Regionalzentrum Karlsruhe

Veranstaltung

Italienische „Gastarbeiter“, Europa und der Südwesten. Aspekte früher europäischer Integration aus der Perspektive Baden-Württembergs

Gespräche am Tor - Karlsruher Begegnungen zu Wissenschaft, Politik und Kultur

Termin(e) Uhrzeit Leitung Ort/Raum
Mi, 21.06.2017 18:00 Prof. Dr. Heike Knortz Seminarraum BASEL

Ein Vortrag von Prof. Dr. Heike Knortz
- Im Rahmen der Heimattage Karlsruhe -

Das Agieren des Landes Baden-Württemberg, dessen Landwirte in den frühen 1950er-Jahren als erste Arbeitskräftemangel beklagten und auf ein Anwerbeabkommen mit Italien drängten, dessen Industrievertreter unter den veränderten gesamtwirtschaftlichen Bedingungen der 1970er-Jahre dann aber eine „Rotation“ der ausländischen Arbeitskräfte forderten, ist der historischen Migrationsforschung ein Beispiel für eine inhumane, an rein ökonomischen Gesichtspunkten ausgerichtete Arbeitsmarktpolitik. Im Hauptstaatsarchiv Stuttgart ausgewertete Akten erschüttern allerdings dieses, von der Forschung bisher geschürte Bild baden-württembergischer „Gastarbeiter“-Politik. Auch die systematische Sichtung der Protokolle des Landtags zeigt: Wenn das Thema „ausländische Arbeitskräfte“ auf der Agenda stand, beschäftigten sich die Landtagsabgeordneten mit deren Wohn- und Gesundheitssituation, seit Ende der 1960er-Jahre dann vor allem mit dem Schulbesuch ausländischer Kinder, deren dauerhafter Aufenthalt absehbar erschien. Die Tatsache aber, dass weder im Landtag noch im Bundestag grundlegende Debatten über die Anwerbung von ausländischen Arbeitskräften geführt wurden, verweist auf die außenpolitische Dimension der deutsch-italienischen Anwerbevereinbarung, auf den Zusammenhang von früher italienischer Arbeitsmigration und europäischer Integration. Hierüber erübrigten sich anscheinend alle Diskussionen, weil die Westbindung bereits zur Raison d’Être der jungen Bundesrepublik gehörte.

Heike Knortz, geb. 1962, ist außerplanmäßige Professorin für Wirtschaftsgeschichte am Institut für Ökonomie und ihre Didaktik der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe. Sie forscht besonders zur Wirtschaftsgeschichte des 20. Jahrhunderts mit Schwerpunkten zur Geschichte industrieller Rationalisierungen, zur Geschichte der europäischen wirtschaftlichen Integration, zur Arbeitsmigration in die Bundesrepublik Deutschland sowie zur Wirtschafts- und Sozialgeschichte der Weimarer Republik. Einen weiteren wichtigen Forschungsschwerpunkt stellt das Zeitalter des Merkantilismus dar.

Es ist keine Anmeldung erforderlich, der Eintritt ist frei.
Gespräche am Tor: Gesamtprogramm

Eine Veranstaltung im Rahmen der Heimattage Karlsruhe 2017.

Logo Heimattage 2017 Cmyk

Wichtige Infos
FernUni-Logo FernUniversität in Hagen, 58084 Hagen, Telefon: +49 2331 987-01, E-Mail: fernuni@fernuni-hagen.de