Personal hat zentrale Bedeutung für Unternehmen und deshalb haben wir nicht nur ein Lehrbuch zum Personalmanagement geschrieben, sondern beschäftigen uns auch im Rahmen der Forschung mit speziellen personalwirtschaftlichen Fragestellungen. Am Anfang stand mit Holger Daners die Frage, ob und wie Charisma bzw. charismatische Führung in Organisationen Bestand haben kann. Die Überlegungen zu Personalführung haben Stefan Süß und ich unter Bezugnahme auf virtuelle Unternehmen aufgegriffen. Daneben hat uns einige Jahre das Personalmanagement in internationalen Unternehmen beschäftigt. Im Vordergrund standen zum einen die systematische Auseinandersetzung mit verschiedenen Funktionen des internationalen Personalmanagements, zum anderen erste Schritte zu seiner theoretischen Fundierung durch personalökonomische und verhaltenswissenschaftliche Theorien. Im Zuge dessen erfolgten auch eine Analyse der theoretischen Fundierung der Personalwirtschaftslehre und ein Vorschlag zur Überbrückung der Kluft zwischen verhaltenswissenschaftlicher Personalwirtschaft und Personalökonomik.
Einen weiteren Forschungsschwerpunkt stellte das Diversity-Management dar, das seinen Ausgangspunkt in der zunehmenden Diversität von Personalstrukturen, z. B. hinsichtlich Geschlecht, Nationalität und Alter, hat. In diesem Zusammenhang erforschte Stefan Süß (teilweise unter Mitarbeit von Markus Kleiner) die Gründe für die boomartige Verbreitung des Diversity-Managements sowie seine Gestaltung. Die empirische Studie „Diversity-Management in Deutschland“ umfasste sowohl eine quantitative Untersuchung in 160 deutschen börsennotierten Unternehmen und in den 50 größten amerikanischen Unternehmen mit Niederlassungen in Deutschland als auch eine qualitative Studie, in der Interviews u. a. mit Diversity- und Personal-Managern geführt wurden. Im Ergebnis wurde deutlich, dass Diversity-Management infolge seines unklaren ökonomischen Nutzens vielfach als Legitimationsfassade und als Ergebnis politischer Prozesse eingeführt wird. Seine boomartige Verbreitung stellt das Resultat sog. Isomorphismusprozesse dar, die im Wesentlichen eine Reaktion auf Erwartungen der Unternehmensumwelt sowie Imitationsprozesse zwischen Unternehmen widerspiegeln.
Die zunehmende Flexibilisierung von Beschäftigungsverhältnissen hat Stefan Süß zum Anlass genommen, um die Konsequenzen für die Loyalität und das Commitment von freiberuflich tätigen Mitarbeitern zu untersuchen. Im Ergebnis der empirischen Studie wurde deutlich, dass die Befragten durchaus Commitment gegenüber ihrem Arbeitgeber empfinden. Insbesondere eine affektive Bindung war zu beobachten. Aufbauend auf diesem Forschungsschwerpunkt wurde das Verbundprojekt „Freelancer im Spannungsfeld von Flexibilisierung und Stabilisierung (FlinK)“ beantragt. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) hat dieses Projekt bewilligt; es wird aus Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) und des Europäischen Sozialfonds innerhalb des Förderschwerpunktes „Balance von Flexibilität und Stabilität in einer sich ändernden Arbeitswelt“ bis zum 30.04.2013 gefördert und vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), Bonn, betreut. Förderkennzeichen: ADFH01248208. Im Rahmen des Forschungsprojekts sollen innovative Konzepte für den erfolgreichen Einsatz, die Motivation und Bindung sowie die Stärkung der beruflichen Identität und Employability von Freelancern der IT- und Medienbranche entwickelt werden. Projektstart war der 01.07.2009. Stefan Süß war Projektleiter in Hagen und hat das Projekt zum 01.04.2010 an seine neue Wirkungsstätte mitgenommen. Weitere Informationen zum Projekt finden Sie hier.
