Forschungsinteresse an Kolonialgeschichte verbindet Wissenschaftler

Das interne Forschungsförderprogramm der FernUniversität ermöglichte den Aufenthalt von Prof. Dr. Gabriel Nzalayimisi.


Dr. Jürgen Nagel lädt Gastprofessor aus Tansania ans Historische Institut ein

Illustration Dr. Jürgen Nagel vom Historischen Institut (links) und Gastprofessor Dr. Gabriel Nzalayimisi
Dr. Jürgen Nagel vom Historischen Institut (li.) und Gastprofessor Dr. Gabriel Nzalayimisi

Internationales Flair an der FernUniversität: Das Historische Institut hatte für drei Monate wissenschaftlichen Besuch aus Tansania. Prof. Dr. Gabriel Nzalayaimisi von der Sokoine University of Agriculture (SUA) war einer Einladung durch Privatdozent Dr. Jürgen Nagel aus dem Lehrgebiet Neuere Europäische und Außereuropäische Geschichte der FernUniversität in Hagen gefolgt. Unterstützung bekam Nagel durch den Dekan der Fakultät für Kultur- und Sozialwissenschaften, Prof. Dr. Thomas Bedorf.

Nzalayimisi reiste zu Beginn der 5. Geschichtswoche („Erinnerungskultur“) im Oktober an. Während dieser Woche hielt er als Dozent einen Vortrag zu „Commemorative Culture in Tanzania“ und leitete unter anderem gemeinsam mit Jürgen Nagel ein Seminar über den Maji-Maji-Aufstand (1905 - 1907) während der deutschen Kolonialherrschaft in Deutsch-Ost-Afrika.

Das Forschungsinteresse an der Kolonialgeschichte Afrikas verbindet die beiden Wissenschaftler. Auf einer Konferenz in Berlin knüpften Nagel und Nzalayimisi Kontakt. Als Nagel vor zwei Jahren für seine Habilitationsschrift einen Besuch in einem Archiv in Dar es Salaam in Tansania plante, ebnete Nzalayimisi ihm den Weg. „Vor Ort entstand die Idee, den tansanischen Kollegen als Gastprofessor nach Hagen einzuladen“, erinnert sich Nagel, der seine Habilitation mit der Studie „Die Kolonie als wissenschaftliches Projekt. Forschungsorganisation und Forschungspraxis im deutschen Kolonialreich“ im Jahr 2013 abgeschlossen hat. Über das Forschungsförderungsprogramm der FernUniversität konnte der Aufenthalt des tansanischen Professors bis Ende 2013 realisiert werden.

Breite akademische Ausbildung

Gabriel Nzalayimisi lehrt an der Sokoine University of Agriculture die Fächer Agrarwissenschaften, Psychologie und Empirische Sozialforschung. Seine aktuellen Forschungsprojekte stammen aus den Fachgebieten Erziehungs- und Geschichtswissenschaft, aber auch Theologie beschäftigt Nazalayimisi wissenschaftlich.

Seine akademische Ausbildung ist entsprechend breit gefächert: Nazalayimisi hat einen Bachelor, drei Mastertitel und einen PhD, abgelegt in Tansania und den USA in den Fächern Theologie, Afroamerikanische Studien und Erziehungswissenschaften. Abschließend promovierte er an der Ohio State University in Erziehungswissenschaften.

1993 kehrte er endgültig nach Tansania zurück, gründete ein kirchliches College und sammelte unter anderem an der Open University of Tanzania Erfahrungen im Fernstudiensystem. Seit 12 Jahren arbeitet er an der SUA: „Ich versuche nun alle Fächer, in denen ich ausgebildet bin, zusammenzubringen.“ Das Vorhaben hat er auch in Hagen verfolgt und an diversen thematischen Fachaufsätzen geschrieben.

Austausch lebt zunächst virtuell weiter

Das Historische Institut möchte den akademischen Austausch mit der Sokoine University of Agriculture vertiefen. „Wir haben im Lehrgebiet bereits zwei konkrete Dissertationsprojekte, für die die Studierenden gern für ihre Recherche nach Tansania möchten“, berichtet Nagel.

Solange lebt der Austausch virtuell weiter: Im Laufe des Aufenthaltes interviewte Jürgen Nagel seinen wissenschaftlichen Gast mehrfach – für audiovisuelle Beiträge zum Online-Kurs „Europäische Expansion und Globalisierung“ des Historischen Instituts.

Anja Wetter | 07.01.2014