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Buchempfehlung: Wolfgang Streeck "Gekaufte Zeit"

Im Jahr 2012 hielt Wolfgang Streeck, Direktor am Kölner Max-Planck-Institut für Gesellschaftsforschung, die dreitägige Adorno-Vorlesung in Frankfurt am Main. In dieser spannt er einen weiten Bogen von der fordistischen Nachkriegsgesellschaft bis zur Gegenwart, um das Verhältnis von Demokratie und Kapitalismus als eine Abfolge von Krisen und als sukzessive Auflösung des „Regimes des demokratischen Kapitalismus“ beschreiben zu können. Unter „demokratischem Kapitalismus“ versteht er ein instititutionalisiertes Kompromisssystem, welches die Interessenmaximierung einzelner Akteure verhindern sollte. Dieser demokratisch-kapitalistische Wohlfahrtsstaat war zunächst national organisiert. Die Übertragung von Souveränitätsrechten zunächst auf die Europäische Union, im Verlauf der aktuellen Finanz-, Fiskal- und Wirtschaftskrise zunehmend auch auf ökonomische Institutionen wie Zentralbanken und IWF, führe jedoch zu einem Souveränitätsverlust des – an die Nation gebundenen - „Staatsvolkes“ zugunsten eines global mobilen „Marktvolkes“ von Kapitalanlegern. Streeck kommt nach der Präsentation eines reichhaltigen empirischen Materials zu dem Schluss, dass heute - am Ende eines langen halben Jahrhunderts des demokratischen Kapitalismus - die „Diktatur einer vor demokratischer Kontrolle geschützten demokratischen Marktwirtschaft“ kurz vor Ihrer Vollendung stehe (Streeck 2013: 235). Das aus dieser Vorlesung hervorgegangene Buch („Gekaufte Zeit. Die vertagte Krise des demokratischen Kapitalismus“; Suhrkamp 2013) hat Furore gemacht und ist sicher eines der meistgelesenen Werke zum Verhältnis von Kapitalismus und Demokratie der jüngeren Vergangenheit. Es ist dabei weniger theoretisch oder hoch abstrakt, sondern auch für solche Leser spannend und nachvollziehbar, die (noch) keine Finanzmarktexperten sind.

(Prof. Dr. Uwe Vormbusch)

Illustration

Wolfgang Streeck
Gekaufte Zeit - Die vertagte Krise des demokratischen Kapitalismus

Erschienen: 11.03.2013
Gebunden, 271 Seiten
ISBN: 978-3-518-58592-4

Jessica Gabski | 29.10.2013
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