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Forschung

Schwerpunkte der Forschung sind Soziologische Theoriebildung, Gesellschaftstheorie, Theorien sozialen Wandels, Kultur-, Wirtschafts- und Techniksoziologie, sowie die von den einzelnen Mitarbeitenden des Lehrgebietes auf ihren eigenen Netzseiten genannten Bereiche.

Konkret arbeiten wir derzeit an Konzepten zu folgenden Forschungsschwerpunkten:

1. Soziologische Praxistheorie, sozialer Wandel und Theorie der Gesellschaft

Dieser Forschungsschwerpunkt schließt direkt an bisherige Forschungen von Frank Hillebrandt, Franka Schäfer und Anna Daniel zum Thema „Thematisierungsformen des Religiösen in den wichtigsten soziologischen Modernitätsnarrativen der Gegenwart“ an. Ein wichtiges Ergebnis dieser diskursanalytischen Forschungsarbeit ist, dass sich der religionssoziologische Diskurs seit den 1960er Jahren grundlegend verändert. Es lässt sich ein Wandel von der Thematisierung der kollektiven Religion in den beiden großen konfessionellen Kirchen hin zu einer Thematisierung der Vielfalt religiöser Erfahrungen in der Privatsphäre der Einzelnen beobachten.

Im Anschluss an dieses wichtige Ergebnis verfolgen wir das Ziel, die kulturellen Veränderungen seit den 1960er Jahren zu untersuchen, indem wir einen praxissoziologischen Beitrag zu einer Theorie des jüngeren sozialen Wandels entwerfen. In dieser Forschungsarbeit, die sich auch als ein Beitrag zur historischen Soziologie versteht, geht es darum, die kultursoziologische und diskursanalytische Skizze des kulturellen Wandels praxistheoretisch zu fundieren und von der Religion auf weitere Bereiche der Gesellschaft auszudehnen. Hinter diesem Vorhaben steht die Annahme, dass der kulturelle Wandel seit den 1960er Jahren mit einem Wandel der Praktiken und Praxisformationen verbunden ist. Geplant sind zur Identifikation und Analyse dieser Praktiken und Praxisformationen Untersuchungen zu Wandlungsprozeesen in der Erziehung, in der Wirtschaft, in der Kunst und in der Politik. Denn gerade diese Wandlungsprozesse sind, so die zu untersuchende These, wichtige Grundlagen von Integrationsprozessen in der gegenwärtigen Gesellschaft.

2. Theoriebildung

Ein wichtiger Forschungsschwerpunkt des Lehrgebietes ist die kultur- und praxissoziolgische Theoriebildung. Die Theoriediskussion der Soziologie ist gegenwärtig an einem Punkt angelangt, der eine Neuorientierung der Bildung soziologischer Theorie erwarten lässt. Diese Entwicklung erzeugt einen hohen Forschungsbedarf zur Weiterentwicklung der soziologischen Theoriegrundlagen, der vom Arbeitsbereich aufgegriffen und in Forschungsprojekte überführt wird. Insbesondere die Systematisierung und Weiterentwicklung der soziologischen Kultur- und Praxistheorie ist in diesem Zusammenhang ein Schwerpunkt der Forschung zur Bildung soziologischer Theorie. Dabei geht es vor allem um eine weitere Systematisierung dieser vielversprechenden Theorierichtung, die bisher noch nicht als abgeschlossene Theorie vorliegt.

3. Weiter- und Neuentwicklung von methodischen Instrumentarien zur kultursoziologischen Praxisforschung

In enger Verzahnung mit dem Forschungsschwerpunkt soziologische Theoriebildung wird das Lehrgebiet im Anschluss an in den letzten Jahren intensiv geführten Fachdiskussionen, soziologische Theoriebildung mit empirischer Forschung methodisch verbinden, um auf diese Weise nicht nur die empirischen Forschungsarbeiten zu befördern, sondern auch die soziologische Theorie weiterzuentwickeln. Dies verspricht innovative Impulse für die Forschung, weil die aktuelle Theoriediskussion des Fachs in die Konzeption und operative Durchführung von Forschungsvorhaben einfließt. Ähnlich wie bezüglich ihrer theoretischen Prämissen ist auch die methodologische Fundierung der Praxisforschung noch nicht hinreichend systematisiert. In diesem Zusammenhang geht es vor allem darum, innovative Forschungsmethoden zu entwickeln, welche die einseitige Fokussierung der kultursoziologischen Forschung auf die Analyse von kulturellen Formen überwinden hilft. Denn eine am Praxisbegriff orientierte Kultursoziologie interessiert sich verstärkt für die praktischen Vollzüge der kulturellen Formen, die eine eigene Qualität haben. Es kommt also darauf an, einen vielfältigen Methodenmix zu entwickeln, der den hohen Ansprüchen der empirischen Praxisforschung gerecht zu werden vermag und der im Verlauf der Forschungspraxis iterativ weiterentwickelt werden kann.

Ein vielversprechendes Forschungsfeld, das einen Beitrag zur theoriegeleiteten Methodendiskussion in diesem Bereich leisten kann, ist die Erforschung von Diskursen. Vor allem poststrukturalistische und postmoderne Diskurstheorien (z.B. Foucault) bieten zahlreiche Anschlussmöglichkeiten für die soziologische Praxisforschung, wenn davon ausgegangen wird, dass sich einerseits soziale Praktiken in Diskurse einschreiben und sich andererseits diskursive Formationen in Praktiken Ausdruck verschaffen. Insofern kann von im Diskurs neu auffindbaren diskursiven Formationen auf einen Wandel der Praxisformen geschlossen werden.

4. Wirtschaftssoziologie

Im Anschluss an verschiedene Arbeiten zur Wirtschaftssoziologie und speziell zur Soziologie des Tausches, die Frank Hillebrandt als Leiter des Lehrgebietes vorgelegt hat, werden Forschungsperspektiven für die Untersuchung von Arbeit als soziale Praxis entwickelt, die explizit eine Kultursoziologie von symbolischen Formen, die durch Experten- und Alltagswissen generiert werden, vornimmt. Diese kultur- und wissenssoziologische Forschung wird in einem zweiten Schritt auf die Praxis der Arbeit angewendet, um so den Vollzug von Wissen in der Arbeit zu erhellen. Diese Forschungsvorhaben befinden sich noch in der konzeptionellen Phase. Eine Verzahnung zum ersten Forschungsschwerpunkt ist naheliegend.

25.06.2014
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