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Aktuelles - November 2011

„Wo keine Frauen sind, kann man auch keine fördern“

Stefanie Geisbusch, FernUni-Absolventin im Fach Elektrotechnik, im Interview mit der FernUni-Pressestelle

Grundsätzlich teilt FernUni-Absolventin Stefanie Geisbusch Forderungen aus der Politik nach mehr Frauen in Führungspositionen in deutschen Unternehmen. Die Elektroingenieurin und fünffache Mutter sieht dabei aber ein grundsätzliches Problem. Darüber, über ihr Studium an der FernUniversität und ihre Karriere als Elektroingenieurin erzählt sie im Gespräch mit der FernUni-Pressestelle.

Frage: Frau Geisbusch, wo sehen Sie ein Problem bei der Durchsetzung der Frauenquote?

Stefanie Geisbusch: Ein Problem sehe ich eindeutig im mathematisch-technischen Bereich, denn hier gibt es für Führungspositionen einfach nicht genug qualifizierte Frauen. Um es provokant zu formulieren: Wo keine Frauen sind, kann man auch keine fördern!

Stefanie Geisbusch hat schon in vielen Bildungsprojekten für Schulen mitgearbeitet Stefanie Geisbusch hat schon in vielen Bildungsprojekten für Schulen mitgearbeitet

Frage: Wie kann dieses Defizit behoben werden?

Stefanie Geisbusch: Mädchen müssen frühzeitig – spätestens in der Schule – für mathematisch-technische Fächer begeistert werden. Eine „Das-kann-ich-sowieso-nicht“-Haltung dürfen sie gar nicht erst annehmen. Mein Vorschlag sind geschlechtsgetrennte Unterrichtsstunden. Ich habe durch die Mitarbeit in verschiedenen Bildungsprojekten festgestellt, dass Mädchen anders lernen als Jungs. Sie wollen genau wissen, warum und wie und nicht nur dass etwas funktioniert. Konkrete Erfahrungen konnte ich im Projekt „Schülerinnen forschen“ des Landes Baden-Württemberg sammeln. Dabei habe ich sehr oft erlebt, dass Mädchen Spaß an Mathematik und Technik hatten, wenn sich der Aha-Effekt eingestellt hat. Aber dieser Effekt darf eben nicht singulär bleiben, sondern muss sich permanent wiederholen.

Frage: Wann haben Sie selbst denn ihre Leidenschaft für diese Fächer entdeckt?

Stefanie Geisbusch: Ich war in allen Schulfächern gleich gut und hatte im Gymnasium Mathe und Physik als Leistungskurse belegt, weil sie am meisten Spaß machten. Die logische Folgerung war, in diesem Bereich auch beruflich tätig zu werden. Mein Vater hat meine Entscheidung sicherlich gefördert, indem er gesagt hat „im technischen Bereich findet man immer einen Job“.

Frage: Sie haben zunächst an einer Fachhochschule Technische Informatik studiert, nach einigen Semestern aber an die FernUniversität in Hagen gewechselt. Warum?

Stefanie Geisbusch: Weil mein ältester Sohn zur Welt kam und ein Präsenzstudium mit Kind nicht zu stemmen war. Mein Mann war beruflich viel unterwegs und eine Kinderbetreuung hatte ich nicht. Vorlesungen und Seminare mit einem Säugling zu besuchen, war unmöglich. Dass ich deshalb nicht mit dem Studium weitermachen konnte, hat mich sehr gewurmt. Eine Anzeige in der Zeitung hat mich auf die FernUniversität in Hagen aufmerksam gemacht. Das war meine Chance, doch noch meinen Abschluss zu bekommen! Ich muss sagen, ich finde die FernUni genial. Wer sich selbst gut organisieren kann, ist hier bestens aufgehoben. Zur Elektrotechnik habe ich gewechselt, weil es das Studium an der Technischen Informatik an der FernUniversität nicht gab. Elektrotechnik kam dem aber am nächsten.

Frage: Sie haben drei Ihrer fünf Kinder während Ihrer Studienzeit bekommen. Wie haben Sie nebenbei noch Ihr Fernstudium organisiert?

Stefanie Geisbusch: Das war manchmal ganz schön schwer. Ich habe an den Wochenenden und nachts gelernt, wenn die Kinder geschlafen haben. In einem Studienzentrum war ich erst zu meiner Abschlussfeier, mein Studium selbst hat ausschließlich zu Hause stattgefunden, weil ich ja nicht weg konnte. Meine Noten wurden auch erst gut, nachdem ich vormittags alle Kinder in der Schule oder im Kindergarten untergebracht hatte und auch tagsüber lernen konnte.

Frage: Ihr Diplom I haben Sie 1994 gemacht, 2001 folgte das Diplom II. Was kam danach?

Stefanie Geisbusch: Ich hatte zunächst ein eigenes Ingenieur-Büro und habe die Software für ein Funkfernschließsystem entwickelt. Dann habe ich bei der Firma Bosch in Reutlingen in der Sensorfertigung Software für Testsysteme geschrieben. Später hatte ich einen Lehrauftrag an der FH Kiel, an der ich Vorlesungen in Grundlagen der Elektrotechnik speziell für Frauen gehalten habe. Danach war ich zeitlich befristet als Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Standort Künzelsau der Hochschule Heilbronn tätig. Anschließend folgte eine Tätigkeit als Entwicklungsingenieurin in einer mittelständischen Firma, bis ich das Angebot erhielt, ein Bildungsprojekt zur Förderung des naturwissenschaftlich-technischen Nachwuchses in Hohenlohe zu leiten. Seit September 2011 bin ich als wissenschaftliche Lehrerin an der Gewerblichen Schule in Künzelsau tätig.

Frage: Wieso sollten Ihrer Meinung nach mehr Frauen in der Elektrotechnik arbeiten? Was haben Sie im Blick, worüber Männer eher hinwegsehen?

Stefanie Geisbusch: Sie denken anwendungsbezogener als Männer. Ein Beispiel sind Bedienungsanleitungen. Frauen legen Wert darauf, dass sie für den Laien in hohem Maß verständlich sind, so dass er ein technisches Gerät auch ohne Probleme bedienen kann.

Frage: Sie haben selbst zwei Töchter. Sind die beiden auch technisch interessiert?

Stefanie Geisbusch: Meine Mädchen habe ich immer mitgenommen, wenn ich innerhalb meiner Bildungsprojekte Termine in Schulen hatte. So haben sie erst gar keine Berührungsängste mit Technik und Mathematik entwickelt. Im Gegenteil, sie sind sehr interessiert daran. Meine jüngste Tochter hat im letzten Jahr als jüngste Teilnehmerin beim Jugend forscht-Wettbewerb in Künzelsau mitgemacht.

Manuela Feldkamp | 22.11.2011
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