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Aktuelles - März 2012

Apps in universitärer Lehre: Internet und gedruckter Studienbrief „kooperieren“

Vorreiterrolle der FernUniversität beim Bachelorstudium Bildungswissenschaft

Zwei Lehrgebiete der FernUniversität in Hagen bauen jetzt Studierenden des Bachelorstudiengangs Bildungswissenschaft eine Brücke zwischen gedrucktem Studienmaterial und Internet: Mobile Endgeräte machen den Schritt fast überall und jederzeit möglich. Die Lehrgebiete Mediendidaktik (Prof. Dr. Theo Bastiaens) und Bildungstheorie und Medienpädagogik (Prof. Dr. Claudia de Witt) liegen mit ihren kostenlosen Apps weit vorne beim Einsatz dieser Anwendungen in der universitären Lehre.

Mit den Hagener Entwicklungen können FernUni-Studierende bei der Arbeit im Studienbrief einfach und bequem direkt auf weiterführende Texte, Podcasts, Videos oder interaktive Elemente zugreifen. Papier wird damit multimedial eingebunden. So können die weit überwiegend berufstätigen FernUni-Studierenden komfortabel auch unterwegs lernen, in Bussen, Bahnen, im Urlaub oder auf Dienstreisen.

Natürlich gibt es bereits Apps von Hochschulen, doch konnten beide Teams bisher noch keine ermitteln, die tatsächlich Lehrinhalte auf mobile Geräte „holt“: „Hochschulen verwenden gerne Apps im Servicebereich, etwa für Campus-Pläne oder Mensa-Gerichte“, sind sich beide Professoren einig, „unsere Ziele sind aber viel weiter gesteckt und nutzen die technischen und didaktischen Möglichkeiten dieser Geräte für die Lehre“.

Unterschiedliche Ansätze bei Apps

Besonders bei Prüfungsvorbereitungen sollen die neu entwickelten Apps – Anwendungsprogramme für Smartphones und Tablet-PCs – den Studierenden im Studiengang Bachelor Bildungswissenschaft nützlich sein, wenn sie z.B. bei Prüfungsvorbereitungen viel auswendig lernen müssen und dafür Gerlerntes schriftlich zusammenfassen. Bei den Entwicklungen verfolgten die beiden Lehrgebiete unterschiedliche didaktische Ansätze.

Über Apps rufen die Studierenden eine Liste der prüfungsrelevanten Themen auf, wählen eines aus und vergleichen dann ihr eigenes Wissen mit der Zusammenfassung Über Apps rufen die Studierenden eine Liste der prüfungsrelevanten Themen auf, wählen eines aus und vergleichen dann ihr eigenes Wissen mit der Zusammenfassung (für großes Bild bitte auf das Foto klicken).

Zugriff auf iLernkarten

Häufig fassen Studierende vor Prüfung das Gelernte schriftlich zusammen. Das hat – zunächst in einer Pilotanwendung – das Lehrgebiet Mediendidaktik von Prof. Theo Bastiaens für sie übernommen und für das Modul 2B „Allgemeine Didaktik und Mediendidaktik“ iLernkarten entwickelt, auf die iPads und iPhones zugreifen können. Über die Apps rufen die Studierenden eine Liste der prüfungsrelevanten Themen auf, wählen eines aus und vergleichen dann ihr eigenes Wissen mit der Zusammenfassung. Bei Defiziten finden sie auf den iLernkarten gleich einen Verweis auf die entsprechende Stelle im Studienbrief. Sie können sich aber auch Themen vorgeben lassen oder eine Erklärung erhalten, der sie das Thema zuordnen müssen. „Die Studierenden können damit nach dem Durcharbeiten der gedruckten Studienbriefe prüfen, ob ihr Wissen mit unseren Zusammenfassungen übereinstimmt“, erläutert Prof. Bastiaens.“

Er und sein Team sind sich sicher, dass sie mit dieser Entwicklung absolut richtig liegen: „Immer mehr Studierende erwarten das einfach von uns. Wir stellen damit auch die hohe Kompetenz der FernUni als ‚Medien-Universität’ unter Beweis.“ Bei der Entwicklung mussten die Hagener natürlich die strengen Standards von Apple beachten: „Unsere Apps haben die Begutachtung von Apple problemlos durchlaufen.“ Über 350mal wurden die Apps bereits herunter geladen.

