Regionalzentrum Coesfeld

Veranstaltungen im Wintersemester 2018/2019

BürgerUniversität Coesfeld und FernUniversität in Hagen im Gespräch: Gegenwart und Zukunft der Gesellschaft

Die Vorlesungen richten sich an eine breite regionale Öffentlichkeit, die an aktuellen soziologischen Forschungsergebnissen interessiert ist. Die Vortragenden aus Hagen und dem ganzen Bundesgebiet referieren in allgemeinverständlicher Form zur gesellschaftlichen Entwicklung in Deutschland und Europa.



17. Oktober 2018, 19:00 Uhr

Breaking Europe - Identität und Krise des sozialen Bandes in Europa

Dr. Juliane Spitta​

Breaking Europe
Identität und Krise des sozialen Bandes in Europa

Vorlesung

Veranstaltungsort:
WBK | Wissen Bildung Kultur
Osterwicker Straße 29, 48653 Coesfeld


Europa kommt nicht zur Ruhe. Es gelingt den Narrationen kollektiver Subjektivierung immer weniger, mit den politischen Transformationen Schritt zu halten. Das Ausmaß der Diskrepanz zwischen Politik und politischer Imagination ist eklatant. Das Gespenst des Scheiterns hat die EU zwar seit Gründungstagen begleitet, die schwierige Lage der politischen Ordnung hat heute dennoch eine neue Dimension erreicht. Darüber hinaus konnte im Schatten der offiziellen Politik, die mehr und mehr zu einer postdemokratischen Inszenierung nationaler Wettbewerbsstaaten wurde, ein neuer Typ des Rechtsautoritarismus entstehen, der ein Rollback von Nationalismus und Sozialchauvinismus mit sich brachte.

In der Folge wird heute allerorts zur Rettung Europas aufgerufen und gefordert, das soziale Band zu stärken, indem die Grundfesten europäischer Identität (wieder) in den Blick genommen werden. Was jedoch, wenn es dem Europadiskurs gar nicht an Identitätsoffensiven fehlt? Könnte der Versuch, den Abstand zwischen Politik und Imagination zu überbrücken, selbst Teil des Problems sein, wenn die Suche nach europäischer Identität auf historischen Idealisierungen gründet?

Juliane Spitta, Dr. phil, Jahrgang 1977, unterrichtet Philosophie und Politikwissenschaften in Berlin. Forschungs- und Publikationsschwerpunkte: Theorien der Gemeinschaft, Postmarxismus und Dekonstruktion, politische Philosophie und Erinnerungstheorie. Aktuelle Themen: Europa zwischen Emanzipation und nationalistischem Rollback.


28. November 2018, 19:00 Uhr

Sind die 68er das Musterbeispiel einer Generation?

Prof. Dr. Michael Corsten

Sind die 68er das Musterbeispiel einer Generation?

Vorlesung

Veranstaltungsort:
WBK | Wissen Bildung Kultur
Osterwicker Straße 29, 48653 Coesfeld


2018 feiern das zeitgeschichtlich legendäre Jahr 1968 und die ebenso prominenten 68er ein Jubiläum: Sie werden 50. Kaum ein anderes Jahr spielt in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland nach 1945 eine ähnliche Rolle. 1968 ist ein Symbol für unsere Gesellschaft, und die 1960er Jahre haben eine Generation hervorgebracht, die das zivilgesellschaftliche Leben nicht nur in Deutschland, sondern weltweit radikal veränderte.

Mit dem Jahr 68 geht eine historische Zäsur einher, die zu einem erheblichen Teil von den veränderten Lebensformen der Jugendgeneration und deren rebellischem Auftreten ausgegangen ist.

Der Vortrag geht den Fragen nach, wie sich Generationsphänomene soziologisch bestimmen lassen und ob die 68er ein Musterbeispiel für historische Generationen sind. Die leitende These wird dabei sein, dass Bedingungen, die eine Generationsbildung ermöglichen, äußerst selten gegeben sind. Für die 68er war das der Fall. Erst dadurch konnten sie zum Mythos werden.

