Regionalzentrum Coesfeld

Veranstaltungen im Wintersemester 2017/2018

BürgerUniversität Coesfeld und FernUniversität in Hagen im Gespräch: Gegenwart und Zukunft der Gesellschaft

Die Vorlesungen richten sich an eine breite regionale Öffentlichkeit, die an aktuellen soziologischen Forschungsergebnissen interessiert ist. Die Vortragenden aus Hagen und dem ganzen Bundesgebiet referieren in allgemeinverständlicher Form zur gesellschaftlichen Entwicklung in Deutschland und Europa.



11. Oktober 2017, 19:00 Uhr

Syrien – Katastrophe ohne Ende?

Jörg Armbruster

Syrien – Katastrophe ohne Ende?

Veranstaltungsort:
WBK | Wissen Bildung Kultur
Osterwicker Straße 29, 48653 Coesfeld


Dass es jemals wieder ein Syrien geben wird in den Grenzen von 2011, also vor Ausbruch des Krieges, ist heute kaum noch vorstellbar. Der syrische Machthaber Assad scheint zwar willens zu sein, den Krieg bis zum zerstörerischen Ende durchfechten zu wollen, selbst um den Preis der vollständigen Zerstörung dieses vielleicht einst schönsten Landes der arabischen Welt, doch ob er es jemals wieder vollständig beherrschen wird, ist zweifelhaft. Die Kurden kämpfen um Autonomie, der Iran wird sich kaum aus dem Land verdrängen lassen und Russland beansprucht heute schon einen größeren Militärhafen in Tartus. Auch der russische Präsident Putin wird die Politik Syriens in Zukunft mitbestimmen wollen. Sunnitische Djihadistenverbände werden sich im Untergrund verstecken, sollten sie tatsächlich besiegt werden und mit Anschlägen das Land in Atem halten. Heute kann noch niemand sagen, wie diese Region in ein paar Jahren aussehen wird. Was sind die Ursachen dieser Katastrophe? Wie begann alles im Jahr 2011? Warum wurde der innersyrische Krieg zum internationalen Stellvertreterkrieg? Welche Rolle spielen der Iran, Russland und der Westen? Das sind einige Fragen, die der Vortrag behandeln will.

Jörg Armbruster: ehemaliger ARD-Korrespondent im Nahen Osten, heute Buchautor und freier Journalist, lebt in Stuttgart.


22. November 2017, 19:00 Uhr

Die „richtige“ Geburt

Sarah Eckardt

Die "richtige" Geburt

Veranstaltungsort:

WBK | Wissen Bildung Kultur
Osterwicker Straße 29, 48653 Coesfeld


Gegenstand des Vortrages sind erste Forschungsergebnisse aus meiner Promotion, in der ich untersuche, wie Frauen im Spannungsfeld zwischen individuellen Konzepten und gesellschaftlichen Mustern Geburt erleben, deuten und gestalten. Im Zuge der Demokratisierung des Gesundheitssektors und der daraus folgenden zunehmenden Kundenorientierung entstehen für gebärende Frauen größere Möglichkeitsräume, sodass sie ihr subjektives Wissen sowie ihre Wünsche und Deutungen in den Geburtsprozess aktiv einbringen können. Gegenstand meines Dissertationsvorhabens ist das Deuten und Gestalten der Geburt durch Frauen. Diese Aspekte werden aus verschiedenen Perspektiven untersucht: ausgehend vom öffentlichen Diskurs mit seinen Wissens- und Machtstrukturen über die Geburt bis hin zur konkreten, subjektiven Aneignung des Diskurses durch Gebärende.

