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Aktuelles - August 2011

Geschichte hautnah: FernUni-Studierende auf Sizilien

Zweiwöchige Exkursion des Lehrgebiets Geschichte und Gegenwart Alteuropas

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"Studieren wo es am Schönsten ist" lautet der Slogan der FernUniversität Hagen. Meine Kommilitonen und ich, Studenten der Kulturwissenschaften, durften dies im Schnittpunkt der Kulturen auf unserer Sizilien-Exkursion vom 2. bis 15. Mai real erfahren. Geleitet wurde die Exkursion von Prof. Dr. Felicitas Schmieder, Lehrgebiet Geschichte und Gegenwart Alteuropas.

Dass eine Exkursion kein Urlaub ist, sondern eine intensive gemeinsame Erarbeitung von geschichtswissenschaftlichen Themen der Antike und des Mittelalters, war jedem spätestens nach dem Vorbereitungsseminar in Hagen klar. Vor Ort haben wir die ersten Referate gehalten. Mithilfe der Handouts der Teilnehmenden, die in Moodle eingestellt wurden, konnte sich jeder auch auf die Themen der anderen intensiv vorbereiten. Hoch motiviert und gespannt auf viele neue Erfahrungen sind wir mit unseren Referaten und Handouts im Gepäck am 2. Mai nach Sizilien gereist. Die Vorfreude galt aber auch der Aussicht zwei Wochen nur unter Fernstudenten zu sein, persönliche Kontakte aufzufrischen oder neu zu knüpfen, zwei Wochen 'fachsimpeln' ohne dass man sich erklären muss.

Das antike Odeon in Catania Das antike Odeon in Catania, das in der Antike für öffentliche Aufführungen mit etwa 1500 Plätzen genutzt wurde

Catania: Odeon und Römisches Theater

In Catania folgten wir den geschichtswissenschaftlichen Spuren der Antike und des Mittelalters. Wir besichtigten das antike Odeon, ein halbrundes Gebäude, das für öffentliche Aufführungen mit etwa 1500 Plätzen genutzt wurde und das direkt nebenan liegende Römische Theater. Bei einem Durchmesser von ungefähr 87 Metern bietet es 7000 Sitzplätze aus Kalkstein.

Direkt vor Ort referierte eine Kommilitonin über den geschichtlichen Kontext. Anschließende Austauschmöglichkeiten und Erläuterungen der Lehrenden und rundeten das Ganze perfekt ab. Auf diese Weise erarbeiteten wir uns alle Stationen der Exkursion auf Sizilien.

Von Augusta nach Syrakus…

Die Reiseroute führte uns dann über Augusta nach Syrakus mit der dazugehörigen Insel Ortigia. Allein hier könnte man viel zu der griechischen Expansion, dem athenischen Krieg, der karthagischen Gefahr, der römischen Herrschaft, dem arabischen Mittelalter sowie über die Zeit der Normannen und Staufer berichten. Der Grundtenor: Insel im Schnittpunkt der Kulturen, mit islamischen, byzantinischen, romanischen und vielen anderen Einflüssen mehr. Hiervon zeugen zum Beispiel der dorische Tempel des Apoll oder die Säulen der Athene, die durch Transformation in eine christliche Kirche erhalten blieben. Bezeugungen des frühen Christentums bilden die Katakomben mit einer Vielzahl an Grabnischen und Sarkophagen. Die zusätzlichen Besuche in diverse Museen boten eine weitere Möglichkeit zur Erforschung der Vergangenheit.