Prof. Dr. Michael Corsten lehrt seit 2008 Soziologie an der Universität Hildesheim. Er hat 1991 in Marburg promoviert. Von 1991 bis 2000 arbeitete er am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung zu berufssoziologischen Fragestellungen. Von 2001 bis 2008 forschte er an der Universität Jena zu bürgerschaftlichen Engagement. Aktuell untersucht er die Bedeutung von Symbolik in der Gesellschaft sowie den Zusammenhang von Biographie und Generation.


12. Dezember 2018, 19:00 Uhr

Das (bundes-)deutsche Trauma - Über das Verhältnis zwischen Psychoanalyse, Film und Vergangenheitsdeutung

Jun.-Prof. Dr. Irina Gradinari​

Das (bundes-)deutsche Trauma
Über das Verhältnis zwischen Psychoanalyse, Film und Vergangenheitsdeutung

Vorlesung

Veranstaltungsort:
WBK | Wissen Bildung Kultur
Osterwicker Straße 29, 48653 Coesfeld


Wer kennt sie nicht: die Rede vom Trauma? Immer wieder begegnet uns im Alltag dieser Begriff. Ursprünglich entwickelt, um individuelle psychische Zustände zu beschreiben, dient er mittlerweile auch dazu, kollektive historische Prozesse zu erfassen. Wie kam es dazu? Eine mögliche Erklärung dafür wird im Vortrag vorgestellt. Am Beispiel des Films "Die Mörder sind unter uns" (1946, Regie Wolfgang Staudte), wird veranschaulicht, wie das individuelle Trauma in eine kollektive Erinnerungsfigur transformiert werden konnte. Das Besondere an diesem Film ist aber nicht nur, dass mit ihm gezeigt werden kann, wie er zur Entstehung eines spezifischen Geschichtsbildes beigetragen hat. Sondern es handelt sich um den ersten DEFA-Film der Nachkriegszeit, der dem Genre der sogenannten Trümmerfilme zugeordnet werden kann.

Jun.-Prof. Dr. Irina Gradinari hat in Odessa (Ukraine) und Trier studiert. Seit 2017 ist sie Junior-Professorin für literatur- und medienwissenschaftliche Genderforschung an der FernUniversität in Hagen. Sie hat promoviert zum Thema Genre, Gender und Lustmord: Mörderische Geschlechterfantasien in der deutschsprachigen Gegenwartsprosa. Seit 2016 ist sie im Vorstand der Fachgesellschaft Geschlechterstudien. Weitere Forschungsschwerpunkte sind u.a.: sowjetischer, west- und ostdeutscher Kriegsfilm, Memoria-Theorien und Erinnerungskulturen und das Andere in der populären Kultur.


2. Februar 2019, 10:00 - 14:00 Uhr

Zur Bedeutung von Religion in der Gegenwartsgesellschaft

Dr. Anna Daniel

Zur Bedeutung von Religion in der Gegenwartsgesellschaft

Seminar

Veranstaltungsort:
WBK | Wissen Bildung Kultur
Osterwicker Straße 29, 48653 Coesfeld


Nachdem es lange Zeit so schien, als habe Religion in der modernen Gesellschaft an Bedeutung verloren, sind religiöse Zusammenhänge in den letzten Jahren wieder verstärkt in den Fokus gerückt. Nicht nur das mediale Interesse an religiösen Großveranstaltungen ist hier zu nennen. Auch die vielen Kriege und Konflikte weltweit, in denen der Glauben eine Rolle spielt oder als Legitimationsgrund herangezogen wird und die viele Menschen zu Flucht zwingen, erhalten ebenso wie die im Namen einer Religion verübten Terrorakte eine breite Öffentlichkeit. Ressentiments gegenüber bestimmten konfessionellen Gruppen haben dem Thema Religion ebenso neue Aufmerksamkeit beschert, wie die seit vielen Jahren immer wieder von verschiedenen Diskursteilnehmern diskutierte Frage ‚inwiefern der Islam zu Deutschland gehöre‘.

Im Rahmen des Seminars wollen wir diese Aspekte aus einer soziologischen Perspektive näher beleuchten und uns zudem mit der Frage befassen, inwiefern auch die Religionssoziologie selbst dazu beigetragen hat, dass Religion über einen längeren Zeitraum aus dem Blickfeld geraten war.

