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Aktuelles - November 2013

Mobiles Lernen: Vom Hype zur Normalität

Sechster Mobile Learning Day an der FernUniversität

LogoTrends beim Online-Lernen und ihre Auswirkungen in Wirtschaft und Hochschule: Darum ging es nicht nur in der Keynote von Dr. Jochen Robes. Dessen Schlagworte wie „open“, „social“ und „mobile“ waren zentrales Thema auf dem sechsten Mobile Learning Day, der unter Leitung von Prof. Dr. Claudia de Witt (Forschungsgruppe Mobile Learning) und im Rahmen des Hagener Forschungsdialogs stattfand. Knapp 150 Teilnehmerinnen und Teilnehmer brachten sich in der Debatte um die Zukunft des Lernens auf den neuesten Stand – bei Vorträgen, Workshops und einer spannenden Podiumsdiskussion.

Der Trend des Jahres war für Robes, Autor von weiterbildungsblog.de, klar ausgemacht: „Massive Open Online Courses liefern täglich Anlässe, um abwechselnd über die Zukunft der Hochschulen, das Ende der Vorlesung, die Didaktik des Online-Lernens oder die Virtualisierung der Lehre zu diskutieren.“ Aber handelt es sich dabei bloß um einen Hype? Oder sind MOOCs disruptiv, können sie also ein völlig neues Geschäftsmodell mit neuen Zielgruppen entwickeln und den Hochschulbildungsmarkt umkrempeln?

Nahtlose Lernunterstützung

Eine Antwort gab Robes an dieser Stelle nicht, ging stattdessen mit einem anderen Begriff ins Gericht. Seine zugespitzte These lautete, dass mobiles Lernen in wenigen Jahren kein Thema mehr sei. Warum? „Weil es dann kein nicht-mobiles Lernen mehr im Bewusstsein gäbe.“ Heute könne man sich das Gegenteil von mobil noch vorstellen. Aber in fünf Jahren?

Präsentationsfolien des Mobile Learning Day 2013

Cornelius Filipski & Ulrich Forster, Universität Hohenheim
Dieser Ort könnte ein Lernort sein! Mobiles Lernen auf dem Campus und in der Welt
(Präsentationsfolien, Screenshots App Campus Tour)

Dr. Marco Kalz, Open University Netherlands
Mobile und spielebasierte Ansätze für Lerntransfer von kritischen Entscheidungssituationen
(Präsentationsfolien)

Maik Kiesel, Humance AG
Ständiges Lernen im Arbeitsalltag durch intelligente und generische Assistenzsysteme
(Präsentationsfolien)

Mike Kuketz, Kuketz-Security
Der Spion in meiner Tasche
(Präsentationsfolien)

Sandro Mengel, FernUniversität in Hagen
Workshop App Jam
(Präsentationsfolien, Ergebnis Ausfgabe 1, Ergebnis Aufgabe 2)

Dr. Jochen Robes, Weiterbildungsblog
Von open bis mobile – Über Trends im Online-Lernen und ihre Auswirkungen in Wirtschaft und Hochschule
(Präsentationsfolien)

Francesc Santanach, Universitat Oberta Cataluny
M-UOC. Three Pillars towards Mobile Learning: Mobility, Multimedia and Multidevice
(Präsentationsfolien)

Die nachfolgenden Referentinnen und Referenten griffen die steile These auf und nahmen Stellung. Der Hype um Mobile Learning sei wohl vorbei, mittlerweile gäbe es mehr Normalität im Umgang mit Mobile Devices. Dennoch bleiben viele Herausforderungen. Prof. de Witt: „Eine wichtige Aufgabe ist es, mobile Anwendungen nicht nur als Einzellösungen anzubieten, sondern zum Beispiel in die Blended-Learning-Szenarien von Unternehmen, Universitäten, Schulen und Weiterbildungsangeboten zu integrieren.“ Damit verbunden sei das „seamless learning“, also eine durchgängige, nahtlose Lernunterstützung, die Nutzungsbrüche zwischen formalen und informellen Lernsettings verringert.

Dass Mobile Learning ein stark gefragtes Thema bleibe, sagte Dr. Peter Krauss-Hoffmann vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales, der die Veranstaltung moderierte. „Der Mobile Learning Day zeigt nicht nur Faszination und Trends auf, sondern informiert auch über Datensicherheit von Smartphones und Apps.“ So zeigte IT-Sicherheitsberater Mike Kuketz in seiner Präsentation, dass Smartphones kleine Taschenspione sind, die ungeniert auf sensible Informationen zugreifen und sie weiterleiten. Die Nutzer, sagte Kuketz, hätten die Kontrolle über ihre Daten längst verloren – und grundsätzlich gelte: „Ein sicheres oder gar datenschutzkonformes Smartphone existiert nicht.“

Spielbasierte Ansätze

Den trotz aller Sicherheitsbedenken hohen Nutzen mobiler Endgeräte demonstrierten Vertreter aus Wirtschaftsunternehmen und Hochschulen: zum Beispiel die DB Mobility Logistics AG, die ihre Zugbegleiter in einem Projekt mit Tablets ausstattet, um zuverlässigere Auskünfte für Fahrgäste und gleichzeitig ein webbasiertes Training für die Bahnbeschäftigten zu ermöglichen. Oder die Open University Netherlands mit ihrem spielbasierten Projektansatz: In Fallstudien, in denen es etwa um Erste-Hilfe-Maßnahmen bei Herzstillständen geht, sollen die Probanden ein Lernszenario mithilfe von Smartphones durchspielen, dabei Wissen erwerben und ihr eigenes Handeln verbessern.

Auch in drei Workshops standen Smartphones, Apps und Mobile-Learning-Tools im Mittelpunkt. Klar wurde, dass die heutigen Geräte erst der Anfang sind: „In den kommenden Jahren werden sie von anderen Mobile Devices abgelöst“, sagte Claudia de Witt im Abschlussdiskurs mit Prof. Dr. Michael Kerres (Uni Duisburg-Essen) und Dr. Lutz Goertz (MMB-Institut). „Die Steuerung über Gesten und die Vermischung von Virtualität und Realität im normalen Alltag werden dann für ganz neue Lernerfahrungen sorgen.“

Oliver Baentsch | 15.11.2013
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