernachlässigt werden: Von Spannungen im innerbetrieblichen Bereich über Streitigkeiten zwischen Unternehmer und Kunde oder zwischen Gesellschaftern bis hin zu Unstimmigkeiten mit Geschäftspartnern, z.B. beim Aushandeln oder Abwickeln von Vertragsbeziehungen. Der Gang zum Gericht gilt hier meist als die letzte, und oft auch als die schlechteste Lösung. Im besten Fall gelingt es, Konflikte rechtzeitig zu erkennen, zu vermeiden, oder sie zur Erhaltung guter, produktiver Beziehungen mit der jeweils passenden Technik möglichst außergerichtlich zu bewältigen.

Der Kurs Konfliktlösung, Schlichtung, Mediation stellt unterschiedliche Verfahren vor, mit deren Hilfe sich Konflikte einschätzen und bearbeiten lassen. Die Möglichkeiten der staatlichen Gerichtsbarkeit werden durch ein Spektrum alternativer Formen kontrastiert. Zu diesen gehören neben dem Schiedsgerichtsverfahren, dem Schiedsverfahren und den Schlichtungsverfahren neuerdings auch Verfahren wie Moderation und Mediation. Die Studierenden lernen die Vor- und Nachteile der unterschiedlichen Verfahren kennen und werden in die Lage versetzt, sich im Konfliktfall für das geeignetste Verfahren zu entscheiden. Nicht zuletzt will der Kurs dazu verhelfen, sich selber in künftigen Konfliktsituationen bewusster und angemessener zu verhalten.

Nils Szuka | 10.04.2008 06:08
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