Dr. Anna Daniel hat in Marburg und Münster Soziologie studiert. Sie ist Mitarbeiterin des Lehrgebiets ‚Allgemeine Soziologie und soziologische Theorie‘ der FernUniversität in Hagen und hat sich im Rahmen ihrer Doktorarbeit aus einer postkolonialen Perspektive mit den Grenzen des soziologischen Religionsbegriffs befasst. Weitere Forschungsgebiete sind die Popkulturforschung, die soziologische Theorie, eine Soziologie der Kritik.

Wegen begrenzter Plätze ist eine Anmeldung bis zum 25. Januar 2019 im Regionalzentrum der FernUniversität in Hagen erforderlich: Regionalzentrum Coesfeld, Tel. 02541 7582 oder per Mail: regionalzentrum.coesfeld@fernuni-hagen.de


13. Februar 2019, 19.00 Uhr

Der resiliente Mensch - Wie wir Krisen erleben und bewältigen

Prof. Dr. Raffael Kalisch​

Der resiliente Mensch
Wie wir Krisen erleben und bewältigen

Vorlesung

Veranstaltungsort:
WBK | Wissen Bildung Kultur
Osterwicker Straße 29, 48653 Coesfeld


Wie kann man sich vor stressbedingten Erkrankungen, etwa Depressionen, Angststörungen oder Burnout schützen? Diese Frage treibt die Wissenschaft seit Jahrzehnten um. Trotz aller Anstrengungen ist die Situation alarmierend: Psychische Störungen sind weit verbreitet, jeder fünfte Deutsche ist betroffen. Nicht wenige leiden ein Leben lang.

Doch der Weg vom Stress zur Krankheit ist nicht zwangsläufig: Raffael Kalisch, einer der führenden Vertreter der neurowissenschaftlichen Resilienzforschung, untersucht die Mechanismen, die dafür sorgen, dass die Psyche selbst in Krisenzeiten gesund bleiben kann. Ziel dieses neuen Forschungsansatzes: Die Kräfte der Resilienz (Widerstandsfähigkeit) stärken, um einer Erkrankung vorzubeugen – und damit eine Trendwende im Umgang mit der Krankheit einzuleiten.

Raffael Kalisch ist Professor für Bildgebung des menschlichen Gehirns und Gründungsmitglied des Deutschen Resilienz Zentrums (DRZ) an der Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Darüber hinaus ist er Vizesprecher des Sonderforschungsbereichs „Neurobiologie der Resilienz” der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), Sprecher der International Resilience Alliance (intresa), Koordinator des EU-Projekts „Dynamic Modelling of Resilience (DynaMORE)” und Leiter des „Mainzer Resilienz-Projekts (MARP)“.


20. März 2019, 16.00 Uhr

„konzert theater coesfeld“

Jun.-Prof. Dr. Dorett Funcke

„konzert theater coesfeld“

Exkursion

Veranstaltungsort:
„konzert theater coesfeld“
Osterwicker Straße 29, 48653 Coesfeld


Seit über zehn Jahren ist das „konzert theater coesfeld“ ein Ort der Begegnung für Menschen in der Region, und es präsentiert sich als eines der modernsten Theater Europas. Was sonst nur Künstlerinnen und Künstler, Regisseurinnen und Regisseure sowie Technikerinnen und Techniker sehen können, werden Sie bei der Führung hautnah erleben. Sie bekommen einen Einblick in seine Geschichte und sein innovatives Technikkonzept. Vollkommen ohne rechten Winkel gestaltet, bietet der Zuschauersaal mit 623 Plätzen eine optimale Klangqualität und Akustik. Anhand eines Modells können die Besonderheiten des Hauses veranschaulicht werden: die Variabilität in der Bühnengestaltung, die verschiedenen Bühnengrößen für alle gängigen Aufführungsarten und so unterschiedliche Funktionen wie Theateraufführungen und Konzertveranstaltungen.

Es wird eine Kostenumlage in Höhe 3 Euro pro Person erhoben.

Wegen begrenzter Plätze ist eine Anmeldung bis zum 18.03.2019 im Regionalzentrum Coesfeld der FernUniversität erforderlich: Regionalzentrum Coesfeld, Tel. 02541 7582 oder per Mail: regionalzentrum.coesfeld@fernuni-hagen.de


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Martina Stöppel | 19.11.2018
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