Bewährungsprobe auf dem Eis und im Bachelor auf Laws

Der Sport ist ihr Beruf. Doch davon leben kann sie nicht. Die Deutsch-Schweizerin Imogen Lehmann fährt zweigleisig und studiert neben dem Curling Jura an der FernUniversität in Hagen.


Imogen Lehmann schreibt bei der Curling-WM in Kanada ihre Propädeutikumsprüfung

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Imogen Lehmann spielt als Skip bei der Curling-WM in Kanada.

Wenn am 17. März die Studierenden im rechtswissenschaftlichen Bachelor-Studiengang ihre Propädeutikumsprüfung schreiben, dann ist Imogen Lehmann in Kanada bei der Curling-Weltmeisterschaft. Die 24-jährige Deutsch-Schweizerin aus Basel spielt in der deutschen Nationalmannschaft und studiert Jura an der FernUniversität in Hagen.

„Der Sport ist momentan quasi mein Beruf“, sagt sie. Doch ihr Jura-Studium will sie nicht direkt im ersten Studienjahr auf Eis legen. Daher nahm sie früh mit dem Prüfungsamt Kontakt auf. Imogen Lehmann schreibt die Propädeutikumsprüfung nun während der Curling-WM im kanadischen Saint-John.

Lebenstraum Olympia

Imogen Lehmann ist Deutsche Meisterin der vergangenen vier Jahre. In ihrer Juniorenzeit feierte sie zahlreiche Erfolge in der Schweiz, unter anderem den Gewinn des Schweizer Meistertitels. Seit ein paar Jahren spielt die Doppelbürgerin für Deutschland. Ihr größter Erfolg: Bronze bei der Mixed-Europameisterschaft 2010. Ihr Traum: die Olympischen Winterspiele in vier Jahren in der südkoreanischen Stadt Pyeongchang.

Leben kann Imogen Lehmann vom Curling nicht. „Die duale Karriereplanung ist daher eine schöne Möglichkeit“, sagt die Leistungssportlerin im Hinblick auf die Zeit nach der Sportkarriere. „Einerseits kann ich mit dem Curling weitermachen. Anderseits ist der Kopf gefordert.“

Das ist er auf dem Eis allerdings auch. „Die Taktik macht viel aus“, erklärt Lehmann. „Curling ist wie Schach auf dem Eis.“ Davon ist sie fasziniert, genau wie von dem Teamgefühl. Daher ist sie auch im Studium keine Einzelkämpferin, obwohl sie es „wahnsinnig gut findet, dass alles online geht“. Alle zwei Wochen trifft sich Imogen Lehmann mit ihrer Lerngruppe im Drei-Ländereck Schweiz / Deutschland / Frankreich. „Wir sind alle in einer ähnlichen Situation“, sagt sie. „Die anderen haben ihren Beruf, ich meinen Sport.“

Training auf und neben dem Eis

Der ist zeitaufwändiger als mancher denkt. Imogen Lehmann trainiert jeden Tag mehrere Stunden auf und neben dem Eis. „Intervalltraining und Ausdauersport sind sehr wichtig“, erklärt sie. „Im Curling spielt man einen Stein und wischt danach die Steine der Mitspieler.“

Um Studium und Training unter einen Hut zu bekommen, hat sie einen festen Tagesablauf. Während am Wochenende Wettkämpfe und Teamtraining meist in der Schweiz anstehen („Da ist das Eis besser als in Deutschland“), trainiert sie unter der Woche allein. Am Morgen geht sie laufen, danach wird gelernt. Später trainiert sie ein bis zwei Stunden auf dem Eis, bevor wieder gelernt wird und zum Abschluss noch eine Einheit im Kraftraum ansteht.

Hoher Zeitaufwand

„Das Studium braucht viel Zeit“, hat Lehmann den Aufwand anfangs unterschätzt. „Rechtswissenschaft ist sehr viel Theorie.“ Am meisten interessiert sie das Sportrecht. Beruflich hat sie aber noch kein konkretes Ziel im Auge, sie steht ja erst am Anfang ihres Studiums.

Am Anfang seiner Möglichkeiten ist auch noch ihr junges Curling-Team. Daher sind die Ziele bei der WM nicht zu hoch gesteckt. „Wir spielen das erste Mal bei einem großen Wettkampf zusammen. Dabei sein und Erfahrungen sammeln, darum geht es“, sagt Imogen Lehmann, die maßgeblichen Einfluss auf das Abschneiden hat. Sie spielt als Skip – also als Kapitänin – die letzten und entscheidenden Steine und legt die Spieltaktik fest.

Carolin Annemüller | 12.03.2014