„Ich habe gleich mit dem Pfeiferauchen angefangen, ohne den Umweg über Zigaretten.“ Was Georg Hansen macht, macht er konsequent. Nicht nur, dass er („Ich habe die 50 Jahre noch nicht voll“) nicht mit dem Rauchen aufhört: „Man muss ja an typischen Gewohnheiten festhalten.“ Und das sind nicht nur die Pfeifenreiniger, die immer aus seiner Brusttasche lugen. Am 15. April wird Prof. Dr. Georg Hansen, Leiter des Lehrgebiets Interkulturelle Erziehungswissenschaft, 65. Genau zehn Tage später wird er 20 Jahre lang an der FernUniversität in Hagen tätig sein.
Typisch: Prof. Georg Hansen mit Pfeife – ein Friedenssymbol ist sie allerdings nicht unbedingt
In seinem näher rückenden Ruhestand wird er ebenfalls an Gewohnheiten festhalten: Fahrradtouren (mit Gepäck) und ausgedehnte Paddelbootfahrten. Und ab und zu Wahrheiten von sich geben, „die keiner hören will, die aber etwas bewirken sollen!“ Eine Einstellung, mit der man sich nicht nur Freunde macht, die der überzeugte „Alt-68iger“ lebt, der „den Mainstream meistens als ziemlich langweilig“ empfindet. Seit 40 Jahren folgt Georg Hansen dem Grundsatz „Wenn alle das Gleiche glauben, muss der Sozialwissenschaftler fragen, ob das denn wirklich richtig ist. “
Viele seiner Studentinnen und Studenten haben es nach seiner Überzeugung als sehr lehrreich empfunden, auf diesem Wege ihre eigenen Perspektiven zu finden, wenn sie Alternativen zum Mainstream kennenlernten. Und er selbst? „So lange ich nicht von allen gelobt werde, weiß ich, dass ich nichts falsch gemacht habe“, schmunzelt er.
Insofern kam ihm, dem Lehrenden, zugute, dass „wir hier Studierende mit Lebenserfahrung haben, die nicht wie Abiturientinnen und Abiturienten glauben, schon alles zu wissen, die neugieriger sind“. Die aber auch dem Professor mehr Widerstand leisten, weil sie nicht einfach alles ungeprüft übernehmen: „Wir Lehrenden werden hier nicht unterfordert, deshalb macht mir die Lehre hier auch so viel Spaß. Das wird mir fehlen.“ Auch nicht die Intensität, in der man in einem geblockten Präsenzseminar zusammen an einem Thema arbeitet – hier wird die höhere Motivation der Fernstudentinnen und -studenten, die sich oft extra Urlaub nehmen müssen, viel deutlicher als in „zwei Salamistunden“ an einer Präsenzuni.
So wundert es nicht, dass Hansen, der vor fast 20 Jahren durchaus skeptisch nach Hagen kam, schon nach wenigen Jahren für sich entschied: „Ich bewerbe mich nicht wieder weg!“ Dazu trug auch „den Zwang zur Verschriftlichung bei – ich empfand ihn als sehr positiv.“
Gleiches gilt für die Inhalte seiner wissenschaftlichen Arbeit: „Wir konnten hier ein viel breiteres, einzigartiges Feld von interkulturellen Themen bearbeiten als an jeder anderen Universität. Ganze Kohorten von Studentinnen und Studenten konnten sich von den Scheuklappen nationalistischen Denkens befreien.“ Ein Pfund, mit dem die FernUniversität weiter wuchern sollte, hofft Hansen. Aber ob dafür die Ressourcen bleiben? Der Betreuungsaufwand in den neuen Studiengängen sei viel höher als im auslaufenden Magister, die Arbeit stärker verdichtet. So bliebe auch weniger Zeit für „Extras“ wie das Einwerben von Drittmitteln, wenn man die Studierenden anständig betreuen wolle. Bedauerlich sei auch, dass die fremdsprachigen Lesekurse des Lehrgebiets sich nicht durchgesetzt hätten: „In der FernUniversität genügt es für fremdsprachigen Unterricht, dass die Texte gelesen werden können.“ Die Möglichkeit, wissenschaftliche Text in einer fremden, aber der deutschen verwandten Sprache wie dem Niederländischen verstehen zu können, ohne diese zu beherrschen, sei eine ganz andere Form der Internationalisierung als die heutige Anglisierung und „würde gut zur Masterstruktur passen“.
Insofern ist die Bilanz, die Georg Hansen im Hinblick auf seine bevorstehende Pensionierung zieht, durchaus gemischt. Aber keineswegs negativ. Und so wird er „nicht im Zorn, sondern gerne“ von Bremen aus nach Hagen blicken. Aber auch mit einem Stück kritisch-konstruktiver Distanz.
FernUniversität in Hagen, 58084 Hagen, Telefon: +49 2331 987-01, E-Mail: fernuni@fernuni-hagen.de