Zweifel überwunden, Abschluss geschafft

Ab jetzt sind sie Juristinnen und Juristen: Auf der Abschlussfeier der Rechtswissenschaftlichen Fakultät der FernUniversität bekamen Absolventinnen und Absolventen ihre Urkunden.


Absolventinnen und Absolventen der Rechtswissenschaftlichen Fakultät auf Abschlussfeier in Hagen geehrt

Absolventinnen und Absolventen
Die persönlich geehrten Absolventinnen und Absolventen des Studienjahres 2012/2013 mit FernUni-Rektor Prof. Helmut Hoyer (links) und Prodekanin Prof. Gabriele Zwiehoff (2. v. l.).

Blitzlichter, Gelächter, klirrende Sektgläser. Jazzmusik dringt aus dem Veranstaltungsraum in die gläserne Eingangshalle des Hagener Emil-Schumacher-Museums. Dort stehen weit mehr als 100 Menschen in Abendkleidern und Anzügen. Dicht drängen sie sich um Bistrotische.

Im Studienjahr 2012/2013 haben insgesamt 80 Absolventinnen und Absolventen des Bachelor of Laws sowie 40 Absolventinnen und Absolventen des Master of Laws der Rechtswissenschaftlichen Fakultät der FernUniversität in Hagen ihre Abschlussurkunden erhalten. Hinzu kommen Graduierte im Weiterbildungsstudium „Mediation“. 25 Bachelor- und Master-Absolventinnen und -Absolventen sind extra für diesen Abend angereist.

Prof. Dr.-Ing. Helmut Hoyer
"Sie haben ihre Zweifel überwunden." FernUni-Rektor Prof. Hoyer beglückwünschte die anwesenden Absolventinnen und Absolventen zu ihrem erfolgreichen Studienabschluss.

Unter ihnen ragten Astrid Wenke und Corinna Heucke heraus: Im Master-Studiengang „Anwaltsrecht und Anwaltspraxis“ schrieben sie die besten Master-Arbeiten. Dafür zeichnete sie die Prodekanin der Rechtswissenschaftlichen Fakultät, apl. Prof. Dr. Gabriele Zwiehoff, mit einer Urkunde aus. Dekan Prof. Dr. Karl August Prinz von Sachsen Gessaphe konnte krankheitsbedingt nicht teilnehmen.

Auch fünf Doktorinnen und Doktoren bekamen an diesem Abend ihre Promotionsurkunden. Einer von ihnen ist Guido Becker, Rechtsanwalt aus Düsseldorf. In seiner Dissertation forschte er zur Unterscheidung von Marken- und Designrecht. Dafür wurde er mit dem Promotionspreis der Juristischen Gesellschaft Hagen e.V. für die beste Dissertationsschrift ausgezeichnet. Den Preis überreichte Prof. Dr. Dr. Thomas Vormbaum. Prof. Vormbaum ist Emeritus des Lehrstuhls Strafrecht, Strafprozessrecht und Juristische Zeitgeschichte der FernUniversität und Geschäftsführer der Juristischen Gesellschaft.

Wille und Zweifel

Neben ihrem Fernstudium in Hagen eint alle Graduierten noch etwas: dass sie es geschafft haben, ihre „Zweifel zu überwinden“. Das betonte der Rektor der FernUniversität, Prof. Dr.-Ing. Helmut Hoyer, in seiner Begrüßung. „Für den erfolgreichen Abschluss eines Fernstudiums zählen nicht nur Wille und Leistungsbereitschaft, es zählt auch die Auseinandersetzung mit den eigenen Zweifeln“, sagte der Rektor.

Die beiden Preisträgerinnen für die beste Master-Arbeit, Astrid Wenke und Corinna Heucke, bestätigten das in ihren Vorträgen. So wechselte Astrid Wenke erst kürzlich den Job – von einer Anwaltskanzlei in die Rechtsabteilung eines Pharmazie-Unternehmens. Parallel arbeitete sie an ihrem Abschluss an der FernUniversität. Zweifel? „Die gab es natürlich“, sagte Wenke. „Doch die habe ich überwunden. Es war die richtige Entscheidung.“ Astrid Wenke hatte in ihrer Master-Arbeit zur Reduzierung von Arzneikosten in der gesetzlichen Krankenversicherung gearbeitet.

apl. Prof. Dr. Gabriele Zwiehoff
Blick in die Zukunft: Prodekanin Prof. Zwiehoff stellte ein internationales Promotionsprogramm in Aussicht.

