Studieren in Glücksburg: Die FernUniversität als neuer Lebensmittelpunkt

Das Studium der Kulturwissenschaften an der FernUniversität gibt Mats Lassen eine berufliche Perspektive: Der 24-Jährige leidet an Muskelschwund.


Nach Krankheitsdiagnose strukturiert das Studium nun den Alltag

Illustration Portrait Mats Lassen
Mats Lassen
Illustration Student Mats Lassen sitzt am Küchentisch vor seinem Laptop.
Studieren, wo es am schönsten ist: Mats Lassen arbeitet für eine Hausarbeit gern mal am Küchentisch.

Mats Lassen hat sein Leben mit 22 Jahren neu begonnen. Die FernUniversität in Hagen bot ihm die „rettende Perspektive“. Im Sommersemester 2011 schrieb sich Lassen für den Bachelorstudiengang in Kulturwissenschaften ein und inzwischen „ist die FernUni mein Lebensmittelpunkt geworden“. Den hatte Lassen zuvor aus den Augen verloren, nachdem er mit der Diagnose Amyotrophe Lateralsklerose konfrontiert worden war, eine Erkrankung des motorischen Nervensystems. In der Regel tritt sie zwischen dem 50. und 70 Lebensjahr auf. Der wohl bekannteste Erkrankte ist Stephen Hawking.

„Ich bin einer der jüngsten Betroffenen weltweit“, sagt Lassen. Er spricht offen über seine Krankheit. „Es ist ein Teil meines Lebens.“ Doch zunächst löste die Diagnose einen Fluchtreflex bei ihm aus. Sie kam 2009 kurz vor den Abiturprüfungen. Alles um ihn herum war ihn Bewegung: Freundinnen und Freunde gingen zum Studium weg. Er wollte auch raus. Verdrängen.

Traumstudium Kulturwissenschaften

„Ich habe mich zum Wintersemester 2009 in Hamburg für Germanistik und Philosophie eingeschrieben“, erzählt er. Ein halbes Jahr kämpfte Lassen, der von Glücksburg aus in die Großstadt gezogen war. „An manchen Tagen war ich körperlich zu schwach, um zur Uni zu gehen. Es besteht immer das Risiko, dass ich falle.“ Im Frühjahr 2010 zog er die Konsequenzen und ging zurück nach Glücksburg.

Nach einer längeren passiven Phase raffte er sich wieder auf. „Ich hatte keine Ziele mehr, habe nur in den Tag gelebt“, erinnert er sich. Das änderte sich schlagartig, als er auf das Angebot der FernUniversität stieß. Zum Sommersemester 2011 immatrikulierte er sich für Kulturwissenschaften. „Mein Traumstudium!“, jubelt er immer noch. „Genau diesen Studiengang, diese Fächerkombinationen aus Geschichte, Literatur und Philosophie habe ich gesucht. Ich bin so froh, dass es die FernUni gibt.“

Anhand des FernUni-Studiums strukturiert Mats Lassen seinen Alltag. „Ich habe wieder ein tägliches Ziel. Das ist ein wichtiger psychologischer Effekt.“ Inzwischen hat er die Hälfte der Module geschafft. Das eigenständige Lesen zehrt weniger als das angestrengte Zuhören in einem vollen Hörsaal. Seine sozialen Kontakte zu Mitstudierenden hält Lassen über Facebook. „Das ist der zentrale Platz, an dem wir uns austauschen. Außerdem helfe ich im Admin-Bereich mit.“

Journalismus als berufliche Perspektive

Mit welcher beruflichen Perspektive er studiert? „Ich wollte schon mit 13, 14 Kulturjournalist werden“, überlegt er laut. „Der Wunsch ist nach wie vor da. Ich könnte mir aber auch vorstellen, wissenschaftlich zu arbeiten.“ Nachdem er seine Kräfte zunächst auf die Klausuren konzentriert hat, stehen nun Hausarbeiten an. Für eine hat sich Lassen bereits mit der dekonstruktiven und hermeneutischen Interpretation der Lyrik Paul Celans befasst: „Hausarbeiten sind super.“ An Präsenzseminare will er sich im Sommer wagen. „Die Arbeit am Schreibtisch kann ich selbstständig organisieren. Für Seminare brauche ich eine Begleitperson.“

Für den 24-Jährigen steht bereits unverbrüchlich fest: Seinen Master möchte er ebenfalls an der FernUni machen.

Anja Wetter | 28.02.2014