Lernen auf dem Spielplatz und beim Kinderarzt

Zwei kleine Kinder und parallel studieren: Für Angela Ulrich (35) aus Saarbrücken ist das eine Frage der Organisation. Die Sozialwissenschaftlerin nutzt ihre Elternzeit für ein Zweitstudium.


Elternzeit-Studentin Angela Ulrich nutzt ihre Auszeit vom Beruf für ein Zweitstudium

Illustration
Kinder und Studium: Kein Problem für Angela Ulrich. Die zweifache Mutter aus Saarbrücken nutzt ihre Elternzeit für ein Zweitstudium.

Wenn Angela Ulrich mit ihrer Tochter beim Kinderarzt ist, geht sie im Wartezimmer die Uni-Skripte auf ihrem Tablet durch. Und wenn ihre Kinder sich auf dem Spielplatz selbst beschäftigen, rollt sie ihren Lernteppich aus und holt ihre FernUni-Unterlagen aus der Tasche.

Angela Ulrich (35) aus Saarbrücken ist Elternzeit-Studentin. Sie studiert BWL und Bildungswissenschaft an der FernUniversität in Hagen. Sie ist Mutter von zwei Kindern (2 und 5 Jahre) und nutzt ihre Auszeit vom Job für ein Zweitstudium.

Sie müsste nicht studieren und könnte ihre Elternzeit in vollen Zügen genießen. Die Diplom-Sozialwissenschaftlerin hat nach der ersten Babypause als Controllerin gearbeitet und davor als Bereichsleiterin einer Behörde ein Team mit 60 Menschen geleitet. Ihr Mann ist Richter. Trotzdem hat Angela Ulrich sich ganz bewusst für die Doppelbelastung Kinder und Studium entschieden.

Spaß und Luxus

„Mir macht das Studieren einfach Spaß. Es ist für mich Luxus, mich mit frischem Wissen zu versorgen“, erklärt sie. Allgemeines Überblickswissen hat sie in BWL nachgeholt, in der Bildungswissenschaft strebt sie langfristig den Master an. „Besonders der eEducation-Bereich macht sehr viel Spaß. Da möchte ich unbedingt noch viel mehr können“, sagt sie. Die Elternzeit nutzt sie als Chance, um Alternativen auszuloten und sich beruflich breiter aufzustellen. Denn nach der Auszeit will die Saarbrückerin Beruf und Familie so flexibel wie möglich vereinbaren. Zurzeit beschäftigt sich die Sozialwissenschaftlerin mit den Funktionen schulischer Erziehung. „Das ist sehr soziologisch und ein Heimspiel für mich“, nutzt sie Synergien.

Häufig tauscht sich Angela Ulrich mit Gleichgesinnten im Studienzentrum in Saarbrücken aus, das nur einen Katzensprung von ihrer Wohnung entfernt ist. Eine Exotin ist die Elternzeit-Studentin und zweifache Mutter dort nicht. „Viele meiner Kommilitoninnen haben Kinder“, berichtet Ulrich. Bevor ihre kleine Tochter einen Kita-Platz bekam, nahm sie sie oft mit zu Kursen und Mentoriaten. „Das war nie ein Problem. Im Gegenteil: Alle waren sehr nett zu meiner Tochter“, sagt Angela Ulrich. „Es war wirklich erleichternd, mit Kind willkommen zu sein. Das war für mich neben der Flexibilität ein entscheidender Vorteil gegenüber einer Präsenz-Uni.“

Disziplin und feste Zeiten

Natürlich ist es trotzdem nicht immer einfach, Studium und Kinder unter einen Hut zu bekommen. „Ich muss mich schon sehr disziplinieren“, erzählt Angela Ulrich. „Aber meine Kinder erleben mich ausgeglichener, wenn ich das mache, was mich weiter bringt.“

Zu kurz kommen ihr Sohn und ihre Tochter deshalb nicht. „Ich gehe trotzdem auf den Spielplatz und habe keine Krabbelgruppe ausgelassen“, sagt Ulrich über ihre Elternzeit. „Ich hänge dann eher abends eine Stunde dran.“ Im Hause Ulrich gibt es feste Zeiten, in denen die Mama lernt. Zum Beispiel morgens, wenn mittlerweile beide Kinder in der Kita sind. Und es gibt feste Zeiten, in denen die Mama spielt. Zum Beispiel sonntags, wenn Familientag ist und die FernUni-Unterlagen nicht angerührt werden. Ansonsten funktioniert die Kombi Studium und Kinder vor allem, „weil meine Familie voll mitzieht“.

Daher ist Angela Ulrich auch nicht bange, wenn sie bald mit zwei Kindern, Arbeit und Uni jonglieren wird. Im Laufe des Jahres will sie beruflich wieder einsteigen. Angela Ulrich macht sich aber keinen Druck. Sie will ihr Studium auf jeden Fall durchziehen. In ihrem eigenen Tempo.

Carolin Annemüller | 17.02.2014