Sarah Eckardt: Diplom-Soziologin, Schwerpunkte: Familiensoziologie, Geschlechterforschung, Gesundheitssoziologie, Stipendiatin des soziologischen Promotionskollegs „Familie im Wandel. Diskontinuität, Tradition und Strukturbildung“ der FernUniversität in Hagen


13. Dezember 2017, 19:00 Uhr

Reformation als Konfliktgeschichte - Beobachtungen zum Reformationsjubiläum 2017

Dr. Ulrike Jureit

Reformation als Konfliktgeschichte
Beobachtungen zum Reformationsjubiläum 2017

Veranstaltungsort:

WBK | Wissen Bildung Kultur
Osterwicker Straße 29, 48653 Coesfeld


Während sich in den kirchlichen wie staatlichen Deutungsangeboten zum Reformationsjubiläum 2017 die Tendenz erkennen lässt, die Reformation als Beginn oder doch zumindest als Vorläuferin der europäischen Moderne zu identifizieren – um sie aufgrund der damit aufgerufenen Entwicklungs- und Fortschrittslogiken sinnhaft zu unseren heutigen Lebensverhältnissen in Beziehung setzen zu können – kann eine solche Inanspruchnahme historiographisch nicht überzeugen. Die Reformation war im Kern zunächst ein theologischer und alsbald ein ekklesiologischer Konflikt. Er brachte vor allem deswegen so gravierende politische, gesellschaftliche und soziale Erschütterungen mit sich, weil das spätmittelalterliche Europa eben keine Trennung von geistlicher und weltlicher Macht kannte. Es handelte sich somit um Gesellschaften, die nicht in unserem heutigen Sinne funktional differenziert waren. Luthers vehemente Kritik am Ablasshandel, sein Kampf gegen klerikale und päpstliche Bevormundung, sein theologisches Freiheitsverständnis wie auch seine später so bezeichnete „Zwei-Reiche-Lehre“ stellte das mittelalterliche „Corpus Christianum“ zwar nicht intentional, in der Konsequenz jedoch radikal in Frage.

Dr. Ulrike Jureit: Historikerin, Hamburger Stiftung zur Förderung von Wissenschaft und Kultur, Forschungsschwerpunkt: Kulturund Sozialgeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts, u. a. Erinnerungskultur und Gedächtnistheorie, Historische Gewaltforschung, Staat und Territorium in der Moderne, Generationenforschung, Visual History


24. Januar 2018, 19:00 Uhr

Von der Autokratie zur Demokratie und zurück: Kontinuitäten und Brüche im politischen System der Türkei

Tobias Lau

Von der Autokratie zur Demokratie und zurück: Kontinuitäten und Brüche im politischen System der Türkei​

Veranstaltungsort:

WBK | Wissen Bildung Kultur
Osterwicker Straße 29, 48653 Coesfeld


Die Türkei ist seit Monaten in aller Munde und das Bild, das in den Medien dominiert, ist spätestens seit dem gescheiterten Putsch vom 15. Juli 2016 eindeutig: Recep Tayyip Erdoğan baut eine einst funktionierende Demokratie zu einer religiös-nationalistischen Diktatur um. Doch ist es wirklich so einfach? Die Frontverläufe sind sehr viel unübersichtlicher, als es auf den ersten Blick erscheint. Denn so plump, aggressiv und populistisch er auch auftreten mag – der türkische Präsident weiß die Bruchlinien der türkischen Gesellschaft und des politischen Systems geschickt und skrupellos für sich auszunutzen. Und Europa ist nicht unschuldig daran, dass ihm das gelingt. Welche Perspektiven hat das Land? Und welche Möglichkeiten bestehen für die Türkei noch, zu einer funktionierenden demokratischen Grundordnung zurückzukehren?

Tobias Lau ist Journalist und hat in Jena, Berlin und Istanbul Politikwissenschaften mit dem Schwerpunkt Türkei- und Nahost-Studien studiert. Er war für zwei Semester an der T.C. Okan Universität in Istanbul, hat in Ankara in der Deutschen Botschaft und in Istanbul bei der Türkischen Menschenrechtsstiftung TİHV gearbeitet. Nach dem Studium war er für zwei Jahre Redakteur bei der Nachrichtenseite Deutsch-Türkisches Journal.


10. Februar 2018, 10:00 - 14:00 Uhr

Kommunikation mit dementen Menschen

Dr. Richard Bettmann, M.A., Dipl. Soz.Arb./Soz.päd.

