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Nachlese 2010 -11

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Forum ZeitFragen 2010-11

Nachlese: Berichte, Texte, Weblinks

Von der Mangel - zur Konsumgesellschaft Wie Konsum, werbung und Marken das soziale Leben prägen

Dr. Jochen Hirschle

Das Wirtschaftswunder der Nachkriegszeit hat in Deutschland und in vielen anderen west- und nordeuropäischen Gesellschaften zu einer Konsumrevolution geführt. Waren und Dienstleistungen, die bis dahin nur einer elitären Minderheit zur Verfügung standen, wurden innerhalb kurzer Zeit für eine Mehrheit der Gesellschaft erschwinglich. Inzwischen gehört die Beteiligung am Konsum für die meisten von uns zum täglich Brot. In unserer Freizeit gehen wir Shoppen, ins Kino, in Freizeitparks, Fitnessclubs oder Urlaubsresorts. Jugendliche leben ihre Sozialbeziehungen in Clubs, Diskotheken, Bars und Fastfood-Ketten aus und kleiden sich dabei mit bestimmten Marken ein, um einem Zugehörigkeitsgefühl oder ästhetischem Verständnis Ausdruck zu verleihen.
Dass die Durchsetzung des Konsumverhaltens kein Selbstläufer ist, belegen die Ausgaben der Unternehmen für Werbemaßnahmen. Heute wendet die Industrie in Deutschland bereits mehr als 170 Euro pro Einwohner im Jahr für Werbeschaltungen in den Massenmedien auf. Dabei geht es den Werbeagenturen immer weniger um die Darstellung funktionaler Eigenschaften der Produkte als um die Erzeugung von „Produkt-Erlebniswerten“, „Images“ und ästhetischen Assoziationen.
Im Vordergrund des Vortrages von Dr. Jochen Hirschle vom soziologischen Institut der FernUni Hagen stehen die Fragen von Ursache, Wirkung und Ausdrucksformen des Konsums. Was bringt die Menschen dazu, sich jenseits der Erfüllung der Grundbedürfnisse am Konsum zu beteiligen? Welche Funktion erfüllt der „symbolische“ Konsum von Waren und Dienstleistungen in der Moderne? Inwiefern hat die Durchsetzung der Konsumgesellschaft unser soziales Leben verändert?
24. März 2011

Himmelsreise - Mein Streit mit den Wächtern des Islam

Dr. phil. Necla Kelec

Die Soziologin Necla Kelek gilt als streitbare und kompetente Kritikerin des Islam in Deutschland und setzt sich — weit über die übliche Forderung nach Anerkennung des Grundgesetzes hinausgehend — für einen aufgeklärten Islam ein.
Sie wendet sich gegen eine Verharmlosung des Islam, der — trotz regionaler Unterschiede — immer auch Lebenskonzept, Ideologie und Politik zugleich sei. Ihr Credo: Wir müssen den Glauben von seinem patriarchalischen Missbrauch befreien und ihn spirituell rehabilitieren. Und endlich die Probleme anpacken, die unübersehbar mit Muslimen verknüpft sind — die verweigerte Gleichberechtigung der Frauen und die mangelnde Bildung der Kinder. Über vier Millionen Muslime leben in Deutschland. Viele von ihnen sind gut integriert; Religion ist Teil ihrer kulturellen Identität. Sie wollen in dieser Gesellschaft ankommen, ohne von ihrem Glauben zu lassen. Aber es ist eine schweigende Mehrheit. Lauter sind jene, die demonstrativ Zeichen der Abgrenzung gegen die „Ungläubigen“ setzen und behaupten, dabei den Gesetzen ihrer Religion zu folgen. Mit diesen islamischen Traditionalisten, die Glauben zu Politik machen und sich zugleich als Opfer der hiesigen Gesellschaft stilisieren, setzt sich Necla Kelek auseinander.
Necla Kelek wurde 1957 in Istanbul geboren und lebt in Berlin. Sie hat Volkswirtschaft und Soziologie studiert und wurde in Greifswald zum Dr. phil. promoviert. Ihre Bücher „Die fremde Braut“, „Die verlorenen Söhne“ und „Bittersüße Heimat“ haben in den letzten Jahren die Diskussion um Integration und den Islam in Deutschland nachhaltig geprägt.
Necla Kelek wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, u.a. mit dem Geschwister-Scholl-Preis 2005 und zuletzt mit dem Hildegard-von-Bingen-Preis 2009. Sie war Mitglied der Deutschen Islam Konferenz.
22. Februar 2011