Prinzipiell gibt es kaum Unterschiede zwischen den Versionen für iPad und iPhone, das Apple-Smartphone bietet aufgrund seines kleineren Formats nur weniger Ausgestaltungsmöglichkeiten. Theo Bastiaens und sein Team haben zunächst zwei kostenlose Apps für iPad und iPhone entwickelt, weil diese Geräte weit verbreitet sind. Nun sollen schnellstmöglich weitere Inhalte ins Netz gestellt werden: „Unsere Software ist so konzipiert, dass auch problemlos andere Inhalte mit ihr verbreitet werden können.“

Die Entwicklung der Apps begann übrigens noch auf einem DIN A4-Blatt Papier, auf dem Bastiaens mit einigen Kästchen, Strichen und Wörtern die Neuentwicklung konzipierte. Zwei Monate später hatte seine Mitarbeiterin Tina Walk-Heldt bereits die komplette technische Umsetzung und Programmierung erledigt. Das Konzept ist so angelegt, dass sie zukünftig innerhalb weniger Tage neue Inhalte „einbauen“ kann – auch die von anderen FernUni-Lehrgebieten außerhalb der Fakultät für Kultur- und Sozialwissenschaften.

Audiovisuell und interaktiv

Die Ausgangsposition des Lehrgebiets Bildungstheorie und Medienpädagogik von Prof. Claudia de Witt war ähnlich wie die ihres Kollegen: Ihr Ziel war es, Grundlagenwissen zur Allgemeinen Bildungswissenschaft direkt auf Smartphones von Studierenden im Bachelorstudiengang Bildungswissenschaft zu „liefern“. Bisher hat das Lehrgebiet bereits über 50 Karten für die interaktive Learning-App „moBiwi kompakt“ mit Fragen und Antworten für das mobile Lernen entwickelt, die die Studierenden jederzeit durch ihre eigenen Karten erweitern können. Die „moBiwi“-App ist kostenlos erhältlich und auf vielen Smartphones nutzbar.

Der Impuls zu dieser Entwicklung kam von Studierenden: Im Wintersemester 2010/2011 hatte das Lehrgebiet im Rahmen einer Befragung ermittelt, welche Wünsche und Bedarfe Studierende für mobiles Lernen haben und dafür eine „Ideenwerkstatt“ eingerichtet. Vor allem wurden Lernkarten, eigene Wissensüberprüfung und Podcasts genannt. Die "moBiwi"-App ist als iOS-, Android- und geräteübergreifende Webversion verfügbar.

Zurzeit können die Studierenden ergänzend zu dem in Studienbriefen Gelernten den „Einstieg in die Disziplin“ und drei zentrale Themenbereiche der Allgemeinen Bildungswissenschaft bearbeiten: „Bildung“, „Erziehung“ und „Sozialisation“. Hierzu gibt es vier Kategorien mit insgesamt 54 Frage- und Antwort-Karten und vier Literaturlisten. Zu den Fragen können die Studierenden auf Smartphones oder Tablets auch die Antworten „aufklappen“, falls sie unsicher sind, ob sie genug wissen. Rote Punkte markieren Fragen, mit denen sie sich z.B. noch einmal intensiver befassen wollen. Sie können sogar selbst eigene Karten anlegen.

Zusätzlich zu der Textausgabe können die Fragen und Antworten bei den Apps des Lehrgebiets Bildungstheorie und Medienpädagogik auch als Podcasts ausgegeben werden, um sie auf einem MP3-Spieler zu hören: „Das gibt zusätzliche Anreize, über die Inhalte zu reflektieren“, so Prof. de Witt, „daraus ergeben sich neue eigene Fragen und Antworten, die die Studierenden dann in die Learning-App schreiben oder sprechen können, um so die Themenbereiche selbst zu erweitern. Das ist multimodales Lernen!“ Und vor einer mündlichen Prüfung dürfte die Sprachaufnahme Selbstsicherheit geben.

Natürlich können Texte und Sprachdateien per Mail auch andere Studierende gesendet werden, etwa zu denen in der eigenen Lerngruppe: „Was haltet Ihr davon?“ Umfangreichere Texte können Studierende auch am PC eingeben und per Mail an ihr mobiles Endgerät senden. Der PC wiederum kann für die Datensicherung und Archivierung sowie als MP3-Spieler genutzt werden.

Mit großem Erfolg präsentierten Prof. Dr. Claudia de Witt und Sandro Mengel vom ZMI ihre „moBiwi kompakt“-Learning-App auf der Learntec 2012. Es gab bereits erste Anfragen anderer Anbieter, die gerne ihre Inhalte mit dem System des Lehrgebiets Bildungstheorie und Medienpädagogik verbreiten möchten.

Gerd Dapprich | 16.03.2012
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