Ähnliche Empfindungen bei Corinna Heuke. Zweifel hatte auch die alleinerziehende Mutter. Trotzdem schloss sie ihr Fernstudium erfolgreich ab und schaffte ihren Abschluss; das sogar mit Auszeichnung und ebenfalls parallel zum Beruf. Passend zu ihrer Arbeit bei der Bankenaufsicht forschte sie zur Wertpapierberatung von Banken.

Um Zweifel ging es in dem Grußwort von Prodekanin Prof. Gabriele Zwiehoff nicht, dafür um Stolz. Den drückte sie im Namen der Fakultät aus und gratulierte den Absolventinnen und Absolventen. In ihre Rede hob sie unter anderem die internationale Kooperation der Rechtswissenschaftlichen Fakultät hervor. Sie schloss mit einem Ausblick: „Wir arbeiten daran, grenzüberschreitend Promotionsmöglichkeiten anzubieten. Außerdem werden wir unser internationales Forschungsprofil weiter stärken.“

Die juristische Persönlichkeit

Im Rahmen der Festveranstaltung sprach Prof. Dr. Barbara Dauner-Lieb über die „Bedeutung der höchstrichterlichen Rechtsprechung in Lehre und Forschung“. Die Lehrstuhlinhaberin an der Universität zu Köln ist mit der FernUniversität gut vertraut: „Ich freue mich sehr, wieder hier zu sein“, sagte Barbara Dauner-Lieb. Die Professorin war während ihrer Tätigkeit an der FernUniversität auch Prorektorin.

Barbara Dauner-Lieb, die auch Richterin am Verfassungsgerichtshof NRW in Münster ist, bemängelte in ihrem Vortrag vor allem zwei Dinge: Die politisch eher „restriktive Tendenz“, was die sogenannte „höchstrichterliche Fortbildung“ betrifft. Außerdem: „Lehrbücher vermitteln keine juristische Persönlichkeit.“

Höchstrichterliche Rechtsprechung, das ist die Rechtsprechung der obersten deutschen Gerichte. Dazu zählen unter anderem der Bundesgerichtshof und das Bundesarbeitsgericht. Richterinnen und Richter dieser Institutionen passen Recht gewissermaßen aktuellen Entwicklungen an – indem sie Recht sprechen. Denn: „Recht ist nicht starr, sondern entwickelt sich dynamisch“, sagte Dauner-Lieb.

Das Problem besteht darin, aktuelle Entwicklungen einzuordnen. Außerdem festzustellen, ob Recht angepasst werden muss. Dafür seien „kritische Juristinnen und Juristen“ nötig, die Recht „methodisch reflektiert“ weiterentwickeln. Hier seien universitäre Forschung und Lehre gefragt, denn die Forschung müsse Urteile untersuchen. Lehrende müssten diese Forschungsergebnisse an die Studierenden vermitteln. „Juristische Lehrbücher vermitteln keine juristische Persönlichkeit“, wiederholte Dauner-Lieb. Das müssten die Studierenden selbst leisten. Zum Beispiel durch den Vergleich älterer Urteile mit aktueller Rechtsprechung, aber auch in der Auseinandersetzung mit Lehrenden, Kommilitoninnen und Kommilitonen.

Absolventinnen und Absolventen
Präsentierten ihre prämierten Abschlussarbeiten: Corinna Heucke, Astrid Wenke und Dr. Guido Becker.

Beste Berufsaussichten

Abschließend stellte Bernhard Weber, neuer Vorsitzender der Fachschaft Rechtswissenschaft, Projekte wie die neue Homepage der Studierendenvertretung sowie ein Feedbacksystem für Veranstaltungen vor.

„Hagener Wirtschaftsjuristen genießen hohes Ansehen in der Wirtschaft“, sagte Webers Vorgänger Wolfram Würtele in einem Grußwort. Wolfram Würtele bekam an diesem Abend selbst seine Master-Urkunde. Ein Beleg für die Qualität der juristischen Ausbildung an der FernUniversität sei aber nicht nur, dass er binnen weniger Wochen nach seinem Masterabschluss eine neue Stelle gefunden habe. Als Fachschaftsvorsitzender hielt er regelmäßigen Kontakt zu Absolventinnen, Absolventen sowie Mitstudierenden: „Alle haben kurz nach ihrem Abschluss Arbeit gemäß ihrer Qualifikation bekommen.“

Das bestätigten auch die ausgezeichneten Absolventinnen und Absolventen dieses Abends. Und während die Musik langsam abebbt, verlassen die ersten die Feier. Mit dem Jura-Abschluss im Gepäck fahren sie zurück in die Heimat.

Matthias Fejes | 07.02.2014