Was heißt "deutsch sein" heute? Deutsche Identität zu Beginn des 21.Jahrhunderts

Prof. Dr. Peter Brandt

Die Bedeutung des Nationalstaats — wie die Bindekraft des Nationalen überhaupt — hat im letzten Drittel des 20. Jahrhunderts zweifellos abgenommen. Dennoch sind sich die meisten Analytiker einig, dass sich der Nationalstaat auch im immer weiter zusammenwachsenden Europa und in der globalisierten Welt nicht einfach auflösen wird und — trotz Massenzuwanderung und mehr und mehr multikultureller Prägung der europäischen Gesellschaften — erst recht nicht die Nation als eine Bewusstseins- und Gefühlsgemeinschaft.

Für die Deutschen bildet die Auseinandersetzung mit dem Erbe der Hitler-Diktatur heute einen festen Bestandteil des nationalen Selbstverständnisses. Allein im Negativen kann sich die deutsche Identität aber nicht erschöpfen, wenn das Land nach innen und außen zukunftsfähig bleiben soll. Der Vortrag wird die damit angedeutete komplexe Problematik in den Blick nehmen und am Ende anzudeuten versuchen, was ein demokratischer und weltbürgerlich aufgeschlossener deutscher Patriotismus heute sein könnte.

Der Referent, Prof. Dr. Peter Brandt, Professor für Neuere Geschichte an der FernUniversität in Hagen, Träger des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland, Mitglied des Kuratoriums der Bundeskanzler-Willy-Brandt-Stiftung u. v. m., zielt mit seiner Thematik auf das spezifisch Deutsche und seine Bestimmungsfaktoren, auf die ›nationale Identität‹ der Deutschen einschließlich derer, die es werden wollen.
03. Februar 2011

