Ein „kleiner Mann aus Wien“ als Held der Humanität

Der Unteroffizier Anton Schmid war für die Juden in Wilna in den Jahren 1941/42 die personifizierte Verkörperung ihrer Hoffnung auf Rettung. Die Veranstaltung ist öffentlich.


Vortrag über den Feldwebel Anton Schmid im Lüdenscheider Gespräch am 26. März

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Über den „Feldwebel Anton Schmid. Ein Held der Humanität“ spricht Prof. Dr. phil. Wolfram Wette am Mittwoch, 26. März, ab 18 Uhr in der Reihre „Lüdenscheider Gespräche“. Der Vortrag im Kulturhaus Lüdenscheid, Freiherr-vom-Stein-Str. 9, 58511 Lüdenscheid, richtet sich an Studierende der FernUniversität aus der Fakultät für Kultur- und Sozialwissenschaften ebenso wie an die interessierte Öffentlichkeit. Der Eintritt ist frei. Die „Lüdenscheider Gespräche“ werden vom Institut für Geschichte und Biografie der FernUniversität veranstaltet, sie sind Teil des Hagener Forschungsdialogs.

Für die verfolgten Juden in Wilna/Litauen verband sich mit dem Namen des Wehrmacht-Feldwebels Anton Schmid eine Verheißung. Der Unteroffizier aus Wien war für sie in den Kriegsjahren 1941/42 die personifizierte Verkörperung ihrer Hoffnung auf Rettung vor der Vernichtung. So wundert es nicht, dass Schmid von Holocaust-Überlebenden in der rückblickenden Erinnerung verklärt wurde: „Für uns war er so etwas wie ein Heiliger!“ Gemeint war, dass Schmid in einer ganz außergewöhnlichen Weise das Gute verkörperte. In einer Situation, in der die Todgeweihten an der Existenz eines gerechten und gütigen Gottes zweifelten, war Schmid für sie ein Licht im Tunnel.

Wer war dieser „kleine Mann“ aus Wien? Was bewegte ihn? Wieso entschied er sich dazu, im Hexenkessel von Wilna, in dem fast täglich Hunderte, ja Tausende ermordet wurden, den Verfolgten unter Lebensgefahr zu helfen und mehr als 300 von ihnen zu retten? Weshalb ging er sogar das Risiko ein, den jüdischen Widerstand zu unterstützen? Feldwebel Schmid wurde am 17. April 1942 von einem Feldkriegsgericht zum Tode verurteilt und hingerichtet. Eine Zeitlang trug eine Bundeswehrkaserne in Rendsburg seinen Namen. Und was wird jetzt aus diesem kostbaren Erbe?

Prof. Dr. phil. Wolfram Wette, war von 1971 bis 1995 Historiker im Militärgeschichtlichen Forschungsamt (MGFA) in Freiburg i. Br.; seit 1998 apl. Professor für Neueste Geschichte am Historischen Seminar der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg i. Br.. Er ist Mitbegründer und langjähriger Sprecher des Arbeitskreises Historische Friedensforschung.

Gerd Dapprich | 11.03.2014