„Unsere Studienbriefe hätten unglaublich viele leere Seiten, würden die Beiträge der jüdischen Mathematikerinnen und Mathematiker daraus gelöscht“, betonte Prof. Dr. Werner Kirsch von der Fakultät für Mathematik und Informatik der FernUniversität in Hagen bei der Eröffnung der Ausstellung „Jüdische Mathematiker in der deutschsprachigen akademischen Kultur“. Gemeinsam mit seiner Kollegin Prof. Dr. Luise Unger hat Kirsch die Wanderausstellung nach Hagen geholt. Mitveranstalter ist die Jüdische Gemeinde Hagen.
Prof. Dr. Erhard Scholz von der Universität Wuppertal ging in seinem Vortrag unter anderem auf die Lebenswege und Schicksale bedeutender jüdischer Mathematikerinnen und Mathematiker ein.
Rund 80 Gäste kamen zur Eröffnung in den Veranstaltungsraum der Universitätsbibliothek (UB), in dem die Ausstellung noch bis zum 19. November zu sehen ist. „Die hier gezeigten Werke sind wichtige Teile unseres nationalen Gedächtnisses“, betonte UB-Leiterin Karin Michalke. Für Studierende und alle Interessierten, die nicht nach Hagen kommen können, hat die Universitätsbibliothek in Zusammenarbeit mit dem Zentrum für Medien und IT der FernUni eine Webseite zur Ausstellung mit Filmen, einem Podcast, Fotos und weiteren Informationen erstellt.
„Die Geschichten, die die Ausstellung erzählt, kommen uns allen bekannt vor“, sagte Eva Feldheim von der jüdischen Gemeinde stellvertretend für deren Mitglieder.
In seinem umfassenden und eindrucksvollen Vortrag „Von der Integration zur Ausgrenzung: Jüdische Mathematiker in Deutschland im 19. und frühen 20. Jahrhundert“ ging Prof. Dr. Erhard Scholz von der Universität Wuppertal unter anderem auf die Lebenswege und Schicksale bedeutender jüdischer Mathematikerinnen und Mathematiker wie Hans Hahn, Edmund Landau und Emmy Noether ein. Scholz zeigte in einer Zeitreise ab 1789 Beispiele dafür auf, wie sich der Antisemitismus schon lange vor der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 äußerte. „Über Jahrhunderte wurden jüdische Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus politischen und religiösen Gründen verfolgt und diskriminiert.“
Jörg Dehm, neuer Oberbürgermeister der Stadt Hagen freute sich, seinen ersten FernUni-Besuch im neuen Amt mit der Eröffnung der Ausstellung "Jüdische Mathematiker in der deutschsprachigen akademischen Kultur" verbinden zu können.
„Leistung allein genügt nicht, man muss auch jemanden finden, der sie anerkennt“, hatte FernUni-Rektor Prof. Dr.-Ing. Helmut Hoyer den Politologen Lothar Schmidt in seinem Grußwort zuvor zitiert. Hoyer wies damit auf eine Hauptintention der Ausstellung hin. Sie zeigt anhand zahlreicher Lebensläufe und Werke eindrucksvoll, welche Leistungen jüdische Mathematikerinnen und Mathematiker seit jeher erbracht haben. Gleichzeitig verdeutlicht sie, in welch´ großem Ausmaß Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit dazu führten, dass diese eindrucksvollen Arbeiten diskreditiert wurden.
„Vielleicht kann diese Ausstellung eine Form der Würdigung sein, wenn auch eine sehr späte.“ Hoyers besonderer Dank galt neben seinen Kollegen Prof. Werner Kirsch und Prof. Luise Unger besonders den Vertretern der jüdischen Gemeinde in Hagen für die gemeinsame Vorbereitung und Organisation der Ausstellung: „Die FernUniversität würde es als großen Gewinn ansehen, wenn wir diese Zusammenarbeit in Zukunft intensivieren.“
„Die Geschichten, die die Ausstellung erzählt, kommen uns allen bekannt vor“, sagte Eva Feldheim von der jüdischen Gemeinde stellvertretend für deren Mitglieder, „fast jeder von uns blickt auf ähnliche Erfahrungen in Hinblick auf Marginalisierung und Ausgrenzung zurück. Wir sind sehr dankbar für diese Ausstellung, die durch Erinnerung ein wenig Gerechtigkeit schafft.“
Daran anschließend erinnerte Prof. Dr. Rutger Verbeek, Dekan der Fakultät für Mathematik und Informatik, beispielhaft an das Schicksal des jüdischen Mathematikers Felix Hausdorff, der unter anderem als Mitbegründer der allgemeine Topologie und Mengenlehre gilt. Hausdorff und seine Familie töteten sich – um dem Vernichtungslager zu entgehen – im Jahr 1942 selbst.
Die Ausstellung sei auf der einen Seite wichtige Mahnung, sie ermögliche auf der anderen Seite auch Nicht-Fachleuten ein tieferes Verständnis für Mathematik zu entwickeln, betonte Jörg Dehm. Der neue Oberbürgermeister der Stadt Hagen freute sich, seinen ersten FernUni-Besuch im neuen Amt mit dieser wichtigen Veranstaltung verbinden zu können. Dehm unterstrich, dass die jüdische Gemeinde in Hagen eine wichtige und feste Institution sei. Außerdem betonte er die bedeutende Rolle, die die FernUniversität für die Region spielt. „Gerne wollen wir die schon bestehenden Kooperationen zwischen der Stadt Hagen und der FernUni ausbauen.“
Download
FernUniversität in Hagen, 58084 Hagen, Telefon: +49 2331 987-01, E-Mail: fernuni@fernuni-hagen.de