Forschung und Publikationen: www.fernuni-hagen.de/geschichte/lg2/

Internetmagazin: www.globkult.de/

Exit - Wohlstand ohne Wachstum

Prof. Dr. Meinhard Miegel

„Zum Wachstum verdammt“ zitierte Prof. Meinhard Miegel den scheinbar ausweglosen Ausspruch eines Managers anlässlich der Vorstellung seines Buches „Exit – Wohlstand ohne Wachstum“ im Forum ZeitFragen, einer Veranstaltungsreihe des Studienzentrums Herford mit VHS im Kreis und Bibliothek der Stadt Herford. Miegel, einem breiten Publikum bekannt durch seine Arbeit in der Bundesgeschäftsstelle der CDU, die Leitung des Instituts für Wirtschaft und Geschichte in Zusammenarbeit mit Prof. Kurt Biedenkopf in Bonn und heute als Vorstandsvorsitzender der Stiftung Denkwerk Zukunft in Berlin hat „denen, die über Tag und Tellerrand hinausschauen“ sein im März 2010 im Propyläen Verlag erschienenes Buch gewidmet, in dem er mutigen LeserInnen einen gesellschaftlichen Paradigmenwechsel voraussagt.
Hatte bereits mehr als 30 Jahre vorher der „Club of Rome“ vor den Auswirkungen grenzenlosen Wachstums gewarnt, zieht Miegel sozusagen eine weltunternehmerische Bilanz und zeigt ungeschönt den ausgebeuteten Zustand der Natur, Ressourcenknappheit bzw. –zerstörung sowie ungerechte Teilhabe daran auf und beschreibt eine deformierte Gesellschaft. Es bedürfe dringend kluger Veränderungen, wenn ein Überleben für die Natur und alle Menschen auf unserem Planeten gewährleistet sein solle.
Prof. Miegel, Sachverständiger der Enquete-Kommission „Wachstum, Wohlstand, Lebensqualität“ des Deutschen Bundestages, hält aber auch ein neues Modell von Gesellschaft für möglich, ein Modell, in dem Verantwortung übernehmende Bürger Lebensformen, Werte, Ziele und Begriffe wie Wachstum und Wohlstand neu definieren und mit zusätzlichen Inhalten füllen. Dieses muss nicht Utopie bleiben, der erwachsene Bürger kein Berufsoptimist sein, sondern ein realistisch einschätzender, pragmatisch handelnder, grundanständig denkender Mitmensch, der Empathie und Gemeinsinn sowie ein kreatives Gespür dafür entwickelt, wie er seinen Anteil an Selbstbeteiligung in sich verändernden Gesellschaften umsetzen kann.
So gesehen stellt sein Buch eine positive Ausfahrt von der Autobahn Wachstumswahnsinn in die
Zukunft vor :“Exit!“
30. November 2010

Weitere Informationen: www.denkwerkzukunft.de/

Marktgerechte Arbeitslöhne im Modell der Diskreten Mathematik

Prof. Dr. Winfried Hochstättler

Schule traf Studium im Forum ZeitFragen
Zum Auftakt des Forums ZeitFragen 2010 fanden sich auf Einladung des Studienzentrums Herford der FernUniversität in der Aula der VHS im Kreis Herford neben interessierten Bürgerinnen und Bürgern u.a. auch Schülerinnen und Schüler des Abendgymnasiums Bielefeld mit ihrem Mathematik-Lehrer ein. Das Vortragsthema von Prof. Dr. Winfried Hochstättler, FernUniversität, war „Marktgerechte Arbeitslöhne im Modell der Diskreten Mathematik“. Es bot eine gute Gelegenheit aufzuzeigen, wie Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler anhand von mathematischen Modellen – Prof. Hochstättler wies auf grundlegende Arbeiten einiger Nobelpreisträger hin – höchst wichtige Alltagsprobleme wie die der Beziehungen am Arbeitsmarkt zu erklären bzw. zu lösen versuchen.
Ausgehend vom einfachen Beispiel des Gütertauschmarktes über ein Modell von Heiratsmärkten gelang es Prof. Hochstättler aufzuzeigen, dass Merkmale des Gütermarktes nicht undifferenziert auf die Bedingungen am Arbeitsmarkt übertragen werden können und aufgrund jeweils anderer Gleichgewichtsbedingungen eine Rechtfertigung des Standpunktes „Mindestlöhne vernichten Arbeitslöhne“ nicht ohne weiteres gegeben ist.
Während sich Prof. Hochstättler mit einer Widmung im Lehrbuch eines mathematikbegeisterten Schülers von der Zuhörerschaft verabschiedete, nutzte eine weitere (berufstätige) Abendschülerin die Gelegenheit, sich über die Studiengänge der FernUniversität zu informieren: bietet diese doch die Möglichkeit, ihre absoluten Favoriten Mathematik und Literaturwissenschaft ggf. parallel im Anschlus an ihr Abitur am Abendgymasium zu studieren.
21. September 2010

Forschung: www.fernuni-hagen.de/MATHEMATIK/DMO/forschung.html

Publikationen: www.fernuni-hagen.de/MATHEMATIK/DMO/publikationen.html

Regina Klocke | 09.04.2011
Wichtige Infos
FernUni-Logo FernUniversität in Hagen, 58084 Hagen, Telefon: +49 2331 987-01, E-Mail: fernuni@fernuni-hagen.de