Logo Institut füt Soziologie

Aktuelles

Der Global Gender Gap Report 2013

Das World Economic Forum gibt seit 2006 jährlich den Global Gender Gap Report heraus. Dieser bildet mit Hilfe des Global Gender Gap Indexes, ein eigens hierfür entwickeltes Messinstrument, die Gleichberechtigung der Geschlechter und deren Entwicklung in den einzelnen Ländern im Zeitverlauf ab. Der „Gender Gap” (auf Deutsch: geschlechtsspezifische Gleichheitslücke) wird nach wirtschaftlichen, politischen, bildungs- und gesundheitsbasierten Kriterien berechnet.

Der Global Gender Gap Report 2013 unterstreicht die weiterhin existierende Geschlechterungleichheit in allen Regionen, besonders im Bereich der politischen Teilhabe.

Island führt wie schon die letzten 5 Jahre das Ranking an, gefolgt von Finnland, Norwegen und Schweden. Neben den nordischen Ländern (Dänemark (8) und Irland (6)) finden sich noch die Schweiz (9), Neuseeland (7), die Philippinen (5) und Nicaragua (10) in den Top 10. Herauszustreichen sind vor allem intraregionale Unterschiede. So ist z.B. in Europa die Entwicklung des Gender Gaps ziemlich einseitig, mit einer Spaltung zwischen Nord- und Westeuropa gegenüber Süd- und Osteuropa. Deutschland liegt auf Platz 14 mit 75%, Spanien an 30. Stelle mit 72%, Frankreich an 45. (70%) und Italien nur an 71. Stelle (68%) (Die Prozentangaben stellen die „Schließung“ der geschlechtsspezifischen Gleichheitslücke dar, wobei 100% die völlige Gleichheit zwischen Frauen und Männern bedeuten würde.)

Die politische Motivation hinter der Berechnung des Global Gender Gaps liegt in der angenommenen starken Korrelation zwischen den länderspezifischen Gender Gaps und der jeweiligen nationalen Konkurrenzfähigkeit. Hier kommt auch der spezifische Blickwinkel des World Economic Forums zum Tragen, da die Ungleichheit zwischen den Geschlechtern als „Wettbewerbsnachteilt“ betrachtet wird, wonach bei einer Benachteiligung von Frauen die Hälfte der national zur Verfügung stehenden Talente nicht ausreichend genutzt werde.

Aus der Sicht sozialer Ungleichheitsforschung ist neben den Ergebnissen und dem Länder- und Regionenvergleich vor allem die methodologische Herangehensweise hervorzuheben. Der Global Gender Gap Index zeichnet sich dadurch aus, dass er die Breite der geschlechtsspezifischen Gleichheitslücke in vier Bereichen misst:

• Wirtschaftliche Chancen und Teilhabe – Gehälter, Partizipation und Beschäftigung in hochqualifizierten Berufen

• Bildung – Zugang zu Grundschul- und weiterführender Bildung

• Politische Teilhabe – Einbindung in Entscheidungsstrukturen

• Gesundheit und Überlebenschancen – Lebenserwartung und Geschlechterverhältnis

In diesem Sinne spiegeln die Indexwerte den Prozentsatz der Gleichheitslücke zwischen Männern und Frauen, die geschlossen wurde. D.h. der Index misst, in wie weit Frauen und Männer (respektive Mädchen und Jungen) gleichen Zugang zu Ressourcen haben, wie z.B. Bildung. Hierbei wird nicht das absolute Gleichheitsniveau zwischen den Ländern verglichen, sondern die jeweils länderspezifische „Lücke“ zwischen Frauen und Männern, relativ unabhängig von den jeweils zur Verfügung stehenden Ressourcen.

In dieser quantitativen und komparativen Sichtweise spiegelt sich die -durchaus diskussionswürdige- Leitlinie des World Economic Forums:

“What can be measured can be addressed”

(Zitat aus dem Video zum Global Gender Gap Report 2013)

Link zum Bericht

Dr. Karolin Eva Kappler

Jessica Gabski | 27.11.2013
FernUni-Logo FernUniversität in Hagen, Institut für Soziologie, 58084 Hagen