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Projekt

Illustration

Lebensweltliche Konstruktionen von gleichgeschlechtlichen Inseminationsfamilien

Projektleitung:
Status: laufend

Kurzbeschreibung:

Im Zuge der neuzeitlichen Entwicklung hat eine Umstrukturierung in den partnerschaftlichen und familialen Lebensformen stattgefunden. In der Familiensoziologie ist diese Veränderung mit den Begriffen „Strukturwandel von Familie und Verwandtschaft“, „Pluralisierung von Lebensformen“, „Optionserweiterung“ und „Entkopplung von Ehe und Familie“ beschrieben. An diese Beschreibungszusammenhänge schließt das Forschungsprojekt an. Forschungsgegenstand ist eine spezielle Variante einer familialen Lebensform: die gleichgeschlechtliche Inseminationsfamilie. Damit sind Frauenpaare gemeint, die sich ihren biologischen Kinderwunsch über den Weg einer Samenspende erfüllt haben und in einer gleichgeschlechtlichen Partnerschaft leben. Für die Familiensoziologie und die sozialwissenschaftliche Verwandtschaftsforschung sind derartige neue Lebensformen ein geeigneter Ort, um zu untersuchen, wie soziale Ordnung entsteht, wenn Heterosexualität und blutsverwandtschaftliche Abstammung nicht die zentralen Prinzipien sind, die Familie und die davon abgeleiteten Verwandtschaftsbeziehungen strukturieren. Zentrale Forschungsfragen sind Folgende:

1. Wie wird Familie gestaltet, wenn Blutsverwandtschaft zwischen Eltern und Kindern sich von der familialen Lebensgemeinschaft ablöst? Inwieweit hat ein strukturtheoretisches Modell von Familie noch seine empirische Relevanz, das einen Beschreibungszusammenhang enthält, der Bezug auf das westeuropäische bürgerliche Familienmodell nimmt?

2. Wie sehen die Organisationsweisen von Verwandtschaft aus, die nicht mehr die „natürliche Konsequenz“ heterosexueller Reproduktion sind? Wie wird zu den Personen eine Beziehung aufgebaut, mit denen man nicht qua Abstammung biologisch verwandt ist? Welche Konsequenz hat die Beobachtung, dass sich Verwandtschaft zunehmend nicht mehr über qua Zeugung (Heterosexualität) generierte genetische Ähnlichkeit konstituiert und somit eine biologisch begründete Basis hat, für die soziologische Verwandtschaftsforschung?

Datenerhebung und Datenauswertung erfolgen in Anlehnung an den methodischen Zugang der Fallrekonstruktiven Familienforschung (Hildenbrand 2005). Über die methodische Operation des Fallvergleiches sollen allgemeine Struktureigenschaften, die über den Einzelfall hinaus auf das Phänomen der gleichgeschlechtlichen Inseminationsfamilie verweisen, rekonstruiert werden. Das Ziel ist eine bereichsbezogene Theorie (Glaser/Strauss 1967) zum Phänomen der gleichgeschlechtlichen Inseminationsfamilie.

Christian Kurrat | 06.08.2015
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