Kommunikation mit dementen Menschen​

Seminar

Veranstaltungsort:

WBK | Wissen Bildung Kultur
Osterwicker Straße 29, 48653 Coesfeld


Die Versorgung, Betreuung und Begleitung von an Demenz erkrankten Menschen findet überwiegend im häuslichen Umfeld statt. Dort stehen „Weggefährtinnen und Weggefährten“ zusammen mit ihren dementen Angehörigen vor dem Problem, das „Miteinander-Sein“ trotz der demenzbedingten Ausfallerscheinungen jeden Tag aufs Neue gestalten und aufeinander abstimmen zu müssen. Die Lebensqualitäten der dementen Menschen und der Betreuenden hängt entscheidend davon ab, ob und wie dieses Kommunikationsproblem gelöst werden kann. In dem Seminar wird es darum gehen, die Probleme zu erörtern, die im Alltag in der Kommunikation mit dementen Menschen auftreten können. Darüber hinaus soll der Frage nachgegangen werden, wie und unter welchen Umständen eine alltägliche Handlungskoordination, die zur Bewältigung des Alltags unbedingt von Nöten ist, dennoch gelingen kann.

Richard Bettmann ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Soziologie der FernUniversität Hagen, Lehrgebiet III, Organisationssoziologie und qualitative Methoden. Schwerpunktmäßig befasst er sich mit der Kommunikation an den „Rändern des Sozialen“, mit organisationssoziologischen Fragestellungen und mit der qualitativen Sozialforschung.

Wegen begrenzter Plätze ist eine Anmeldung bis zum 05. Februar 2018 im Regionalzentrum der FernUniversität in Hagen erforderlich: Regionalzentrum Coesfeld, Tel. 02541 7582 oder per Mail: regionalzentrum.coesfeld@fernuni-hagen.de


14. März 2018, 19:00 Uhr

Die Einheit von Bindung und Selbständigkeit - Zur Kooperationsdynamik im Streichquartett

PD Dr. Ferdinand Zehentreiter
und „Das Streichquartett der Musikschule Coesfeld“

Die Einheit von Bindung und Selbständigkeit
Zur Kooperationsdynamik im Streichquartett​

Ein musikalischer Abend​

Veranstaltungsort:

WBK | Wissen Bildung Kultur
Osterwicker Straße 29, 48653 Coesfeld


Jeder Versuch, die Dynamik der Zusammenarbeit in einem Streichquartett zu erfassen, hat zunächst bei der Charakterisierung seiner spezifischen ästhetischen Aufgabe anzusetzen. Ganz allgemein geht es dabei um die Möglichkeit eines Verbandes aus vier gleichrangigen, individuellen Stimmen. Zu dieser Souveränität gehört auch eine Flexibilität im Umgang mit den unterschiedlichsten Rollen, von der Position der führenden Stimme über den eigenen Beitrag im Geflecht gleichwertiger Linien bis zu wechselnden Partnerschaften und zur bloßen Farbschicht im homogenen Klang. Gruppendynamisch gleicht dem die Quadratur des Zirkels. Jeder Spieler ist gleichzeitig selbstständig und flexibler Bestandteil eines gestaltreichen Ganzen, eigenverantwortlich und mimetisch verbunden mit den anderen. So gesehen hat man es hier zu tun mit der künstlerischen Realisierung einer sozialen Utopie.

Ferdinand Zehentreiter: Klavierstudium in München, Studium Soziologie, Philosophie und Musikwissenschaft in Frankfurt am Main, Privatdozent am Fachbereich Gesellschaftswissenschaften der Goethe-Universität Frankfurt am Main, Lehrbeauftragter für Musikwissenschaft an der Musikhochschule Frankfurt am Main, zahlreiche Publikationen zu kultursoziologischen und ästhetischen Fragen, letzte Buchpublikation: „Musikästhetik. Ein Konstruktionsprozeß“ (Hofheim 2017)

Die Veranstaltung findet zusammen mit dem Streichquartett der Musikschule Coesfeld statt.
Besetzung: Steffi Bäumer-Enzen (1. Violine), Bianca Rölver (2. Violine), Almuth Jung (Bratsche), Wolfgang Peters (Violoncello)


Martina Stöppel | 25.09.2017
Wichtige Infos
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