…über das Tal Anapo nach Agrigent

Weiter ging es über das Tal Anapo, in dem sich mehrere tausend in Kalkstein gehämmerte Gräber befinden, die Nekropole der antiken Hybia. Der nächste Zwischenstopp war die Stadt Enna, die zunächst römisch, später arabisch und dann von den Normannen eingenommen wurde. Den Kern bildet das Schloß Lombardia, dessen Bau Byzantiner begannen, Normannen, Staufer und Aragonier zu Ende führten. Es ist die größte defensive Befestigungsanlage Siziliens, die von Friedrich II. begründet wurde. Endziel des Tages war Agrigent mit seinem Tal der Tempel, den ersten Eindruck davon bekamen wir mit einer abendlichen Illumination. Am nächsten Tag liefen wir durch das meist schattenlose Tal und freuten uns, niemandem erklären zu müssen, warum eine Fernstudenten-Gruppe in der prallen Sonne von einem Tempel zum anderen läuft und daran noch Spaß hat.

Selinunt: Eine der größten archäologischen Ausgrabungsstätten in Europa

Der nächste Exkursionsort war Mazara del Vallo, bekannt mit seinem berühmten 'Tanzenden Satyr', dem Dom und der normannischen Kirche San Nicolò Regale, in dessen Nähe sich ein arabisches Viertel befindet.

Nicht weit von Mazara befindet sich Selinunt, eine der größten archäologischen Ausgrabungsstätten in Europa. Dessen antike Überreste sind unter anderem mit der Akropolis, den Tempeln und dem Malophoros-Heiligtum zu besichtigen. In einem nahegelegenen Steinbruch bekamen wir einen Eindruck über den Abbau und Transport der riesigen Steinquader im zeitgenössischen Kontext. Den Abschluss bildete die Besichtigung einer Kirche im normannisch-islamischen Stil.

Die Etappe am nächsten Tag führte über Marsala mit Museum und Ausgrabungen, dann zur Insel Mozia auf den Spuren der Phönizier. Erice war die letzte Etappe vor dem Tagesendziel Palermo. Dem Mythos nach wurde die Stadt von Eryx (Erice), dem Sohn von Venus und des Blutes gegründet und beherbergte einen Tempel für Priesterinnen. Sie wurde zu einem der wichtigsten religiösen Zentren Siziliens. Bis 260 v. Chr. war Erice karthagische Kolonie, wurde später zu römischen Gebiet, musste sich der arabischen Herrschaft beugen und blühte unter der Herrschaft Roger II. wieder auf.

Piazza Armerina: UNESCO-Weltkulturerbe „Villa Romana del Casale“

Palermo war mit dem Normannenpalast, der Capella Palatina, der Kirche Martorana, dem Dom und den anderen vielfältigen historischen Bauwerken mit seinen arabischen, normannischen, romanischen und byzantinischen Elementen eine der umfangreichsten Stationen der Exkursion. In der Krypta konnte man glückliche, vor Sarkophagen kniende inschriftenlesende Lehrende beobachten, die sich mit Hingabe über jedes entschlüsselte lateinische Wort freuten. Ebenso das nahegelegene Monreale mit seinem Dom als Meisterwerk normannischer Architektur. Allein der Dom bietet eine Fülle an geschichtswissenschaftlichen Sujets.

Über Cefalù ging es dann weiter nach Piazza Armerina. Dort haben wir die griechischen Ausgrabungen in Morgantina unter dem Aspekt der Wohnkultur inspiziert. Das letzte Referat führte uns zur Villa Romana del Casale, die zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt wurde, da sie Mosaiken des anbrechenden Christentums und des untergehenden Heidentums aufweist. Danach schlossen wir die Exkursion im Hotel mit einem gemeinsamen Abendessen ab, die Dank intensiver und arbeitsreicher Vorbereitung der Verantwortlichen ein lehrreiches, interessantes, abenteuerliches und unvergessliches "Studieren wo es am Schönsten ist", wurde.

Von meiner Seite auf diesem Wege ein herzliches Dankeschön an alle Beteiligten!

Christiane Reis

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Christiane Reis, 49 Jahre, studiert Kulturwissenschaften mit dem Fachschwerpunkt Geschichte an der FernUniversität in Hagen.

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