Audio-Podcast: Fünf Fragen an ... Jun.-Prof. Dr. Dorett Funcke

Was Jun.-Prof. Funcke mit auf die einsame Insel nehmen würde, was sie an der Soziologie schätzt und was sie gerne in ihrer Freizeit macht? Das und mehr hat sie im Interview verraten.


Eine neue Folge aus der Interview-Reihe der FernUni

Jun.-Prof. Dr. Dorett Funcke hat seit diesem Wintersemester die „Ernsting´s-family-Junior-Stiftungsprofessur für Soziologie familialer Lebensformen, Netzwerke und Gemeinschaften“ inne. Ihr Fachgebiet ist Mikrosoziologie. Die Forschungsschwerpunkte von Dorett Funcke sind familiale Lebensformen, Netzwerke und Gemeinschaften. Neben Forschung und Lehre betreut sie zusätzlich die BürgerUniversität in Coesfeld.

Im Interview erklärt sie, was sie an Familien interessiert, wie sie sich nach der Arbeit entspannt und worauf sie sich in ihrem neuen Wohnort in Wetter an der Ruhr besonders freut.

Transkript des Interviews

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Liebe Hörerinnen und Hörer, herzlich willkommen zu einer neuen Folge von „Fünf Fragen an“. In der heutigen Ausgabe stellen wir Ihnen Frau Dr. Dorett Funcke vor. Dorett Funcke ist seit Oktober 2013 neue Junior-Stiftungsprofessorin am Institut für Soziologie an der FernUniversität. Frau Funcke beschäftigt sich vor allem mit familialen Lebensformen, Netzwerken und Gemeinschaften. Außerdem gestaltet sie aktiv die Coesfelder BürgerUni mit.

Frau Funcke, Sie haben sich ja für eine wissenschaftliche Karriere entschieden. Hätte es eigentlich zu einem bestimmten Punkt auch mal Alternativen zu diesem Berufsentwurf gegeben?

Was ich jetzt also auch unter wissenschaftlicher Karriere verstehe ist eben hauptsächlich das Kerngeschäft also Forschung zu betreiben. Möglicherweise ist das also die beste Form. Man hat eben auf so einer Stelle als Professorin oder als Professor günstige Rahmenbedingungen, wie zum Beispiel: man ist eingebettet in ein Team, man findet eine Infrastruktur vor und man kann also auch handlungsentlastet von der Sorge nach alternativen Erwerbsmöglichkeiten seine Forschung betreiben. Und das ist sicherlich günstig.

Ja, das klingt auf jeden Fall nach einem dichten Terminplan und nach einem sehr strukturierten Tagesablauf. Wenn Sie nach einem anstrengenden Tag hier an der Uni nach Hause kommen, wie können Sie dann eigentlich am besten entspannen?

Man versucht auf andere Gedanken zu kommen und das gelingt mir immer noch am besten über den Sport. Also ich bin dem Wassersport sehr verbunden. Ich rudere sehr gerne, ich habe das bislang immer auf dem Main gemacht. Mit dem Umzug hier wird das die Ruhr sein und mein Mann und ich segeln sehr gerne und wir werden sicherlich jetzt mal im Sommer das Ijsselmeer ausprobieren. Was als nächstes zu erreichen ist. Mal unabhängig vom schönen Harkortsee wo man mit seiner Jolle Herumschiffern kann aber das Ijsselmeer lässt dann schon ganz andere Turns noch zu.

Stellen Sie sich doch jetzt mal vor, Sie wären frei von allen beruflichen und privaten Verpflichtungen, Sie wären auf einer einsamen Insel. Was würden Sie denn dahin mitnehmen?

Ich würde erstmal alles daran setzen, dass das gar nicht erst eintritt. Sollte das gar nicht gehen würde ich versuchen, meine Familie und meine Freunde mitzunehmen, auf diese dann nicht mehr so einsame Insel. Ich würde Werkzeug mitnehmen, damit ich das allgemeine Leben überhaupt erstmal erhalten kann. Und ich würde Informationen über die Insel mitnehmen, damit ich weiß, was da so los ist. Gut informiert zu sein ist ja auch auf einer Insel wichtig. Und ich würde ein Aufnahmegerät mitnehmen, um die Schiffbrüchigen, die nach mir kommen, Interviewen zu können und um ein Projekt zu machen über Krisenbewältigungsprozesse in Extremsituationen.

Ja, Sie haben es ja gerade angesprochen, ein Stück weit würde Sie die Wissenschaft wahrscheinlich auch auf der einsamen Insel nicht loslassen. In Ihrer wissenschaftlichen Vita findet man einen ganz spannenden Forschungsschwerpunkt und zwar heißt der „Familie unter unkonventionellen Bedingungen“. Was bedeutet das eigentlich konkret?

Es gibt tatsächlich noch, also wenn man sich die Zahlen anschaut, sehr viele klassische Kernfamilien oder Normalfamilien. Aber auch zunehmend alternative Formen des familialen Zusammenlebens. Ich denke hier an so etwas wie die vielen Alleinerziehenden, dann die Stieffamilien, dann haben wir jede Menge Adoptivfamilien, Pflegefamilien, auch die gleichgeschlechtlichen Paarfamilien zählen dazu. Und schaut man sich die neueren Reproduktionstechniken an, so gibt’s da noch ganz andere Formen der Familiengründung. Also Sie sehen mit diesem ganzen Spektrum die Vervielfältigung einer Familienlandschaft. Und uns als Familiensoziologen und Soziologinnen interessiert dabei: Was ist eigentlich das Neue, wenn es so anders aussieht als die Kernfamilie? Und was ist denn das gar nicht so Neue? Also welche elementaren Strukturen lassen sich denn erkennen in diesen Familien, die äußerlich ganz anders aussehen als die Abstammungsfamilie, wo alle Blutsverwandt miteinander sind.

Wir haben es eingangs schon gehört, zu Ihren Aufgaben gehört ja auch, die BürgerUniversität in Coesfeld maßgeblich zu betreuen und zu gestalten und Wissenschaft allgemeinverständlich zu vermitteln. Wie würden Sie denn Ihren Fachbereich „Mikrosoziologie“ erklären?

Wir beschäftigen uns da mit den sogenannten kleinen sozialen Einheiten. Das sind Paare, Familien, Nachbarschaftsbeziehungen, Freundschaftsbeziehungen, Kollegschaft, aber auch Interaktionen in professionellen Zusammenhängen, aber auch das Individuum als solches. Und ein Schwerpunkt meiner Forschung sind die Paare und die Familien. Und wir untersuchen dort anhand von empirischen Studien solche speziellen Sozialbeziehungen und sind dabei, die Beschreibung dieser Beziehungstypen voranzutreiben. Dabei ist also auch immer die Annahme leitend, dass diese Forschung also auch Sozialisationsforschung, Milieuforschung und auch Biografieforschung ist.

Ja vielen Dank. Damit sind wir schon am Ende dieser Folge angelangt. Frau Funcke ich wünsche Ihnen noch viel Freude und Erfolg weiterhin an der FernUni und danke Ihnen für das Gespräch.

Ja, ich danke auch.


Matthias Fejes | 21.02.2014