Es sind die Kleinigkeiten, an denen Zachary Lain und Sydney Behrens merken, dass sie nicht in den USA sind: „Hier ist weniger Eis in den Getränken, es gibt weniger Klimaanlagen und Ihr habt kleinere Autos.“ Die beiden sind Austauschstudenten aus Little Rock, Arkansas. Im Rahmen des von der EU und dem US-amerikanischen Bildungsministerium geförderten transatlantischen Projekts „International Cooperation in Ambient Computing Education“ (ICACE) können sie zwei Monate an der FernUniversität in Hagen verbringen. Gerade wieder in Hagen angekommen ist Birgit Ianniello, Informatik-Studentin und studentische Mitarbeiterin im Lehrgebiet Multimedia und Internetanwendungen der FernUniversität. Bis vor Kurzem war sie als Austauschstudentin für ein Semester in San Diego.
Prof. Dr.-Ing. Bernd Krämer, Birgit Ianniello, Sydney Behrens und Zachary Lain
Für den 19-Jährigen Zachary Lain und den 20-Jährigen Sydney Behrens ist der Aufenthalt in Hagen eine vollkommen neue Erfahrung: „Hier sind gar keine Studierenden auf dem Campus“, berichtet Lain und Behrens ergänzt: „Es ist schön, mal ein eigenes Büro zu haben.“ In den USA studieren die beiden an der University of Arkansas at Little Rock, einer Präsenzuniversität. Das System des Fernstudiums ist für sie eine neue Erfahrung. In Little Rock sind sie in Computer Science beziehungsweise Mathematik und Ingenieurswesen eingeschrieben. Ihr Studium haben sie gerade erst begonnen, daher auch die Freude über das eigene Büro.
An der FernUniversität arbeiten sie vom 1. Juni bis zum 1. August an einem eigenen Forschungsprojekt im Lehrgebiet Datenverarbeitungstechnik von Prof. Dr.-Ing. Bernd Krämer. Sie müssen eine Fallstudie bearbeiten und am Ende ihres Aufenthalts die Ergebnisse vortragen. „Das ist für die beiden eine Herausforderung, da sie ja gerade erst mit dem Studium angefangen haben. Sie können hier eine Menge lernen“, erklärt Prof. Krämer. Eine Möglichkeit, die die beiden jungen Amerikaner gerne nutzen: „Das sind super Referenzen, wenn wir uns später einmal bewerben. Und auch die Auslandserfahrung hilft uns dabei weiter.“
Während ihres Deutschland-Aufenthalts wohnen die beiden in einer Wohnung unweit des Hagener Campus. Auch wenn sie kaum bis gar kein Deutsch sprechen, nutzen sie ihre Freizeit, um Deutschland besser kennenzulernen. „Wir sind viel in Hagen unterwegs und waren auch schon in Schweinfurt. Dort ist mein Bruder am US-Army-Stützpunkt stationiert. Außerdem möchten wir gerne noch nach Berlin, bevor es wieder nach Hause geht“, berichtet Behrens.
Der kulturelle Erfahrungsgewinn ist bei dem ICACE-Programm sehr wichtig. Je drei Universitäten aus Europa und den USA kooperieren im Bereich Informatik miteinander und ermöglichen den Studierenden Auslandssemester. Prof. Krämer hatte insgesamt 40.000 Euro zur Verfügung, um acht Studierende der FernUniversität bei ihren USA-Aufenthalten mit jeweils 5.000 Euro zu unterstützen. „Das Geld ist jetzt so gut wie verbraucht. Sieben Studierende haben wir bereits in die USA geschickt. Eine weitere wird im nächsten Frühjahr gehen“, erklärt Krämer.
Birgit Ianniello bereitet im Rahmen ihres Studiums ein Filmset vor
Eine der sieben Studierenden ist Birgit Ianniello. Die 44-Jährige war vom 18. Januar bis zum 1. Juni in San Diego. Bereits im Mai 2009 war sie auf das ICACE-Programm aufmerksam geworden und hatte sich nach kurzem Zögern zur Teilnahme entschlossen. „Die Idee fand ich sehr reizvoll, aber ich wollte erst nicht. Weil das Programm jedoch bald ausläuft, habe ich mich doch dazu entschieden.“
Die Voraussetzungen für ein Studium in den USA sind nach ihrer Erfahrung wesentlich härter als in Deutschland. Zunächst musste Ianniello den TOEFL-Sprachtest bestehen und ein Visum beantragen. Außerdem musste sie zusagen, während ihres Aufenthalts mindesten vier Kurse zu absolvieren. Da das Informatik-Angebot in San Diego sie nicht ansprach, entschied sie sich kurzerhand dazu, Kurse aus ihrem Nebenfach TFM (Theater, Film, Media) zu belegen. „Da war ich in Kalifornien natürlich an der richtigen Adresse. Ich bin zum Beispiel in Hollywood gewesen, um meine Filme entwickeln zu lassen.“
Gewohnt hat Ianniello in einem Zimmer zur Untermiete. Ihre Vermieterin war für sie ein wahrer Glücksgriff. Sie haben sich angefreundet und viel miteinander unternommen. Wenn sie in San Diego unterwegs war, dann hauptsächlich mit dem Fahrrad. „Das ist günstiger. Ich wollte schließlich gerne mit den 5.000 Euro aus dem Stipendium auskommen.“ Gutes Fahrrad-Wetter hatte sie jedoch nicht: „Es hat die meiste Zeit geregnet und war um die 10 Grad. Eigentlich wollte ich doch gerne einmal surfen gehen, aber der Pazifik war viel zu kalt.“
Mittlerweile ist Ianniello wieder in Hagen. Ihren USA-Aufenthalt sieht sie insgesamt als positive Erfahrung, äußert jedoch auch Kritik: „Lokale Studierende werden bei den Kursen bevorzugt. Austauschstudierenden kann es passieren, dass sie ihre Wunschkurse aus Kapazitätsgründen gar nicht belegen können. Das müsste sich auf jeden Fall ändern. Außerdem wollte ich gerne auf dem Campus leben. Das war mir aufgrund meines Alters jedoch nicht erlaubt.“ Das Fazit der beiden jungen Amerikaner Behrens und Lain hingegen fällt durchgehend positiv aus.
FernUniversität in Hagen, 58084 Hagen, Telefon: +49 2331 987-01, E-Mail: fernuni@fernuni-hagen.de