Sportliche Höhenflüge dank Plan B

Nach drei Kreuzbandrissen ist er so gut wie nie zuvor: Fußballprofi Patrick Fabian spielt derzeit in der zweiten Bundesliga die beste Saison seiner Karriere. Der Verteidiger des VfL Bochum 1848 hat den Kopf frei für sportliche Höhenflüge – auch weil er beruflich längst zweigleisig fährt.


Fußball-Profi Patrick Fabian hat nach drei Kreuzbandrissen mit FernUni-Studium ein gesundes Standbein

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Er ist 26 und hat innerhalb von 16 Monaten drei Kreuzbandrisse am rechten Knie hinter sich: Da ist es fast ein Wunder, dass Fußballprofi Patrick Fabian derzeit in der zweiten Bundesliga die beste Saison seiner Karriere spielt. Der Verteidiger des VfL Bochum 1848 hat den Kopf frei für sportliche Höhenflüge – auch weil er beruflich längst zweigleisig fährt. Mit seinem Studium der Wirtschaftswissenschaft an der FernUniversität in Hagen hat er Plan B in der Tasche.

Der Koffer fürs Trainingslager im spanischen San Pedro del Pinatarist gepackt, als Fabian kurz vor dem Abflug in der VfL-Geschäftsstelle zum Interview vorbeischaut. Diesmal fliegen keine Studienbriefe mit gen Süden. Fabian hat seine Hausaufgaben gemacht und wartet auf die Rückmeldung zu einer Einsendearbeit. „Es wird in Spanien keine Lerngruppe mit Torwart Andreas Luthe geben“, scherzt er. Auch der VfL-Keeper studiert Wirtschaftswissenschaft an der Hagener Universität. Das Thema Weiterbildung ist unter den Bochumer Fußballprofis also durchaus angesagt. „Ein Exot bin ich in der Mannschaft nicht“, sagt Fabian, der mittlerweile im siebten Semester ist und kurz vor dem Bachelor-Abschluss steht. „Aber in der Überzahl sind wir Studenten auch nicht.“

Die Leidenschaft Fußball leben

Momentan steht für Patrick Fabian wieder die Leidenschaft zum Fußball an erster Stelle. Seit 2000 spielt der gebürtige Hagener für den VfL, durchlief alle Jugendmannschaften und unterschrieb 2007, mit 19 Jahren, seinen ersten Vertrag als Lizenzspieler. Jetzt hat er verlängert bis 2016 und ist gesetzt in der Innenverteidigung. Als Bochumer Urgestein will er „seinem VfL“ zurück in die erste Liga verhelfen.

„Ich will weiter Fußball spielen so lange es geht und mich nebenbei weiterbilden“, blickt Fabian in die Zukunft. Zweigleisig zu fahren, das stand für den gebürtigen Hagener nach dem Abitur in Schwerte von Anfang an fest. „Die FernUni hat dafür einfach den besten Ruf“, begründet er seine Entscheidung für ein Studium an der Hagener Hochschule. „Ich komme hier gut klar, weil ich Ehrgeiz habe und sehr flexibel lernen kann. Es ist einfach super, wenn man neben dem Sport noch was für den Kopf macht.“ Dennoch ist es für ihn als Fußballprofi schwierig, alle Termine unter einen Hut zu bekommen. „Ich würde mir mehr Klausurtermine wünschen. Es ist bitter, wenn man lange auf die nächste Chance warten muss.“

Auf Krücken zur Prüfung

Vor allem die langen Reha-Monate nutzte Patrick Fabian, um sein Studium zügig voranzutreiben. Er humpelte auf Krücken zu Prüfungen, kämpfte sich allein durch die Skripte und lernte zusammen mit Volleyball-Profi Moritz Müller, den er noch aus seiner Schulzeit in Schwerte kennt.

Auf dem Fußballplatz hatte ihn nach dem dritten Kreuzbandriss im Sommer 2012 kaum einer mehr auf der Rechnung. Dreimal Knie-OP, dreimal Reha, dreimal der Kampf, wieder auf die Beine zu kommen: Patrick Fabian hat trotzdem weiter gemacht. Nach dem dritten Unfall wagte er einen neuen Weg und ließ sich im Viktoria-Krankenhaus in Bochum bei Dr. Alexander Rosenthal operieren. Dort wurde das gerissene Band durch ein Stück Patellasehne ersetzt.

Natürlich geht Patrick Fabian nun sensibler mit seinem Körper um. Gleich nach dem ersten Zweitligaspiel der laufenden Bundesliga-Saison bei Union Berlin bekam er Panik, als sein Problemknie gereizt reagierte. Sofort rief er seinen Therapeuten Ali Chabban an. „Ohne ihn hätte ich es nicht geschafft“, sagt er über sein drittes Comeback. „Er kam nachts zu mir nach Hause und hat mich beruhigt, das Knie sei in Ordnung.“

Den Blick auf die Zusammenhänge gerichtet

Den Gedanken daran, was wäre, wenn noch eine schlimme Verletzung passiert, blendet er aus. Mit seinem Wirtschaftsstudium hat er schließlich ein zweites Standbein. Noch im Laufe des Jahres 2014 will er seinen Abschluss machen: „Das eröffnet mir verschiedene Möglichkeiten. Marketing und Dienstleistungskonzeption finde ich besonders interessant.“ Längst hat er im Umgang mit dem Studienmaterial seine eigene Strategie entwickelt. „Als erstes Modul hatte ich Wirtschaftsinformatik und bin fast verzweifelt“, blickt Fabian auf die Anfänge zurück. „Da wollte ich jede einzelne Seite nachvollziehen. Jetzt schaue ich mehr auf die Zusammenhänge.“ Patrick Fabian ist eben nicht nur Profi auf dem Fußballplatz, sondern auch als Student.

Carolin Annemüller | 15.01.2014