Rubriken

Aktuelles - Oktober 2008

„Einzug einer neuen Streitkultur“ zentrales Thema des Münchener Mediatoren-Symposions

Prominente Unterstützung – Drei Preise vergeben

Filmbeitrag zum Münchner Mediatoren-Symposium

Film zum Münchner Mediatoren-Symposium

RealMedia [39,8 MB/09:51 min]

WMV [40,1 MB/09:51 min]

Prominente Unterstützung hat die Lösung von Konflikten außerhalb von Gerichten auf dem Symposion des Contarini-Instituts der FernUniversität in Hagen und der Deutschen Gesellschaft für Mediation am 17. Oktober in München gefunden. Nach der erfolgreichen Feier zur Vergabe des Stipendiums Mediation in Berlin im Vorjahr gab es nicht nur eine Neuauflage der Stipendienveranstaltung, sondern ein eintägiges Mediations-Symposion. Es war aktuellen wissenschaftlichen Fragen zur Mediation gewidmet. Rund 220 Mediatoren aus ganz Deutschland kamen zu diesem Treffen, um vor allem über die Zukunft der Mediation und ihre Professionalisierung zu diskutieren.

Zum zweiten Mal vergab das Contarini-Institut gemeinsam mit der Deutschen Gesellschaft für Mediation ein Ausbildungsstipendium. Thema der diesjährigen Ausschreibung war „Mediation in der Familie, Schule und Nachbarschaft“. Willkommen waren besonders Projektideen, die interkulturelle Aspekte berücksichtigen. Im Rahmen einer Feierstunde wurden die besten Projektideen präsentiert und der Stipendien- und die Förderpreisträger ausgezeichnet.

Ein Stipendium für das weiterbildende Studium Mediation erhielt Christian Spies aus Düsseldorf. Er hatte sich mit dem Thema „Institutionelle Kinder- und Jugendmediation“ befasst. Mit Förderpreisen – je einer Teilnahme an dem neuen Programm „Mediation Kompakt“ – wurden ausgezeichnet Daniel Bertels aus Münster für „Streitschlichtung und Mediation an Förderschulen in Münster“ und Mildred Girndt aus Jena für „Interkulturelle Mediation im Städtedreieck Jena – Halle – Leipzig“.

Schirmherr der Veranstaltung war Bayerns Staatsminister für Wissenschaft, Forschung und Kunst Dr. Thomas Goppel. Begrüßt wurden die Teilnehmenden auch von I.H. Dr. Gabriele Inaara Begum Aga Khan und der Vorsitzenden des Zentralrats der Juden in Deutschland Charlotte Knobloch., die neben dem FDP-Fraktionsvorsitzenden Dr. Guido Westerwelle, Prof. Dr. Katharina Gräfin von Schlieffen und Prof. Dr. Fritjof Haft Mitglieder der Jury waren.

Dr. Gabriele Inaara Begum Aga Khan sprach sich dafür aus, mehr als bisher von dieser Form der Konfliktlösung Gebrauch zu machen. Gerade in Zeiten, in denen es üblich sei, auch bei kleinsten Streitigkeiten Gerichte anzurufen, biete sich Mediation als ein Verfahren an, bei dem nicht eine der beiden streitenden Parteien Recht bekomme und die andere in der Regel unzufrieden sei, unterstrich die Begum. Vielmehr sorge der Mediator dafür, dass eine für alle befriedigende einvernehmliche Lösung gefunden und gegenseitiger Respekt gewahrt werde.

Ähnlich äußerte sich die Vorsitzende des Zentralrats Charlotte Knobloch: Die Mediation erfülle die Forderungen unserer Zeit, weil sie die Grundlagen dafür schaffe, dass Menschen – auch unterschiedlicher Kulturen – untereinander Frieden schließen. Es gebe zahlreiche Gerichte, doch kein Anwalt und kein Richter sei in der Lage, sich derart in die Situation der Streitenden zu versetzen, wie es ein Mediator könne. Der Mediation als Mittel der außer- oder vorgerichtlichen Streitschlichtung gehöre die Zukunft. Deshalb sei sie vorbehaltlos zu unterstützen.

Für die beiden großen Themengebiete des Symposions „Professionalisierung“ und „Der Mediator im Amt – Staat ohne Recht?“ konnten renommierte Referentinnen und Referenten gewonnen werden, u.a. der ehemalige Präsident des Verwaltungsgerichts Freiburg Prof. Dr. Joachim von Bargen, Prof. Dr. Horst Eidenmüller, Prof. Dr. Reinhard Greger, der ehemalige Vizepräsident des Bundesverfassungsgerichts Prof. Dr. Winfried Hassemer, Prof. Dr. Dr. h.c. Heike Jung, die Justizministerin des Landes Nordrhein-Westfalen Roswitha Müller-Piepenkötter, Prof. Dr. Martin Morlok, Staatssekretär des Niedersächsische Justizministeriums Dr. Jürgen Oehlerking, Prof. Dr. Karsten Michael Ortloff, der ehemalige Präsident des Thüringer Oberverwaltungsgerichts Prof. Dr. Hans-Joachim Strauch sowie Prof. Dr. Thomas Trenczek, M.A., Mediator (S.C.Qld., BMJ, Wien).

Nach Angaben der Direktorin des Hagener Contarini-Instituts für Mediation, Prof. Dr. Katharina Gräfin von Schlieffen, hat Mediation in den vergangenen Jahren vorwiegend bei der Konfliktlösung im familiären Bereich, bei Scheidungen, bei Nachbarschaftsstreitigkeiten oder bei Erbschaftsauseinandersetzungen an Bedeutung gewonnen. Zudem sind Mediatoren zunehmend in Umweltfragen, in der Wirtschaft, so bei Insolvenzen, und im Arbeitsleben gefragt.

Derzeit gibt es in Deutschland rund 6.000 niedergelassene und ehrenamtliche Mediatoren. Untersuchungen zeigen, dass zwischen 75 und 80 Prozent der Mediationsverfahren erfolgreich abgeschlossen werden können. Dass Mediation als ein Zukunftsmodell vorgerichtlicher Einigung betrachtet wird, zeigt auch die Tatsache, dass einige Rechtsschutzversicherer sich inzwischen bereit erklärt haben, die Kosten einer außergerichtlichen Mediation zu übernehmen. Nach Überzeugung von Gräfin Schlieffen tragen gerade Vereinigungen wie die Deutsche Gesellschaft für Mediation dazu bei, dass in Deutschland eine neue Streitkultur Einzug hält.

Die Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland Charlotte Knobloch, I.H. Dr. iur. Gabriele Inaara Begum Aga Khan, Stipendienpreisträger Christian Spies, die Förderpreisträger Mildred Girndt und Daniel Bertels und Prof. Dr. iur. Katharina Gräfin von Schlieffen (v. li.) freuten sich gemeinsam
Gerd Dapprich | 21.10.2008
FernUni-Logo FernUniversität in Hagen, 58084 Hagen, Telefon: +49 2331 987-01, E-Mail: fernuni@fernuni-hagen.de