Die Auseinandersetzung mit den Themen Mobile Learning und Mobile Education war ebenfalls ein Forschungsschwerpunkt der letzten Jahre. Die Forschungsarbeiten von Maciej Kuszpa richteten sich darauf, die Potenziale des Einsatzes mobiler Endgeräte für das Lehren (Mobile Education) und Lernen (Mobile Learning) zu untersuchen. Das Interesse galt dabei sowohl technologischen als auch didaktisch-methodischen Aspekten der unterschiedlichen Lehr- und Lernformen mit mobilen Endgeräten wie Mobiltelefonen, Smartphones oder Personal Digit Assistants. Im Rahmen eines vom Ministerium für Schule, Wissenschaft und Forschung des Landes NRW geförderten Drittmittelprojekts wurde die Software „Mobile Plattform for Educational Content“ konzipiert und entwickelt. Letztere ermöglicht die Ergänzung multimedialer Lernumgebungen um Benutzerschnittstellen für mobile Endgeräte. Die Forschungsergebnisse wurden im In- und Ausland auf zahlreichen Messen und Kongressen (z. B. CeBIT und Learntec) sowie in vielen Publikationen und Fachvorträgen präsentiert. Im Jahr 2006 wurde zusammen mit dem Bundesinstitut für Berufsbildung (BiBB) sowie der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (baua) erstmals der „Mobile Learning Day“ veranstaltet, der in Fachvorträgen sowie Workshops über aktuelle Entwicklungen im Mobile Learning informiert. Darüber hinaus fanden empirische Untersuchungen z. B. im Auftrag des Bundesinstituts für Berufsbildung (BiBB) statt. Die Forschungsergebnisse bildeten schließlich die Basis für das von dem Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderte Verbund-Projekt „Mobile-Learning – prozessorientiertes Informieren und Lernen in wechselnden Arbeitsumgebungen". Es richtet sich darauf, die Möglichkeiten des Mobilen Lernens für Berufsgruppen mit ausgeprägter Reisetätigkeit (z. B. Berufskraftfahrer/innen) sowohl in technologischer als auch mediendidaktischer Sicht zu untersuchen und Entwicklungen in die Praxis zu transferieren. Aufgrund der dabei erforderlichen ausgeprägten mediendidaktischen Expertise wurde das Projekt von dem Lehrgebiet Bildungstheorie und Mediendidaktik (Prof. de Witt) der FernUniversität übernommen.
Zudem erfolgte eine Auseinandersetzung mit der besonderen Bedeutung der Resilienz von Managern, d. h. einer ausgeprägten psychischen Elastizität im Umgang mit belastenden Situationen, für die Bewältigung von Wandelprozessen. In diesem Zusammenhang richteten sich die Arbeiten von Gotthard Pietsch auf die Entwicklung eines Resilienztrainings, das in der Führungskräfteentwicklung einsetzbar ist.
Schließlich haben wir uns mit unterschiedlichen Fragen des Personalcontrollings auseinandergesetzt. Nicht zuletzt standen hier zentrale Probleme eines Performance Measurement der Personalarbeit im Vordergrund der Betrachtung. Es erfolgte eine kritische Diskussion unterschiedlicher Methoden, im Zuge derer die Humankapitalbewertung besondere Berücksichtigung fand. Vor allem die Wirkungen mehrdeutiger Humankapitalinformationen in Unternehmen sowie die Möglichkeiten ihres Einsatzes im Rahmen des Stakeholdermanagements wurden untersucht.
Publikationen zu diesem Forschungsschwerpunkt
Laufende Projekte:
Angesichts der in der Praxis verbreiteten Bestrebungen zur Bewertung der Personalarbeit richtet sich unsere Forschung zudem auf die Untersuchung von Personal-Awards. Im Vordergrund steht die Frage, warum sich Personal-Awards trotz vielfach intransparenter Bewertungsprozedere und wenig aussagekräftiger Ergebnisse in den letzten Jahren boomartig verbreiteten.
Ansprechpartner: Prof. Dr. Ewald Scherm
FernUniversität in Hagen, Fakultät für Wirtschaftswissenschaft, 58084 Hagen, Tel.: +49 2331 987-2692, E-Mail: lehrstuhl.scherm@Fernuni-Hagen.de