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Erfahrungsbericht eines Studierenden

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Odyssee mit Happy End: Virtueller Kolloquiumsvortrag mit Adobe Connect

Endlich ist der grosse Tag gekommen. Der Moment, wo ich nach knapp 8 Jahren nach Hagen reise, um den hoffentlich zahlreich anwesenden Angehörigen der Fakultät im Kolloquiumsvortrag meine Abschlussarbeit vorzustellen. Früh aufstehen ist angesagt, damit bei einer allfälligen Zugsverspätung – das soll ja ab und an vorkommen – noch genügend Zeit bleibt. Der Zug fährt direkt von Basel nach Hagen, kein Anschluss, bei dem etwas schief gehen könnte.

Ein kurzer Blick auf die Uhr: Es ist schon 8 Uhr. Sollten wir nicht langsam in Freiburg ankommen? «Liebe Fahrgäste. Infolge eines Erdrutsches verkehrt unser Zug aktuell mit einer Verspätung von 20 Minuten.» Aha. Egal, reicht ja locker. Etwa eine Stunde später kommen wir dann in Offenburg an. Jetzt wird's spannend: Personenunfall vor Karlsruhe. Ohne Verspätung wären wir daran vorbeigekommen, doch nun bleibt der Zug in Offenburg. Dauer: unbestimmt. Da ist's auch mit der Ruhe etwas vorbei, denn schnell wird mir klar, dass es nicht mehr reichen wird.

Virtuelle Lösung für reales Problem
Betreut werde ich von Frau Prof. Unger und Frau Dr. Hartlieb. Beide haben viel Erfahrung mit der Videokonferenz-Software Adobe Connect, denn das Lehrgebiet Algebra bietet immer wieder virtuelle Seminare oder Praktika an. Heute könnte ein Video-Kolloquium die Lösung meines Problems sein. Ich greife zum Telefon. Keiner da. Nochmal. Die Nervosität steigt langsam, denn wenn das klappen soll, muss ich in einer Viertelstunde den Gegenzug besteigen können. Mein Telefon klingelt – Frau Unger hat meine gefühlt fünfzig Anrufe in Abwesenheit gesehen und sofort geahnt, dass es ein ernsteres Problem geben muss. Wir besprechen kurz die möglichen Optionen. Das Kolloquium könnte auf den späteren Nachmittag verschoben werden. Leider geht das für mich nicht, weil ich dann nicht mehr nach Hause komme und am nächsten Tag wieder arbeite. Ich schlage ihr die Videokonferenz vor. Frau Unger überlegt kurz, ob das ein Problem mit der Prüfungsordnung geben könnte, und sagt dann spontan zu. Was für eine Erleichterung!

Zurück auf Feld eins
Mir bleiben einige Minuten, um den Bahnsteig zu wechseln. Einsteigen und los, zurück nach Hause. Glücklicherweise ist das WLAN im ICE mittlerweile gratis. So habe ich etwa eine Stunde Zeit, um das Softwareupdate von Adobe Connect einzuspielen, einen virtuellen Konferenzraum einzurichten und die Vortragsfolien hochzuladen. Sogar für einen kurzen Besuch im Bordbistro reicht es. Die Frage ist jetzt bloss noch, ob ich in Basel und später in Olten meinen Anschlusszug erreichen werde, denn auch dieser Zug hat mittlerweile eine ziemliche Verspätung. Zur Sicherheit rufe ich meine Frau an. Sie wird mich mit dem Auto abholen. So bin ich fünf Minuten vor Beginn des Vortrags wieder da, wo ich vor sieben Stunden schon war: daheim. Das Headset liegt schon auf dem Schreibtisch, hat meine Frau vorbereitet. Laptop auf, Verbindung steht, am Bildschirm erscheint Frau Hartlieb – es kann losgehen. Irgendwie ist der Vortrag der ruhigste und entspannendste Moment des ganzen bisherigen Tages, alles läuft für einmal wie geschmiert.

Von der Ausnahme zur Regel?
Eine Videokonferenz-Software, egal ob Adobe Connect oder ein anderes Produkt, ist gerade für eine Institution wie unsere FernUni eine tolle Sache. Sie ermöglicht es insbesondere den Studierenden aus dem Ausland, viel einfacher und natürlich auch günstiger an Seminaren oder Praktika teilzunehmen, und das schon seit einigen Jahren. Der Nutzen steht und fällt allerdings mit der Bereitschaft der Lehrenden, solche Technologien auch einzusetzen. Zumindest im Lehrgebiet Algebra ist diese ganz klar vorhanden. Auf jeden Fall bin ich Frau Unger sehr dankbar für ihre Flexibilität und ihr Entgegenkommen, denn das war alles andere als selbstverständlich. Aber wer weiss, vielleicht wird sich die Option des Kolloqiumsvortrags per Videokonferenz in den kommenden Jahren ja sogar zum Standard entwickeln. Der einzige Wermutstropfen an einer solchen Lösung ist, dass man seinen Betreuerinnen und Betreuern zum Abschied und zum Dank nicht die Hand schütteln kann.

Philipp Imhof

Service Schweiz | 17.01.2019
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