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Aktuelles - Januar 2007

Neue Reihe von Lesungen in der Universitätsbibliothek

Erste Veranstaltung mit Deutsch-Französischer Gesellschaft: Leviathan

Mit einer Lesung von Kriszti Kiss und Peter Schütze aus Julien Greens Roman „Leviathan“ beginnen die Bibliothek der FernUniversität in Hagen und die Deutsch-Französische Gesellschaft Hagen e.V. am Mittwoch, den 21. März 2007, eine gemeinsame Veranstaltungsreihe. Die Lesung findet statt im Ausstellungsraum der Universitätsbibliothek, Universitätsstraße 23, 58097 Hagen. Sie beginnt um 19.00 Uhr.

Julien Green, 1900 in Paris als Sohn amerikanischer Eltern geboren und 1998 dort verstorben, gilt als einer der bedeutendsten französischsprachigen Schriftsteller des 20. Jahrhunderts. In fast acht Jahrzehnten schuf er ein umfangreiches Werk, das Romane, Erzählungen, autobiographische Schriften und Dramen umfasst. Julien Greens frühe Meisterwerke, die Romane „Mont-Cinère“, „Adrienne Mesurat“ und „Leviathan“, machten ihn schon in den zwanziger Jahren weit über die Grenzen Frankreichs hinaus bekannt.

Julien Green veröffentlichte den Roman „Leviathan“ im Jahre 1929. Der Titel, der im Romantext nicht genannt wird, nimmt Bezug auf das Meeresungeheuer, das im Alten Testament die gottesfeindlichen Mächte verkörpert. Green schildert in „Leviathan“ die Schrecken, die sich hinter der Fassade bürgerlicher Normalität einer französischen Provinzstadt verbergen. Paul Guéret, ein Hauslehrer, der in freudloser Ehe lebt, begehrt Angèle, die im Restaurant ihrer Tante, Madame Londe, als Serviererin arbeitet. Angèle verweigert sich Guéret, gerade weil er sie als einziger nicht verachtet. Als Guéret erfährt, dass Madame Londe Angèle an die männlichen Gäste ihres Restaurants verkuppelt, schlägt er die junge Frau nieder und tötet auf der Flucht einen zufällig auftauchenden Passanten. Mehrere Wochen irrt er in der Umgebung umher, er taucht in Paris unter und kehrt schließlich in die kleine Stadt zurück. Nunmehr überstürzen sich die Ereignisse, die schließlich zu einem zerstörerischen Ende führen.

Der Roman „Leviathan“ verbindet wie die übrigen Werke des Dichters die Darstellung von albtraumhaften Heimsuchungen mit der eindringlichen Schilderung der Figuren und Schauplätze. Greens Gestalten leben in einer Welt der Ausweglosigkeit und Angst. Der Sog, der von seiner Dichtung ausgeht, entsteht nicht zuletzt aus einer äußerst präzisen und knappen Sprache. Julien Green, der aus einer anglikanischen Familie stammte, konvertierte als junger Mann zum Katholizismus. Einer konfessionellen Einordnung seines Werkes hat er aber mit dem Satz widersprochen, er sei Katholik und Romancier, aber kein katholischer Romancier. Seine frühen Romane enthalten keine religiösen Reflexionen, doch sind die theologischen Bezüge nicht zu übersehen. Für Green bestimmen Sünde und Leid, der Gegensatz von Körper und Geist die menschliche Existenz. In seinem Tagebuch findet sich der Satz: „Ich glaube wirklich, in allen meinen Büchern ist die tiefe Unruhe zu spüren, die ein nichtreligiöser Mensch kaum je erlebt haben dürfte.“

Georg Schirmers, UB | 30.01.2007
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